Archiv für die Kategorie „Meinerei“

Richard Harland: Worldshaker

Dienstag, 24. August 2010

Mr. Gibber lässt den Ruhm der kauzigsten Lehrer1 verblassen, denn Mr. Gibber hat einen veritablen Dachschaden. Wenn er seinen Schülern von der Arche erzählt, dann war sie natürlich ein Juggernaut, ein riesiges Weltenschiff, wie der Worldshaker. Und Noah hat nicht nur von jeder Tierart, sondern auch aus jeder Gesellschaftsklasse zwei Exemplare mit an Bord genommen!

Richard Harland hat den skurrilen Lehrer von Klasse 4a erschaffen, doch der “Gibbon” dient ihm im Worldshaker nur als Nebenfigur. Worldshaker, das ist einer von diesen Steampunk-Romanen, in denen alles irgendwie viktorianisch2 daherkommt. Mit Dampfkraft, aber weiterentwickelt, und überhaupt ganz anders als in Wirklichkeit. Worldshaker spielt nicht etwa in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts,3 sondern 1995. Der Roman ist außerdem beruhigend zeitgenössisch konstruiert:4 Statt erst einmal Sinn, Zweck und Werdegang des Juggernauts abzuhandeln,5 wirft Harland seine Leser mitten ins Geschehen. Das monströse Gefährt lernen wir nebenher kennen, blicken dazu der Hauptperson über die Schulter. Eigentlich geht es ja auch gar nicht um das dampfbetriebene Schiff. Obwohl seine Bevölkerung der einer Kleinstadt entspricht, bildet es nur den – angenehm exotischen – Hintergrund6 für die rasante Entwicklung des Helden.

Colbert Porpentine heißt er, auch bekannt als Enkel des Oberbefehlshabers. Die Handlung macht sich sofort über ihn her, stellt seine heile Welt auf den Kopf und lässt ihn nicht mehr in Ruhe. Zu Beginn ist Col ein wohlbehüteter Sechzehnjähriger und aus unserer Sicht für sein Alter sehr naiv. Wie soll er es auch besser wissen? Er ist fest verankert in einer Lebensweise, die wir auf Anhieb als falsch empfinden. Seiner Umgebung dagegen sind solche Überlegungen vollständig fremd. Immerhin hat der junge Porpentine einige hilfreiche Eigenschaften: Er ist intelligent, neugierig und … pubertiert. Da kommt Riff genau richtig. Wild, anders und auch schon mal zum Küssen aufgelegt, was Col zuerst fast zu Tode erschreckt.

Riff ist eine von den “Dreckigen”, vertierte Kreaturen ohne Sprache, die in den unteren Regionen des Worldshaker hausen. Soweit Cols Kenntnisstand, denn über diese Wesen spricht man nicht. Halb reagiert er auf den ersten Kuss wie Lucy auf Snoopys Liebesbezeugung.7 Aber eben nur halb. Riff kann sehr wohl sprechen, sie sagt sogar Sachen, über die nachzudenken sich lohnt. Und sie ist hübsch! Der arme Kerl weiß nicht, was da über ihn gekommen ist. Sex existiert noch nicht als diskutierbarer Begriff, es gibt da allerdings etwas Primitives, womit Tiere auf unklare Weise noch mehr Tiere hervorbringen … Cols Schulkameraden sind ihm bei solchen Fragen keine Hilfe. Wenn Mr. Gibber über Vermehrung spricht, schreit Klasse 4a unisono “Iiiih!”8 und Col ekelt sich mit. Liebe? Das ist ein Gefühl zwischen Enkel und Großmutter, wobei Col mit der seinigen besonderes Glück hat – Ebnolia ist lieb, sanft und zart.

Der physischen Enge auf jedem – auch dem gigantischsten – Schiff entsprechend, lebt Colbert eingezwängt zwischen der fürsorglichen Ebnolia, dem ehrfurchtgebietenden Großvater, einer Mutter, die überwiegend aus Zuständen besteht und seinem kaum in Erscheinung tretenden Vater. Es überrascht nicht, dass der Junge den Anweisungen seiner Familie gehorcht wie ein perfekt dressiertes Haustier: Was diese Menschen ihm sagen, kann nur gut und richtig sein. Die gesellschaftlichen Regeln, an die alle gebunden sind, geben ihm ein Gefühl der Sicherheit. Erst Riff zeigt ihm, dass seine Welt nicht die einzige und alles andere als gut ist. Natürlich glaubt er ihr nicht …

Wird es diesem sympathischen jungen Mann gelingen, sich aus dem Zwang der viktorianischen (Doppel)Moral herauszukämpfen? Sie wissen es längst: Worldshaker ist ein Jugendbuch. Vergessen Sie das wieder. Die Handlung ist so mitreißend, die Hin- und Hergerissenheit des Jungen so spannend, dass seine Nöte und Sehnsüchte zu denen des Lesers werden. Mit Col werden Sie auf Riff warten, wegen Col werden Sie mit den Zähnen knirschen, wenn Erziehung und Gewohnheit ihn vom Handeln abhalten. Lediglich die Idee eines über Land (!) fahrenden Juggernauten ist mir denn doch etwas weit hergeholt. Etwas unglaubwürdig auch, dass Cols Zimmer ein derart ungestörtes Refugium sein soll. Macht nichts: Worldshaker ist eine herrlich entspannende Lektüre, ich kann sie besonders für einen bis zwei Leseabende nach einer anstrengenden Spülschicht empfehlen. ;) Und damit wären wir beim einzig echten Kritikpunkt angelangt: Das Buch ist mit ein paar Happen verschlungen, es ist viel zu schnell ausgelesen. Doch dagegen gibt es Liberator – genau: Die Fortsetzung.

