Der Leo-Aspekt. Altgruftipunks Textereien.

Schwachsinnige Seiten Trier 05/07
Ratgeber Dach & Wohnen
Scheuche versus Aquator

Der Nachteil: Vergrämen ist bisweilen zu subtil für so dämliche Tiere, eine Taube setzt sich eher unverdrossen zwischen Stahlspitzen, als sich darüber zu grämen. Drahtnetze oder Stromstöße werden zwar mit Erfolg deutlicher, sind aber für ein ganz normales Hausdach nicht recht geeignet. Stellen Sie sich die riesigen Anti-Volièren vor. Und die bedauerns­werten Dachdecker ...!

Privat kämpfende DG-Städter bringen an Dachgauben immer wieder gern die Tau­benscheuche zum Einsatz. Die kann von flatternden Stoffstreifen über blit­zend baumelnde Spiegel bis hin zu witzig ge­stalteten Halteverbotsschildern alle er­denklichen Formen annehmen. Ihnen al­len ist gemeinsam: Sie sind völlig nutzlos. Die Tauben gucken sich das eine Zeitlang aus der Ferne an, wenig später sind sie wieder da. Und balzen dreist im Schatten der Scheuche.

Die der Scheuchentechnik verwandte Konkurrenzmethode krankt an ähnlichen Mängeln. Der Gewöhnungseffekt ist bei beiden zu hoch, ob Sie nun Ihren alten Plüschtiger oder einen ausgestopften Lämmergeier auf dem Dach montieren. (Wäre auch schade um den Geier, der ist eh schon so selten.) Immerhin ist diese Methode besonders nachbarfreundlich: Das Tier auf dem Dach sorgt für be­ständige Erheiterung, stört dabei aber niemanden, im Gegensatz zu den blen­denden Reflexen eines Spiegels.

Die plötzliche Beschallung wiederum kann schmerzhaft sein und sogar zu bleiben­den Schäden führen. Mit laut erschal­lender Musik hat sie nichts zu tun, die ist Sache des Nervbolzens von nebenan. Gemeint sind vielmehr das Bollern und das Prollen.
Bollern: Mit den Fäusten (oder wahlweise dem Fuß, einem Vorschlaghammer, ...) in Höhe des geschätzen Taubenvorkom­mens an die Dachschräge bollern.
Prollen: Den Kopf aus dem Fenster strecken und zielgerichtet unflätige Be­schimpfungen in Richtung der zu ver­treibenden Schreibiester brüllen. Bewährt haben sich unter anderm "Ihr blöden Viecher!", oder bei Individuen das klas­sische "Hau ab!" (Kenner betonen das 'Hau' ).

Voll im Trend liegt derzeit die innovative Eliminierung mittels Aquatechnik. Sie macht allerdings Investitionen in eine entsprechende Ausrüstung notwendig, auch der Umgang mit einem sogenan­nten 'Aquator' muss erlernt werden. Das Prin­zip ist einfach, zur Veranschauli­chung soll folgende Formel dienen:

Wasser + Druck = Taube + weg.

Welcher Aquator das für Sie geeignete Modell ist, hängt von vielen Faktoren ab. Am besten lassen Sie sich von fachlich kompetentem Verkaufspersonal beraten. Unser Tipp: Spielwarengeschäft, Abteil­ung Wasserpistolen. Sollten Sie die Sa­che erst einmal ausprobieren wollen, empfiehlt die Redaktion eine einfache Plastikflasche mit Ventilverschluß (ge­nau, Spülmittelbehälter und Konsorten).

Für den Umgang mit dem Abschussgerät seien Ihnen abschließend noch ein paar praktische Ratschläge mit auf den Weg gegeben:

• Der Aquator ist möglichst nach jedem Schuss wiederzubefüllen, denn bereits nach einem geringen Flüssigkeitsverlust erreicht er nicht mehr die notwendige Schlagkraft.
• Schießen Sie sich unbedingt zuerst ein, um Passanten, Nachbarn und Lämmer­geiern unfreiwillige Duschen zu ersparen.
• Spritzen Sie auf keinen Fall einen Dachdecker nass! Das kann sehr schmerzhaft enden.

Ein bis zum Anschlag gefüllter Aquator wird bei Fortgeschittenen erstaunliche Reichweiten erzielen. Besonders geübte Aquatechniker holen ihre Täubchen sogar im Flug aus der Luft.

Gutes Gelingen und - Attackeeee!

emr