Eine Spülerin erzählt: Mein erstes Leben X
24. Juli 2010(Lesen Sie auch Teil IX!) Die zweite Kurzpause war bisweilen kaum auszuhalten, aber sie läutete meist auch den ruhigsten Teil des Tages ein. Gegen drei Uhr gingen die Köche in ihre lange Freizeit zwischen den Teilschichten. Wir versetzten letzte Berge, manchmal auch Hügellandschaften, der Betrieb ließ spürbar nach. Küche eins war auf einmal recht gemütlich mit ein paar herumwerkelnden Küchenhilfen und Jungköchen, die auch mal miteinander schwatzen und das Radio laufen hatten. Zum zweiten, weniger intensiven Putzen von Küche 1 fegte ein Spüler um sie herum zusammen, was ihr Arbeitseifer auf dem Boden verteilt hatte. Der zweite nahm sich den Boden klassisch mit Lappen und Eimer vor,1 gefolgt wiederum vom ersten mit einem Abzieher.
Währenddessen machte Nummer drei die Spülküche sauber: Mit Hochdruck Wasser aus dem langen grünen Schlauch auf den Boden zischen lassen. Schrubben, abziehen, Senkschächte reinigen.2 Doch zuerst galt es, die Korbtransport-Maschine zu zerlegen. An ihrer meterlangen Flanke ließen sich große Edelstahlplatten hochschieben, dahinter wurden die Eingeweide sichtbar. Etliche Teile davon mussten in einer vorgeschriebenen Reihenfolge mal herausgezogen, mal ausgehakt, mal losgedreht und nach Zwischenlagerung im Besteckwagen einzeln gereinigt werden. Die Maschine selbst haben wir ebenfalls mit dem Schlauch traktiert. Beginnend beim Tisch mit dem Überbau, über den Einschiebtisch hinweg ins quadratische Maul und hinein in den stählernen Magen, endend beim Ausgabetisch. Der Schlauch war schwer und prall vor Druck, das Wasser sehr heiß, die Handhabung dieses Instrumentes bedurfte einiger Kraft und Übung. Ich habe diese Arbeit einmal alleine gemacht, zum Amüsement meiner stets nur dezent betröpfelten Kollegen triefte ich danach vor Nässe.
Zum Schluss brachten wir Speisereste, eventuelle Scherben,3 Restmüll und Wertstoffe mit dem Lastenaufzug in den Keller. Es folgte ein letzter Kontrollgang durch die Spülküche - alles ausgeschaltet, alle Geräte mit Reiniger und Klarspüler bestückt? Wenn der grüne Schlauch sich auf dem Halter verdreht hatte, beschimpften meine Kollegen den Schuldigen, meistens Martina, und sie musste ihn bändigen. Gegen halb vier oder vier war Feierabend. Ein Tschöh! in Küche eins und auf in die Umkleide. Schürze noch sauber? Wenn ja, samt Handschuhen im Spind verstauen, wenn nein, die Bänder mit dem Seemannsknoten versehen und in die Wäschetonne werfen. Umziehen war mir immer zu blöd. Spind zu, klapp durch die Tür und ab nach Hause, um dort die miefigen Klamotten loszuwerden und die Küchendünste vom Leib zu spülen.
Ende
- Ein Kollege hatte eine geniale Art entwickelt, den Eimer mit dem Schrubber ruckartig so durch die Gänge zu schieben, dass genau die zum Schrubben benötigte Menge überschwappte. [↩]
- Yeah! Eine wahre Freude nach dem umständlichen Gefitschel damals in der eigenen Kneipe. [↩]
- Wer Scherben erzeugt oder auch nur gefunden hatte, musste auf einer Bruchliste Zeit, Ort, Name, Gegenstand und Grund notieren. Alle Kollegen wachten mit Argusaugen darüber, dass der Eintrag erfolgte. [↩]