Mehr dazu: Auf clockworker.de finden Sie die Rezi eines Steampunk-Sachverständigen

  1. Zu finden z.B. in Die Feuerzangenbowle, Heinrich Spoerl. Oder in Professor Unrat, Heinrich Mann. []
  2. Grob umrissen: Industrielle Revolution, wirtschaftlicher Aufschwung, Ausbau des Eisenbahnnetzes, Dampfschiffe. Aber auch Industriestädte mit Armenghettos, starre Gesellschaftsform, strenge Moral. Und ein ziemlich cooles Design. ;) []
  3. Viktorianische Epoche: 1837 – 1901, Regierungszeit von Viktoria, Königin von Großbritannien und Irland []
  4. Ich mag Schmöker wie Moby Dick (Herman Melville, 1851), aber die Schwerfälligkeit solcher Werke ist nicht jedermanns Sache. []
  5. gefolgt von einer umständlichen Beschreibung seines Aufbaus und der technischen Details, []
  6. Auf anderer Ebene ist es Gleichnis für eine ausbeuterische Lebensweise []
  7. Holt Wasser, holt Jod! Ein Hund hat mich geküsst! Aus: Die Peanuts (Charles M. Schulz), einst sehr beliebte Zeichentrickserie []
  8. Gefolgt von “Würg!” Eine erheiternde Szene, und in dieser Form in einem Werk wie Moby Dick undenkbar. []

Das aktuelle Tankauto-Inserat

Sonntag, 21. März 2010

Weil mich Tankauto geärgert hat, widme ich dem Thema einen weiteren Beitrag, obwohl mir bereits der erste durch hohe Zugriffszahlen die Blogstatistik verschandelt. Hier also das Blaue vom Himmel, versprochen durch Tankauto:1

>>> Tankauto – die automatische Einkommensmöglichkeit weltweit!
Automatisches Einkommen? Nee, ist klar. Automatisch heißt: von selber. Daheim auf der Couch zurücklehnen, während sich das Girokonto von selbst bestückt. Weltweit. Global quasi. Erdumspannendes Sofafläzen.

>>> - Heimarbeit
Was denn nun? Couch oder Arbeit?

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Jenseits von Gut und Böse, ganz automatisch. Und das ist erst der Anfang, weil … unbegrenzt! Tausende, nein, Millionen werden auf Sie niederprasseln! Miese Milliarden. Böse Galaxien! Die Ziege mit den zwei Köpfen! Der Tank mit den zwei Autos! UÄÄÄH!!2

>>> Zusätzlich erfahren Sie, wie Sie… WELTWEIT -15% GÜNSTIGER TANKEN
Sonst wär’s ja nicht Tankauto. Weltweit wird jeder Tankstellenbetreiber all den vielen Tankautos einfach so die Tankfüllung billiger überlassen. Hurra, Schweine können doch fliegen!

>>> Die automatische Einkommensmöglichkeit weltweit!
Den kenn’ wa schon.

>>> Jetzt dürfen auch Sie automatisch und unbegrenzt Geld verdienen! Ohne etwas zu verkaufen, ohne jemanden anzureden oder anzurufen! Einfacher geht Geldverdienen nicht mehr!
Ui, das ist aber nett. Wieso gibt es eigentlich ALG II – Empfänger/innen, wo doch Tankauto schon seit Jahren präsent zu sein behauptet? Die Hartz IV-Leute könnten längst alle jenseits von 2500 € leben. Mit oder ohne Ziege! Und wo kommen die ganzen vielen Euros eigentlich her? Wer zahlt mir die wofür? Und warum tut er das? Uäh?

>>> Hier und Jetzt geht es um Ihr zukünftiges automatisches Einkommen jenseits von 2.500 Euro!
Den kenn’ wa auch schon. Komma zur Sache jetzt.

>>> Kontaktieren Sie mich noch HEUTE, wenn Sie für diese geniale Verdienstmöglichkeit bereit sind.
Immer diese Bedingungen … *grummel*
Ha, da ist es wieder: Kontaktperson kontaktieren. Sie werden sie zu unseren Tankfüllungen hinzufügen. Sie werden assimiliert werden. Widerstand ist zwecklos!
3

>>> Kopieren Sie einfach den link und informieren Sie sich kostenlos weiter…
Ei der Daus, kostenlos? Das will ich doch wohl hoffen, dass informationsfreies Tankautoge<zensiert>xxx>/zensiert> nicht auch noch Geld kostet! – Welche Strafe steht eigentlich auf vorsätzliche Verarschung von Arbeitslosen?

  1. Entdeckt auf hunderttausend.de, gar leibreizend, hrngh-öch, will sagen: liebreizend eingebettet in die üblichen Serie nervtötender Tankauto-Inserate []
  2. Übertreiben kann jeder. Auch maßlos. []
  3. Das mit der Ziege ist von Lovecraft, den hier kennen Sie von den Borg. []

Mehr milchfreie Schokolade

Dienstag, 16. März 2010

Nach Soyabella habe ich eine weitere milchfreie Schokoladensorte probiert: Die Rice Milk der Firma Bonvita aus den Niederlanden. Im Trierer BioGate gibt es sie zwei Varianten:

- “Chocolate Couverture” (Dt. Beschr.: “Reis Milch Schokolade Couverture”)
Inhaltsstoffe: Rohrohrzucker, Kakaobutter, Reismilchpulver (17%), Kakaomasse, Vanille. “Dieses Produkt wird in einer Fabrik hergestellt, in der auch Nüsse und Milchprodukte gefertigt werden.” Alles aus Bioanbau und fairem Handel, Kakao 48% mind.
Sie ist relativ dunkel und schmeckt im Gegensatz zur Soyabella tatsächlich schokoladig, leicht nach Zartbitter. Kein Wunder, ist ja auch Kakao drin.

- “White Bar” (Deutsche Beschriftung: “Reismilch Tafel Weiß”)
Inhaltsstoffe: Kakaobutter, Rohrohrzucker, Reissirup (10%), Sonnenblumenöl, Vanille, Salz. Alles bis auf das Salz aus Bioanbau und fairem Handel, Kakao 47% mind.
Das mit dem Kakao steht so drauf, keine Ahnung, ob er wirklich drin ist – die Tafel ist weiß. Sie schmeckt nach Fett mit Zucker und Vanille, was weiße Schokolade im Grunde genommen auch ist. Nur fallen andere (milchhaltige) Sorten eher durch (mir) unangenehme Süße als durch hohen Fettanteil auf. “White Bar” ist pur nicht wirklich ein Genuss, außer Sie essen gern betont mastig.

