Archiv für die Kategorie „Hörkram“

Zorngott für das Wahre Schunkeln

Dienstag, 16. Februar 2010

Na, schon vom Rosenmontagszug erholt? Ich müsste dort ja nüchtern ko-Piiiep!-en, allein schon wegen der Musik. Harmonieliebende Gemüter sollten sich jetzt einer anderen Website zuwenden, denn Altgruftipunk erzählt ihren Leser/inne/n heute, wann sie zu schunkeln anfängt.

Die Band heißt Zorngott, sie existiert nicht mehr. Die CD trägt den Titel “Schmerzträger”, irgendwie habe ich es vor Jahren geschafft, ein Exemplar der limitierten Kleinauflage zu ergattern. Mein Lieblingstitel heißt Blutbilder, das Lied ist Anfang 1993 entstanden und beschimpft das Fernsehen. Kein Wunder, dass mir auch der Text hervorragend gefällt. Es geht um die Privatsender und die Anfänge der “Reality-TV” Shows:


Blutbilder
(Text: Dan H. Racek / Musik: Zorngott)

Blutverschmiert, verstümmelt. 
Ach wie schrecklich, zeig mal her.
Mein Auge zuckt, die Hand schweissnass, 
der Atem panzert schwer.

Die „3“ von Angst zerfressen 
und die Knabbermischung frei.
Du Schlächterfürst mit Seidenschlips, 
komm, zeig uns noch mehr Körperbrei.

Beim Tango der Betroffenheit.
Rumbatanz der Übelkeit.
Es erigier´n die Einschaltquoten.
Habt Dank, ihr unbekannten Toten.

Dein Mikro zuckt verheissungsvoll, 
neun Leichen noch bis zum Werbeblock.
Hühnerblut und Schweinedarm 
versüssen mir den nächsten Schock.

Zeig´, wie schlimm das Leben ist, oh, 
Schweiss und Eiter im Kaffee.
Massenmord in Bockenheim 
und Holocaust am Gardasee.

Beim Tango der Betroffenheit.
Rumbatanz der Übelkeit.
Es erigier´n die Einschaltquoten.
Habt Dank, ihr unbekannten Toten.

Köpfe rollen, Stimmung steigt.
Blutbilder, Blutbilder.
Danke, dass ihr alles zeigt.
Blutbilder, Blutbilder.

Schau, dem hängt ein Auge raus.
Blutbilder, Blutbilder.
Tod statt Sendung Mit Der Maus.
Blutbilder, Blutbilder.

Keiner macht´s mir so wie du,
Clive Barker lebt auf Kanal drei.
Spritz mich voll, verstümmel mich,
die Ethik ist uns einerlei.

Deine Zombies sind die Besten,
Bäcker´s Fritz von nebenan.
Stechen, schlagen, schlitzen, schneiden,
Kleinhirn aus und Glotze an

ZumTango der Betroffenheit
Rumbatanz der Übelkeit.
Es erigier´n die Einschaltquoten.
Habt Dank, ihr unbekannten Toten.

Köpfe rollen, Stimmung steigt.
Blutbilder, Blutbilder.
Danke, dass ihr alles zeigt.
Blutbilder, Blutbilder.

Schau, dem hängt ein Auge raus.
Blutbilder, Blutbilder.
Tod statt Sendung Mit Der Maus.
Blutbilder, Blutbilder.


Der Text wird von zwei Stimmen vorgetragen, deren erste ich mal als ironisierend hell bezeichnen möchte. Die gefällt mir nicht so gut, aber sie passt hervorragend zu den Versen. Und wenn dann die andere Stimme wutentbrannt loslegt, ergibt sich ein äußerst befriedigender Kontrast. Dadurch wird der erste Sänger quasi nachträglich zur Pflicht. Moment, erster Sänger? Haha, hier singt nur einer! Schreibt mir amüsiert der Texter und Sänger Dan H. Racek. Nur den Refrain “Blutbilder” singt Drummer Dirk. Ja, ich schwatze mit dem original echten Sänger von Zorngott! Har! Ich fand nämlich, es gehöre sich nicht, einfach so anderer Leute Text im eigenen Weblog zu veröffentlichen, also habe ich Dan über die Website der Band kontaktiert. Er hat die Veröffentlichung des Textes genehmigt und ich darf auch das Lied selbst hier einbinden.

