Im Laufe der Zeit haben mich einige Geschäftsleute gebeten, ihnen das Wochenblatt nicht mehr zuzustellen. Der eine mag es nicht leiden, der andere bekommt es daheim nochmal, der dritte findet nie die Zeit, es zu lesen. Alle diese Menschen waren sehr freundlich und haben sogar ihre Gründe genannt.
Dann gibt es da noch den von letztem Mittwoch. Ich war gerade dabei, zwei Wochenblätter in den Briefkasten zu schieben, da öffnete sich die Tür. Der Mensch dahinter fuhr mich ohne weitere Umstände barsch an, ich solle ‘das mit diesen Zeitungen in Zukunft unterlassen’. Ungefähr so, als hätte ich sie nach dem Liefern jedes Mal angezündet. Meine gleichbleibend freundliche Zustimmung ignorierend, schnauzte er mich noch zweimal (!) an. Ich habe dort immer ordentlich zugestellt. Für das Haus liegt kein Zustellverbot vor. Niemand hat sich beschwert. Ich lächelte den Grobian immerfort an, bis er sich wieder hinter die Tür zurückgezogen hatte. Diese Leistung hat mich selbst beeindruckt! Vielleicht war es eine Art Schockstarre? Was wollte der, mich zum Weinen bringen?
Er war nicht der erste Unfreundlichheimer letzten Mittwoch. Vorher hatte ich meine Karre zwischen zwei Andenkenläden abgestellt. Der eine war wochenlang verrammelt und wurde offenbar just an diesem Tag wieder eröffnet. Ich hab’ mich gefreut, vorher sah es da immer so traurig aus mit dem geschlossenen Rolladen. Das Stück dazwischen war weiterhin verrammelt, übrigens auch noch ein paar Stunden später. Da ist keine Tür, kein Durchgang, kein Engpass, nichts, einfach nur ein paar Meter Wand mit heruntergelassenem Laden im oberen Teil. Und meine Karre steht keine Viertelstunde lang.
Unfreundlichheimer eins war in den ersten Wochen freundlich, in letzter Zeit mürrisch. Ich habe mir weiter nichts dabei gedacht, jeder hat mal einen schlechten Tag, warum nicht mittwochs. Diesmal maulte er mich aus heiterem Himmel an, ob etwa ich die Karre da abgestellt hätte, die müsse da weg. Ich antwortete freundlich, ich sei in fünf Minuten fertig, wie immer! Der Mann weiß das. Er sieht mich seit drei Monaten einmal die Woche verteilen. Trotzdem schimpfte er weiter. Die Kisten müssten weg, das sei da kein Parkplatz. Er sprach wohlgemerkt von einer Sackkarre mit drei Stapelboxen. Ging es ihm ums Maulen an sich? Fühlte er sich von der aufgemalten Internetadresse bedroht?
Ich habe nicht die leiseste Idee, was in diese Leute gefahren ist. Vollmond dauert noch. Eine ansteckende Krankheit? Ich könnte die beiden auch unter ‘Ein Unglück kommt selten allein’ verbuchen. Der Bestatter und der Shopblogger würden über meine popeligen paar Unfreundlichen wahrscheinlich nur müde lächeln. :wink: Vielleicht muss es die als eine Art Ausgleich geben, damit die Freundlichkeit all der andern Leute keinen kritischen Wert überschreitet. Sonst verschwindet am Ende noch mein Bezirk und hinterläßt weiter nichts als ein freundliches Lächeln …
Schlagworte: unfreundliche Zeitgenossen, Unfreundlichheimer, Zeitungen verteilen
[...] als ich dort mit dem Verteilen begonnen habe. Ihr weiland über Nacht grantig gewordener Nachbar hat mittlerweile eine freundliche Frau an seiner Seite und ist längst nicht mehr so [...]
[...] die Lieferung eher unkonventionell über den größeren Teil von Trier verteilt sein? Werden alle Schlechtgelaunten ihr Mütchen an mir kühlen? Wird ein Reifen auf diese oder jene Art seiner Luft verlustig gehen? Werden meine Wege von [...]
[...] selben Ton. DIE STIMME war also nicht nur eine KFZ-sachverständige STIMME, sondern auch die eines Unfreundlichheimers und deshalb kann ich den Mann nicht beim namen nennen. Lange war ich keinem Exemplar dieser Spezies [...]