Brechen Sie zwei Stücke ab, eins von jeder Farbe, und packen Sie zum Essen beide als Sandwich aufeinander. Vorsicht, hoher Suchtfaktor, denn so fällt der Zartbitter-Aspekt weg und das Fett schmeckt nicht mehr so aufdringlich. – Während die dunkle Sorte mit “Lactose free” wirbt, steht auf der hellen “Dairy free”, sie ist also frei von Molkereien und Milchgeschäften. Beruhigend.

Mauerfall und Kriegsgeneration II

Freitag, 26. Februar 2010

Fortsetzung des Fundstücks, datiert auf November 2009

Im Oktober 1989 wusste ich, wo ich mich befand, denn bis dahin hatte ich eine Menge real existierende DDR in den Medien gesehen und gehört. Heute aber gibt es Hunderttausende, die frei von DDR aufgewachsen sind. Junge Menschen, die einen Studienplatz suchen und dabei ganz selbstverständlich Leipzig oder Dresden in Erwägung ziehen. Denen Rügen nicht unerreichbar fern liegt, sodass sie den einstigen Zauber von Caspar David Friedrichs Werk nicht verstehen. Die, nach der Hauptstadt unseres Landes befragt, niemals “Bonn, äh, Berlin!” antworten würden. Leute, die keinen Begriff haben von der innerdeutschen Exotik, die Berlin einst zueigen war. Laut Medien hält der jüngere und unbedarftere Nachwuchs die Deutsche DR sogar für “cool” und bezeichnet ihr Wirtschaftssystem als “erfolgreich”. Und hat null Wissen im Kopf von den krassen Sperranlagen, mit denen dieser Staat verhindern musste, dass seine Bürger zu Zehntausenden geflohen sind.

Wer nie von alten Leuten beschimpft wurde, mag sich angesichts solcher Aussagen sprachlos an den Kopf fassen. Halten diese Dummbälger Stasi für einen Kosenamen? Vielleicht von Stasimir, irgend jemandes großer Bruder wird er wohl sein? Das erinnert an newspeak. Minipax klingt so nett, mit dem Wörtchen Stasi scheint diese Manipulation doppelplusgut funktioniert zu haben. Wie kann hierzulande jemand von Plansoll, LPG und der lächerlichen Kaufkraft der blechstückartigen “Mark” nie gehört haben? Nichts wissen von den Schlangen vor dem Konsum und der miesen Produktqualität? Nicht ahnen, dass Besitz verpönt und Westfernsehen verboten war, dass sogar das Denken überwacht wurde? Wie kann ein denkender Einheimischer nicht einmal von den Flüchtlingen wissen, die DDR-Wachposten an der innerdeutschen Grenze erschossen haben?

So fragt sich vielleicht, wer selber nie beschimpft wurde. Denn das alles fand zwar dicht neben uns statt, doch “diese Dummbälger” haben es nicht erlebt, sie waren zu DDR-Zeiten noch nicht auf der Welt. Ihnen geht es genauso wie uns mit dem Krieg. Die nächste Generation kümmert nur die Gegenwart, damit hat sie gefühlt genug Probleme. Alte Mauern interessieren sie nicht die Bohne! Und die Schule, nun ja. Lassen Sie es mich so formulieren: Kluge Kinder wissen sie zu nutzen, egal mit welcher Reform oder welchen Lehrern sie dort gerade konfrontiert werden. Und bei scheinbar aussichtslosen Fällen muss manchmal nur das Wissen ein paar Jahre reifen. Schmerzliche Erkenntnis, dass ein Teil des eigenen Erlebens für Jüngere belanglos bis nichtexistent ist. Es lässt sie so unfähig, so dumm und großmäulig wirken. Wie muss sich das erst für Menschen angefühlt haben, die einen ausgewachsenen Weltkrieg überlebt hatten. Und von uns zu hören bekamen, das sei “ödes Zeug ohne jeglichen Bezug zur Realität”.

Mauerfall und Kriegsgeneration I

Donnerstag, 25. Februar 2010

Hier wieder ein unveröffentlichtes Werk oder auch Fundstück, diesmal von November 2009.

Auf der Tagesschau-Seite gibt es Die multimediale Chronik von tagesschau.de zeigt die Ereignisse, die 1989 zum Fall der Mauer führten zu sehen. Ich war vom 08. bis 16. Oktober 1989 im Rahmen einer Geobotanik-Exkursion in der DDR, damals haben mich diese Ereignisse nur peripher interessiert. Umso erstaunter war ich heute, wie vertraut all die Politiker-Namen klangen. Und erstmals konnte ich die noch gar nicht soo alten Leute verstehen, die mich als Kind und Teenager “mit dem Krieg vollgesülzt” haben. So sah ich das als Teeny, ich war so dämlich wie diese Spezies im Schnitt eben ist.

Viele alte Leute konnten oder aber wollten das damals nicht verstehen: Wir waren als Generation herangewachsen, die vom kollektiven Schrecken des Krieges nur aus der Ferne gehört hatte. Unsere Eltern waren während des Krieges geboren, sie kannten ihn durch die eigenen Eltern. Wir aber konnten damit nichts mehr anfangen – und es interessierte uns auch nicht. Nicht die Bohne! Zumal wir immer wieder mit merkwürdigen Drohreden konfrontiert wurden: Wir sollten nichts taugen, hieß es, weil wir es “zu gut” hatten, immer zu essen, nichts zu arbeiten. Immer zu essen? So ein Quatsch, das war doch ganz normal … und wieso denn arbeiten? Kinder durften doch gar nicht arbeiten! Alles blöde Anmachsprüche neidischer alter Leute. Kriege, das war ödes Zeug ohne jeglichen Bezug zur Realität. Man musste es mühselig auswendig lernen, um in Geschichte eine halbwegs passable Note zu bekommen, der Sinn dieser Quälerei blieb unklar.1

Die Feierlichkeiten zum Mauerfall haben mich an diese alten Leute erinnert, und mittlerweile kann ich ihnen ein wenig nachempfinden. Es gibt eine Menge Menschen, denen die Chronik des Mauerfalls ebenfalls eine öde Aufzählung ist, weil sie die Deutsche Demokratische Republik nicht erlebt haben. Mir war sie ein selbstverständlicher Begriff seit dem Tag, an dem mich als ungefähr Zehnjährige auf einmal ein Brief aus den USA erreichte. In der Schule gab es manchmal Zettel zum Ausfüllen, wenn man Brieffreunde aus der ganzen Welt haben wollte, und der arme Octavio R. Bermudez Pérez, ich weiß es noch heute, war an mich geraten. Er wollte wissen, wie es denn sei, in einem geteilten Land zu leben. Erstaunt fragte ich meinen Vater, was Octavio damit meine. Der fiel aus allen Wolken – ob ich denn noch nie etwas von der DDR gehört habe? Ja, schon, das war halt irgend so ein langweiliger Erwachsenenkram, bei dem alle immer ganz ernst wurden … und dieses merkwürdige Gebilde war weit weg, noch hinter der Ostgrenze der BRD, wo wir doch die Westgrenze bildeten. Lesen Sie auch Teil 2!