Na, neugierig geworden? Vielleicht sollte ich noch die Musikrichtung erwähnen, auch für diejenigen, die den Text übersprungen haben. Keine Schmachtfetzen in diesem Weblog: Zorngott war eine Metal-Band, schreibt Dan. So, jetzt aber. Bis ich mir das Lied-in-Beitrag-Einbinden beigebracht habe,1 muss ich Sie und euch bitten, mal eben Blutbilder anzuklicken. Der Link führt zu last.fm, rechts oben ist dann der Player.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Am besten abends bei ‘nem Bier genießen, wenn sturmfreie Bude. Oder um Nachbars Faschingsmusik zu übertönen. Vorsicht beim Omi-Erschrecken, die mag das am Ende. Und verfällt spontan ins Wahre Schunkeln: Vor-zurück! Mit Einsatz des Oberkörpers und Wurf der Mähne, soweit vorhanden. Auch bekannt als Headbangen. Und selbst bei diesem getragenen Stück noch wilder als des Faschings schläfriges Rechts-Links-Gewiege.

  1. Dann ändert sich der Text hier ein wenig. Sorry, aber solange ich noch nicht Vollzeit arbeite, geht die Schreibarbeit allem vor! []

15 Tweets in der Timeline entdeckt

Mittwoch, 13. Januar 2010

Habe zum Spaß eine Twitter-Version von “15 men on a dead man’s chest” ersonnen. Möchte sie handlicher aufbewahren, als das mit Tweets möglich ist, daher erscheint sie auch im Weblog.

Die Anfangszeilen der Vorlage stammen von Stevenson, sie sind mit seiner Schatzinsel berühmt geworden. Der Erzähler der Geschichte ist Sohn eines Gastwirtes, und eines Tages mietet sich dort ein eigenbrötlerischer alter Seemann ein. Der pfeift immer dieses alte Matrosenlied. Stevenson liefert uns nicht mehr als vier Zeilen, den Rest haben andere ergänzt.

***

15 Tweets in der Timeline entdeckt
Yo ho ho und ‘ne Buddel voll Rum
#Trunksucht und #Teufel per hashtag gecheckt
Yo ho ho und ‘ne Buddel voll Rum
Drei Panzer entführt und mit Twitter gesteuert,
In Trier aufs schwärzeste Stadttor gefeuert,
In zwanzig Minuten das Stadtbild erneuert!
Mit Tweets & Pics live kommentiert
(Tourismusbranche tief frustriert)
Und Followerzahl ratzfatz quadriert.
Yo ho ho und ‘ne Buddel voll Rum

***

Hier noch eine gesungene Version des Originals. Fängt abschreckend an, geht aber recht ordentlich weiter. Zum Mitsingen gibt es englische Untertitel. Textvergleichende Studien belegen die Herkunft der Hashtags in meinen Zeilen. Des weiteren entsprechen die drei Panzer den drei Mannschaftsmitgliedern und das erneuerte Trierer Stadtbild mit der hingemordeten Porta Nigra zeigt Anklänge an das traurige Ende der ersten Strophe von Allisons Gedicht. :^^: (Sonnenaufgang dazudenken, theatralischen Schattenwurf nicht vergessen.)

Siánye – ein Wunder!

Mittwoch, 9. September 2009

In meinem Briefkasten hat Anfang letzter Woche eine CD von Siánye materialisiert. Ich dachte, Mohicain habe sie auf geheimnisvollen Wegen ergattert und hineingetan, doch er war’s nicht. Ein Wunder! Seitdem kam ich nicht dazu, die CD anzuhören, denn mit der Gastwirterei habe ich mir offenbar auch das tägliche und stundenlange Abspielen von Musik abgewöhnt. Dabei sind Siánye für mich ganz was Besonderes, ich kenne die beiden Gründungsmitglieder und Aufnahmen der Proben ließen mir das Feierabend-Einerlei so manches Mal leichter von der Hand gehen. Da gab es ein sich immer wieder veränderndes Stück, von dem mal jemand gesagt hatte, so stelle er sich (ohne je eine erlebt zu haben) die Musik bei einer Heirat in der Türkei vor. Der Name blieb hängen, “Türkische Hochzeit” hörte ich immer wieder gern. Von Neugierde gepackt, tat ich Velikán von Siánye ins Laufwerk des Notebooks, obwohl ich beim Schreiben schon mal gar keine Beschallung brauchen kann. Es hat sich gelohnt, “mein Lied” ist der Titelsong, Musikstück Nummer fünf. Große Freude! Bei myspace ist es auf der Bandseite als Hörprobe dabei, die CD-Version klingt anders und vertrauter, ich würde sie daher als die ältere einstufen. Aber Siànyes Musik ist viel zu schade, um sie nebenher beim Tippen zu hören.