  1. Mir wollten Geschichtszahlen so wenig in den Kopf wie Öl in die Tiefen von Wasser. []

Die Wortwaffen lokaler Rumpelstilzchen

Montag, 22. Februar 2010

Vor kurzem habe ich unter dem Hashtag #fies einen unsäglichen “Witz” gefunden. Einen von der Sorte, die vielleicht Neonazis gern unter Schulkindern verbreiten. Zuerst habe ich mich geärgert über die strunzblöden Schülerlein1, die so etwas hirnlos nachplappern, tweeten und retweeten. Und damit ganz im Sinne der Neonazis weiterverbreiten. Nun ja, ich war selber mal aus Jugend dämlich, vielleicht bin ich deshalb noch heute etwas langsam im Denken. Mir ist nämlich erst nach dem Ärgern klargeworden: Diese Neonazi-Wortwaffe kann problemlos gegen die Verbeiter selbst gewendet werden, weil sie extrem verallgemeinert.

Das hat mich seinerzeit auch am Verulk-Video zur beliebtesten Partei Triers gestört. Ja, Trier hat ein peinliches Prozent REP-Wähler, dessen Frontmann ein Kommentator auf 16vor nicht ungeschickt “Rumpelstilzchen” zu nennen vorschlug. Angesichts der jüngsten Aktivitäten der Anhänger dieses Unholdes (null Aktivitäten) beschleicht mich immer mehr der Verdacht, dass nur der bisweilen etwas derbe Trierer Humor hinter seiner Wahl steckt: Wenn dau den wählschd, krieste en Kischd Bidburja. Dann wählen ma den un holen dat Bia ab un Tschöh. Höhö.2

Im Verulk-Filmchen wird Rumpelstilzchen zum Pro seiner Partei befragt. Als Antwort sind die Schweigestellen des offiziellen Parteivideos so zusammengeschnitten und gelängt, dass Rumpelstilzchen anhaltend und verlegen stumm zu bleiben scheint. Das wirkt lustig. Aber das Video greift nicht die echten Schwachpunkte seiner politischen Überzeugung an, von denen sich doch mehr als genug anbieten. Es ist so allgemein gehalten, dass jede Partei, jede Firma, Marke, Mensch, einfach alles damit verulkt werden kann, und dadurch verliert es viel.

Der blöde Witz ist genauso gestrickt. Er ist nicht neu, er ist nicht besonders lustig, das übliche Frage – Unerwartete Antwort – Spielchen. Neu ist lediglich seine Bereitstellung in diesem Weblog als Allround-Waffe für Jedermann:
Frage: Wie nennt man das, wenn ein Transporter mit zwei [Hier Ihr persönliches Feindbild einfügen!] von der Straße abkommt und in den Abgrund stürzt?
Antwort: Es ist Verschwendung! Da hätten auch acht [Hier Ihr persönliches Feindbild einfügen!] reingepasst.

Anwendungsbeispiel:
“Wie nennt man das, wenn ein Transporter mit zwei Neonazis von der Straße abkommt und in den Abgrund stürzt?”
“Keine Ahnung. Unfall? Abwracken nach der Prämie?”
“Nee, das ist Verschwendung! Da hätten acht Neonazis reingepasst!”

  1. Yeah, das ist abwertend gemeint. War selber mal Schülerlein. []
  2. Korrekturen in korrektes Trierisch nehme ich dankend entgegen. ;) []

Milchfreie “Schokolade”

Samstag, 20. Februar 2010

Dunkel konnte ich mich daran erinnern, dass es etwas namens “Carob” gibt, das irgendwie Schokolade ersetzt. Heute im BioGate habe ich eine Tafel Soyabella entdeckt – vermutlich existiert dieses Produkt schon lange, bloß habe ich nie danach gesucht. Carob ist das Fruchtfleisch der Samen vom Johannisbrotbaum und kann eine Alternative zu Kakao sein. Es hat also nichts mit der Milch in Schokolade zu tun. Warum steht dann “Milchfreie Schokolade” da oben? Gut aufgepasst! Die von mir entdeckte Soyabella ist in Wahrheit Carob mit Soja.1 Und nicht für jeden ein Schokolade-Ersatz, denn sie ist nur Hardcore-Biokostfreaks zu empfehlen. Leuten, die auch schon mal gemahlenen Hafer mit Leinöl und Sonnenblumenkernen verspachteln.2

Die Carobe Soja Tafel der Firma Molenaartje (from Holland) ist tatsächlich frei von Laktose. Sie enthält Kakaobutter (ganz ohne geht es wohl doch nicht); Carobepulver (22%), getrockneten Gerstenmalzsirup, getrockneten Maisglucosesirup, Sojamehl und Vanille. Alles aus kontrolliert biologischem Anbau, versteht sich. Achtung! Bitte realisieren Sie, dass so etwas nicht billig-billig, günstig-günstig, hechel-hechel für 69 Cent je 100 Gramm erhältlich ist. Und dass Soja mit Carob nicht wie Kakao mit Kuhmilch schmeckt. Soyabella ist dunkel wie Blockschokolade, aber zum Glück nicht so eisenhart. Sie hat einen splitterigen Biss und es fehlt der Schmelz der echten Schokolade: Das Fett, das sich als Film über die Zähne legt. Ich finde das sehr angenehm. Es schmeckt auf natürliche Art “leicht”, wie das kein chemisch auf “light” getrimmtes Produkt hinbekommt. Carob mit Soja erinnert an Schokolade auf Wasserbasis, hat aber mehr Geschmack. Und sie klebt nicht. Mir ist sie allenfalls etwas zu süß.

Schokoladenliebhaber, die sich konventionell ernähren, werden bitterlich enttäuscht sein und über den Preis von aktuell 2,49 € (BioGate) schimpfen. Vermute ich jedenfalls, ich will nicht unbedacht empfehlen und später dafür in den Himmel verdammt werden. Meine plagende Lust auf Schokolade ist nach acht Stücken3 Soyabella vollständig verschwunden, ohne Magengrimmen und ohne, dass ich dazu die ganze Tafel aufessen musste. Zweidrittel davon liegen jetzt im Schrank zwecks Beobachtung des Alterungsprozesses. Wenn ich so die lästige Gims4 auf Süßkram loswerde, soll es mir recht sein.

Übrigens gab es auch Schokolade mit Ziegenmilch. Entgegen der landläufigen Meinung enthält Ziegenmilch jedoch sehr wohl Laktose, denn Laktose ist nun einmal Milchzucker und in der Milch aller Säugetiere enthalten.5 Außerdem ist Ziegenmilch in meiner Vorstellung untrennbar mit Ziegenkäse verbunden, den ich für mein Leben gern esse noch immer manchmal esse. Zwar gilt es seit einiger Zeit als hip, Schokolade mit sonstwas zu vermengen, doch in der Beziehung bin ich selber konservativ. Wenn schon Schokolade, dann bitte ohne (fantasierten) Ziegenkäse. :kopfstand:
Zu weiteren laktosefreien Produkten (z.B. Soja mit Kakao) bei Gelegenheit mehr an anderer Stelle!

  1. “Carobella” heißt der altbekannte Brotaufstrich, eine Alternative zum ähnlich benamsten Klassiker. []
  2. Letzteres Verb ist ein saarländisches Synonym für “verputzen” oder eben “vollständig aufessen”, wobei das Aussehen der Haferspeise sich für die betreffenden handwerklichen Tätigkeiten anzubieten scheint. []
  3. Vier aus Begierde, weitere vier zwecks Recherche. []
  4. Schon wieder saarländisch, diesmal für “Gier”, anderswo “Gieper”. []
  5. Fein raus, wer nur gegen Kuhmilch-Laktose allergisch ist. []

Pandemrix-Panikmache

Freitag, 8. Januar 2010

(Hier ein Fundstrück, geschrieben am 02. November 2009)

(11/09) Das Impfen mit Pandemrix erfreut sich nur mäßiger Beliebtheit, prompt wird die Schweinegrippe böse. Sooooo ein Zufall aber auch. Sorry, “liebe” Medien, aber ich bin seinerzeit auf die Panikmache wegen der Vogelgrippe hereingefallen. Es ging mir sowieso gerade nicht gut, da schien dieses neuerliche Übel nur logisch. Ich hatte einige Tage lang tatsächlich Angst um mein erbärmliches bisschen Leben. Und dann war die Pandemie bloß Mediengeschrei. Erst war mir meine Furcht peinlich. Ich kam mir dumm vor. Dann kam die Wut. Ich fühlte mich nicht verulkt, sondern handfest verarscht. Für die sch***verd***te Auflage von ein paar Zeitungen habe ich mich ängstigen müssen? Für nichts und wieder nichts, wo ich sowieso schon genug Kummer hatte?

Oh nein, “liebe” Medien, bei mir habt ihr es verschissen. Ich renne jetzt nicht zum Arzt, ich lasse mir kein Pandemrix in die Blutbahn jagen, bloß weil ihr urplötzlich vom eher skeptischen Ton auf erneutes Geschrei gewechselt habt. Auf wessen Veranlassung? Bleibt die Bundesregierung oder wer auch immer auf den verderblichen Impfdosen sitzen? Versucht sie deshalb, das impfmüde Volk einzuschüchtern? Übrigens: Mir schon klar, dass in allen Schulklassen viele Kinder mit “grippeähnlichen Symptomen” fehlen. Im Herbst und Winter gibt es immer viele solcher Symptome. Zu meiner Zeit war das kein Grund, im Bett zu liegen, wir sind auch erkältet noch zur Schule gegangen. Damals war das normal, inzwischen ist wohl eher davon abzuraten. Heuer lassen Eltern ihr Kind schon daheim, wenn es das Wort Hatschi! zu sorgfältig artikuliert. Oder berichtet, die Banknachbarin huste so komisch.

they says theres tanks

Mittwoch, 6. Januar 2010

“(…) wer in einer zweieinhalb Zeilen langen E-Mail, die doch immerhin als (Kurz-)Bewerbung gedacht ist, sage und schreibe 18 Rechtschreibfehler unterbringt, könnte seinem Gegenüber eigentlich auch gleich vor die Füße spucken.” schrieb der Shopblogger vor einiger Zeit. Zuerst fand ich das lustig, vor allem in Verbindung mit des Shopbloggers Verweis auf einen ähnlichen Beitrag beim Bestatter.

Später ist mir bewusst geworden, dass Björn ausformuliert, wieso manche Leute sich über kumulierte Rechtschreibfehler ärgern: Sie empfinden sie als blöde Anmache. Nehmen das kaum lesbare, zumeist dümmlich wirkende Gestammel als persönliche Beleidigung, als Zumutung von Lesearbeit, die höfliche Leute ihrem Gegenüber durch korrekte Schreibweise ersparen. Ich empfinde ähnlich, Lies dich doch selber, du Idiot! schallt es nicht nur bei hardcore-kleinschreib durch meine kniestöckigen Hallen.

Es gibt eine ganze Menge glücklicher Internetnutzer, die ohne nähere Kenntnis der Grammatik und Rechtschreibung ihrer Muttersprache frei schweifend herumkommunizieren. Häufig in Tateinheit mit einem gewissen Grad von Debilität. Übrigens ein weltweites Phänomen, wie das hübsche Beispiel zeigt, das ich im Lärmopfer-Blog gefunden habe.