Wenn Lucas seinen Freund Kiril in der Kneipe Schwach & Sinn besucht hat, waren die beiden umgehend in ihr Projekt vertieft und ich bekam die Krise. Heute kann ich das nicht mehr ganz nachvollziehen, damals hatte ich bereits durch gastronomischen Dauerstress Schaden genommen (es war 2006/2007, die Sarkoidose war im Anmarsch). Außerdem konnte ich natürlich nicht mit Kiro quatschen, wenn der auf Lucas einredete, und musste mich statt dessen langweiligen Reinigungsarbeiten in der Küche widmen. Dafür war ich bisweilen dabei, wenn Kiro sich über den Namen der entstehenden Band Gedanken gemacht und einen Schriftzug dafür entworfen hat. Oder wenn Gäste sich spätabends an der Theke erkundigt haben, von wem denn die Musik sei und dann ihrer Begeisterung Luft gemacht haben, unvermutet einen der Künstler vor Augen zu haben. Am schönsten klingen Siánye vermutlich live oder wenn man zu Feierabend die Probeaufnahmen in voller Lautstärke hören darf – die Zeiten sind allerdings vorbei. Dafür können Sie die Künstler durchaus in Triers Fußgängerzone antreffen oder bei freiem Eintritt auf einem Konzert bewundern.

Herr Rossi sucht das Glück

Donnerstag, 5. März 2009

Damals, als ich noch Fernsehzuschauerin war, freute ich mich immer über die Zeichentrickfilme mit Herrn Rossi. Bereits die Titelmelodie hat mich froh gestimmt, die wollte ich hier schon lange mal einbinden. Vielleicht gehören ja ein paar Rossi-Fans zu meiner Leserschar.

Nicht, dass ich der italienischen Sprache mächtig wäre, im Original passt einfach der Text besser zur Musik. Hier trotzdem noch die deutsche Version.

Bruno Bozzettos Helden habe ich am liebsten auf der Suche nach dem Glück beobachtet. Übrigens ist mir Gaston durchaus nicht, wie häufig geschrieben steht, als Herr Rossis Hund in Erinnerung, sondern als höchst lästiger Kläffer aus der Nachbarschaft. Nachforschungen ergaben, er sei der Hund vom Chef gewesen. Immer, wenn Herr Rossi in seine kleine Pfeife blies, weil das Leben gerade unerträglich war, mogelte sich diese Töle irgendwie mit in das beginnende Raum – Zeit – Abenteuer. Drüben konnte er dann reden und wurde zum klugen Kumpel. Wie schade jedes Mal, wenn er nach der Rückkehr wieder in sein Kläfferstadium zurückfiel!

Tapedecks und Kugelschreiber II

Dienstag, 24. Juni 2008

Manche Dinge sind heutzutage zu einfach. Ich tippte in die Googlezeile meines Firefox Band und Titel des Liedes auf meiner alten MC und hatte innerhalb einer halben Sekunde das Gesuchte zur Verfügung. Sofort Habenkönnen. Dann schaute ich nach, wie man so etwas in ein Weblog einbindet, et voilá, ein Altgruftiklang:

Eine Klassenkameradin hatte eine LP und eine Single von Adam & the Ants, entweder lief die LP auf 45 oder die Single auf 33 rpm, jedenfalls machte man es erst mal falsch. Ants Invasion war vermutlich auch dabei, doch meine Version ist unvermutet spätabends im Radio gelaufen und ich habe geistesgegenwärtig die Aufnahmetasten des Radiorecorders reingehauen. Stand and Deliver war auf merkwürdige Art ulkig und Prince Charming erbaulich schräg, doch was ich da zufällig sofort hatte haben können, klingt noch heute spannend.