Volksfreund Online-Anzeigen

Dienstag, 15. Dezember 2009

Heureka, es ist geschehen: Einst habe ich bei den Online-Anzeigen des Trierischen Volksfreund das Werbegeflimmer und die fehlende Blätterfunktion am Ende moniert. Das Geflimmer war zuerst weg, die Seite ist seit wenigen Wochen neu gestaltet. Sehr angenehm! Sofort war ich dort wieder häufiger unterwegs, auf Wohnungssuche nämlich. Ich bin sehr froh mit diesem Online-Angebot der Trierer Tageszeitung, denn nicht jede/r inseriert seine/ihre Wohnung im Internet. Und seit ich wieder Arbeit habe, kaufe ich die Wochenendausgabe des TV nicht mehr, nur für die Wohnungsinserate lohnt sich das nicht.

Aber das neue Design war noch nicht alles! Soeben habe ich über den Broken Link Checker entdeckt, dass ich die Kleinanzeigenseite verlinkt hatte, und mit ihrer Umgestaltung ist dieser Link ungültig geworden. Beim Aktualisieren desselben fand ich zu meiner großen Verblüffung und noch größeren Freude – eine Umblätterfunktion am Seitenende! Und zwar in Form einer großzügigen Übersicht von 70 Seiten mit Gimmick: Klickt man dort unten z.B. Seite 50 an, passt sich oberhalb der Inserate das Auswahlfenster von 10 Seiten automatisch an. Vielen Dank dem Menschen, der sich das ausgedacht und nur für mich eingebaut hat! :^^:

Der Kleinanzeigenmarkt auf hunderttausend.de

Dienstag, 17. November 2009

Kommentator Christian hat mich vor kurzem mit dem Weblog auf hunderttausend.de bekannt gemacht.1 Als per Link installierte Nebenstelle desselben :wink: möchte ich ich mich einmal ausführlich dem Thema widmen, das die Redaktion von mir zu erwarten scheint: Dem Kleinanzeigenmarkt. Nicht unbekannt dürfte meinen Leserinnen und Lesern die Rubrik Jobs: Stellenangebote sein. Noch immer schaue ich dort vorbei, wenn auch nicht mehr bis zu zehnmal am Tag. Womöglich findet dieselbe nur spannend, wer selbst auf Stellensuche ist oder zumindest eine Zeitlang war, und nur wer sich dort täglich tummelt, kann nachvollziehen, wie unsäglich lästig die Fremdanzeigen sind. Übrigens sind die Rubriknamen “Jobs: Stellenangebote” und “Jobs: Ich suche” schon vor einiger Zeit von der Redaktion neu eingeführt worden, um den Inserenten die korrekte Verortung ihrer Anzeigen durch weniger Ähnlichkeit noch mehr zu erleichtern. Wer weiß, wie es sonst dort aussähe.

Bevor ich das Blog kannte, bin ich davon ausgegangen, dass eine Internetseite für kostenlose Inserate nicht moderiert wird. Das war ein Irrtum. Wenn dort falsch einsortierte Anzeigen verschwunden sind, hielt ich das für Einsicht der Inserenten. Nicht wenige wurden vermutlich von den Einstellern selbst gelöscht, weil ihr Ziel erreicht war. Heute ist die neuestes Anzeigenflut der Tankautoplage2 im Nullkommanichts durch eine Fülle echter Arbeitsangebote nach hinten verschoben worden, auch angenehm. Zwar habe ich mich Zeit meiner fleißigen Nutzung dieser Rubrik zunehmend über das Chaos geärgert, dass die Uneinsichtigen, Verirrten und Ungeübten fast täglich darin angerichtet haben,3 doch dass die anderen von mir bevorzugten Rubriken gänzlich frei davon sind, ist mir nie als Besonderheit aufgefallen. Deshalb habe ich diese Rubriken auch nie erwähnt. Die alte Geschichte: Was uns keine Sorgen macht, was wir als selbstverständlich hinnehmen, kommt nicht ins Weblog. Lob ist langweilig zu lesen und schwierig zu formulieren – zuviel wird peinlich, zu wenig nicht erkannt.

Die hunderttausend Anzeigen nutze ich fast ebenso wie ein Weblog. Vielleicht nehme ich sie auch als spezialisiertes Twitter wahr, mit Option auf lange Texte. Warum ist das unterhaltsam? Nun, ich habe es oft genug erwähnt: Weil dort immer etwas los ist. Meine liebsten Rubriken sind derzeit Wohnen: Biete, dort bin ich geradezu dankbar für die Möglichkeit, gezielt nach einer bestimmten Art von Behausung suchen zu können. Mir filtert das die ganzen WG-Zimmer heraus, die mich nicht interessieren, anderen wiederum hält es die Wohnungen vom Leib. Man kann noch viel mehr Filter einstellen, doch ich begnüge mich meist mit zwei allgemeinen Kategorien, die ich vergnüglich abgrase. In Immobilien (Häuser) schaue ich ebenfalls gern hinein, wie auch in Möbel, Bett & Schrank, beides nur zum Gucken. Dabei geht es im Häusermarkt meist sehr still zu, bei den Möbeln wächst das Angebot tagtäglich noch rasanter als mitunter das an Stellen.

Seit Mohicain sein Gärtchen gepachtet hat, besuche ich auch gern die Landwirtschaft, wo es die seltsamsten Dinge gibt. Bisweilen ist auch die Schreibweise derselben erheiternd. Gut gefällt mir derzeit “Renekloden”. Hört sich fast an wie “Renés Klöten”, da aber auch Bäume und Marmelade erwähnt werden, schließe ich auf Reineclauden. In Wer hilft? ist es immer recht interessant zu lesen, was den Mitmenschen so fehlt und auf was für Ideen manche Leute kommen. Einmal wollte ich einem armen Unbedarften helfen, der offenbar noch nie etwas von einem Sicherungskasten gehört hatte und nach Wechsel einer durchgebrannten Glühbirne ratlos im Finstern saß. Doch tetrapanax ist mir zuvorgekommen. Tja, und das waren die Kategorien, die ich mehr oder weniger regelmäßig besuche. Und das sind mit den Stellenangeboten nur sechs von dreiunddreißig. Warum ich nicht mal andere ausprobiere? Ganz einfach: Weil ich fürchte, ich könnte Gefallen daran finden. Als minijobbende Mehrfachprojektlerin kann ich mir das zeitlich nicht mehr leisten.

  1. Derzeit sucht dort ein Jens Kaffestückchen mit Mohn aus der Region. Helfen Sie Jens! []
  2. Sie lässt sich nicht wegmoderieren, weil das ja tasächlich eine – wenn auch verquere – Art von Stellenangeboten sind []
  3. Liest hier der Mensch mit, der dort ebenfalls Inserate an diese Leute gerichtet hat? Hallo! []

Für die Sache

Freitag, 6. November 2009

Bekanntlich habe ich immer gern die Rubrik für Stellenangebote auf hunderttausend.de genutzt. Inzwischen ist jedes zweite Inserat falsch einsortiert, der Ärger über diesen ewigen Müll überwiegt den Nutzen der Rubrik bei weitem. Wie schlau ist dieses Vorgehen? Ich bin nun einmal nicht auf der Suche nach Kram, und einem Anbieter, der mir so nervig daherkommt, kaufe ich erst recht nichts ab. Auch nicht sein Lobgehudel zum angepriesenen Artikel. Und wer noch nicht einmal in der Lage ist, sein Stellengesuch erfolgreich in der korrekten Rubrik erscheinen zu lassen1, ist für die Einstellung kaum mehr interessant. Wer will schon Deppen anlernen, die einfachste Grundlagen nicht kapieren?

In Zukunft werde ich die Rubrik nur noch sporadisch besuchen, Spaß macht das nämlich nicht mehr. Ein Glück, dass sich die mehrmals täglichen Visiten erledigt haben! Wäre es noch der Fall, ich würde kostenpflichtige Anzeigen vorschlagen, um eine Moderation zu finanzieren, die dort regelmäßig aufräumt. Auch zahle ich lieber etwas, als mein eigenes Inserat inmitten von lauter Schwachsinn erscheinen zu sehen.

Richtig verortet, aber unzuträglich für Leute mit Anzeigenallergie: Das neu eröffnende (…) stellt ab sofort sein neues Team zusammen. Wir suchen zuverlässige Mitarbeiter/-innen mit hohem Engagement für die Sache, die mit Freude, Loyalität und Motivation in einem jungen, ehrgeizigen Team arbeiten möchten. Die Inserate mit der Formulierung “die Sache” sind jedem Nutzer der Rubrik vertraut, sie sind das Markenzeichen einer bereits länger bestehenden Gastronomie. Ich schließe daraus auf den Besitzer der neu eröffnenden. Er ist nämlich so ziemlich der einzige weit und breit, der seine Forderungen stereotyp mit dieser inhaltsleeren Redwendung umschreibt. Was bitte soll das sein, “die Sache”? Die Cosa nostra?

*** Update Sa, 10 Uhr: Warum nur erheitert mich derzeit die hartnäckige Vision von einem Kind im Sandkasten, das mir in einem plötzlichen Wutanfall sein Förmchen ans Bein geworfen hat? (Ergänzung: Woraufhin ich so emsig im Sand zu graben beginne, dass das Material fontänenartig aus der hölzernen Umfassung fliegt. Hihi …) Aber lesen Sie selbst, was mich gestern spät am Abend beschäftigt hat! ***

Nachtrag: Da nicht jeder die Kommentare liest, verorte ich sie hier. Als ich heute von der Arbeit nach Hause gekommen bin, fand ich folgenden:

hunderttausend.de:
Mit besten Grüße aus der Redaktion!

http://insidehunderttausend.blogspot.com/2009/11/kleinanzeigenmarkt-die-letzte.html

***

Hier der Beitrag, den ich unter dem Link vorgefunden habe:

Kleinanzeigenmarkt – Die Letzte
Dies ist der vorerst letzte Blog zum Thema Kleinanzeigenmarkt – versprochen. Warum wir dieses Granatenthema demnächst nicht mehr betreuen? Weil es in der Trierer Blogosphäre jemanden gibt, der sich in der Materie besser auskennt als wir selbst.

Vielen Dank Altgruftipunk!
von Christian

***

Meine Antwort – dass der Kommentator Christian heißt, konnte ich erst dem Link entnehmen, mir hat er sich nicht vorgestellt:

Altgruftipunk:
Hallo Christian,

sorry, aber ich verstehe gar nichts. Ich kenne Dich nicht. Offenbar hast Du Dich über meinen letzten Beitrag geärgert. Wieso?

Was ist “der letzte Blog zum Thema Kleinanzeigenmarkt”? Warum ist es der letzte? Was hat mein eigener Ärger über die Inserenten bei den Kleinanzeigen mit diesem Blog zu tun?

Wärest Du bitte so freundlich, mich zu informieren, um was es hier geht? Was sollen mir “Beste Grüße aus der Redaktion” und “Vielen Dank Altgruftipunk” sagen?

Im Voraus der Dank
von Altgruftipunk

Diese Antwort plus eine zweite mit Verweis auf meinen Nachtrag zwei habe ich im erwähnten Weblog als Kommentar hinterlassen.

***

Inzwischen habe ich das verlinkte Weblog vollständig durchgelesen. Kommentator Christian meint vermutlich, das sei nun der letzte Beitrag zum Thema “Kleinanzeigen” in diesem Blog, es gibt noch zwei weitere solche Beiträge. Die Rubrik “Stellengesuche” wird darin nicht erwähnt. In meinen gesammelten Beiträgen zum Stichwort “hunderttausend.de”, die Kommentator Christian verlinkt hat (mein Blogname ist dort der Link), kann ich nichts finden, was mir sein Verhalten erhellt. Ich hoffe doch, er meldet sich zu Wort und klärt diese Angelegenheit.

Nachtrag 2: Nachdem ich auch hunderttausend.de auf Twitter gecheckt und im Impressum erfolgreich nach einem Christian geforscht hatte (was mich nicht weitergebracht hat – sieht sympathisch aus) – nach all dem ist mir vor zwei Minuten die Idee gekommen, mal in der Rubrik selbst vorbeizuschauen. Und siehe, sie war aufgeräumt.

Kann es tatsächlich sein: Dass ich immer ausgerechnet dann, wenn die Rubrik besonders stark von Fremdanzeigen geflutet war, vorbeigeschaut habe. Und mich im Laufe der Zeit immer mehr darüber aufgeregt habe, bis ich mich in Blogbeiträgen abreagieren musste. Und dass danach tatsächlich jemand aufgeräumt hat, nur habe ich es nie gesehen? Es gibt solche Zufälle. Jedenfalls: Wenn meine Mutmaßung tatsächlich zutreffen sollte, lieber Kommentator Christian, dann sag mir das doch einfach. Dann kann ich einen Beitrag dazu schreiben, wie oft ich mich völlig unnötig aufgeregt habe, wo doch die Redaktion meiner Lieblingsseite dieselbe so professionell pflegt.

  1. Es ist kinderleicht und wer sich mal vertan hat, kann es problemlos nachträglich korrigieren. []

Pandemrix-Pandämonium

Samstag, 24. Oktober 2009

Gesundheit wird teuer Mit dieser Schlagzeile begrüßt die aktuelle Wochenendausgabe unserer Tageszeitung ihre Leser. Tschöh, Laune, viel Spaß noch im Keller. Da hab’ ich nicht mal mehr Lust, mich über die Formulierung zu mokieren. (Wäre sie wörtlich zu verstehen, ich wäre fein raus.) Einen unangemessen großen Teil meiner mageren Ersparnisse, nämlich rund 140 Euro im Monat, frisst die Krankenversicherung weg. Das ist so, weil eine Krankenkasse bei “freiwillig” Versicherten so tut, als hätten sie Einnahmen von über 800 (achthundert!) Euro im Monat. Ich habe aber nur einen winzigen Bruchteil davon und bin als chronisch Kranke dazu gezwungen, den extrem überhöhten Beitrag zu zahlen. Wohlgemerkt zahlen Gleitzonenjobber, ich erwähnte es bereits, bei Einnahmen von nur 401 Euro ganze 40 (vierzig!) Euro im Monat für alle Sozialversicherungen zusammen. Vor dieser blöden Schlagzeile hatte ich das wenigstens verdrängt. Ich glaub’, ich hole mir noch ein paar überflüssige Arzttermine. Wenn ich schon diese närrisch “errechneten” Beiträge zahle, will ich wenigstens Wartezimmerstühle dafür abnutzen.

Was aber gibt es kostenlos? Den Impfstoff Pandemrix. Ich will das Zeug nicht haben, ich nehme nicht alles, nur weil’s für lau ist. Wer weiß, was das nun wieder für Nebenwirkungen und Spätfolgen hat, dazu ist es auch noch empfindlich und heikel in der Anwendung (wenn man der Tageszeitung glauben darf). Mir leuchtet nicht ein, wie ein einziges Serum dauerhaft gegen ein veränderliches Virus immun machen kann, ich verstehe nicht, wieso nun alle Welt überflüssigerweise und auch noch kostenlos damit geimpft werden soll. Warum nicht unentgeltlich für die sogenannten Risikogruppen und wer es sonst noch unbedingt haben will, zahlt einen kleinen Beitrag? Wird deshalb “Gesundheit teuer” – um einer ganze Nation ihr Pandemrix zu finanzieren? Statt an Pandemie erinnert mich dieser Name fatal an Pandämonium. Im Verein mit der Endung -ix stelle ich mir unter Pandemrix den Gegenspieler von Miraculix vor, einen bösen Magier, der den braven Galliern mit seinen Dämonen das Leben schwer macht. Bis ihm Asterix das Handwerk legt.

Ausgefallenes Backwerk

Freitag, 23. Oktober 2009

Warum ich mir meine nächste Wohnung selber backen muss:

Meine nächste Klause möge sich auszeichnen durch eine auffallende und immerwährende Abwesenheit von Nachbarn. Niemand soll in der nächsten Umgebung zu jeder Tages- und Nachtzeit die Stereoanlage, den PC, den Fernseher, die Stimme oder Was-weiß-ich laut aufdrehen. Ich wünsche keine Qualmer, deren Gestank immer wieder bis in meine Wohnung zieht. Keine ätzenden Schwaden vom Grillanzünder. Keine Lenorfetischisten mit Wäschetrockner – oder was das denn nun sein mag.

Das Fehlen einer Badewanne bei gleichzeitiger Anwesenheit eines Cerankochfeldes halte ich für einen Nichteinziehungsgrund. Amerikanische Küchen finde ich doof. Einbauküchen sind in 90% aller Fälle potthässlich und viel zu riesig. Liebend gern verzichte ich auf überflüssige Energieverschwender wie Dunstabzugshauben und Geschirrspülmaschinen. Ich möchte meine Wäsche in der Wohnung waschen und nicht jedes Mal in einen, ärgs, gemeinsamen Waschraum hinabsteigen.

Exponierte Balkone und nicht überdachte Terrassen machen für mich keinen Sinn. Wenn Freisitz, dann Loggia oder Veranda – in vernünftiger Größe. Bitte DSL, bloß keine Gebühren für Fernsehen, ich hasse es. Im Sommer atme oder schlafe ich lieber, als wegen eines nicht isolierten Daches fast zu krepieren. Meine Wasserflecken-Sammlung ist schon seit Jahren vollständig. Ich weigere mich, die übersteigerten Trierer Mieten zu zahlen, will aber in der Innenstadt wohnen, weil mir Busfahren zu umständlich und teuer ist.

Jetzt wissen Sie, warum ich mir meine nächste Wohnung vermutlich selber backen muss. Gern lasse ich mich eines Besseren belehren und zur Besichtigung des oben beschriebenen Wunders einladen.

Wer Arbeitssuchende nervt ist doof!

Samstag, 17. Oktober 2009

Die Rubrik “Stellenanzeigen” im coolen Kleinanzeigenmarkt von hunderttausend.de ist wieder einmal für Werbung für Dienstleistungen missbraucht worden. Hab’s nicht lassen können:

Meine Anzeige im Stellenmarkt von hunderttausend.de. Ich mokiere mich darüber, dass dort ständig Stellenangebote drinstehen

Nachtrag: Pöh, statt die Inserenten mal die Rubrik aufräumen zu lassen, hat hunderttausend.de meine Beschwerde rausgeworfen. Schätze, meine prächtige Grafik war schuld. :D

Nachtrag 2, Sonntag: Und wieder ein Stellengesuch in den Stellenanzeigen. Außerdem zwei neue Tankauto-Inserate, nur dass in den E-Mails inzwischen “office” oder “idee” vor der Nummer des Kontaktpartners steht. Vielleicht auch eine verwandte Masche. Die Rubrik wird allmählich zur Farce.