Heute war verkaufsoffener Sonntag. Sonntage konnte ich noch nie leiden. Als Kind musste ich sonntags häufig Diskussionen darüber durchstehen, ob ich mich durch die unendlichen Strafexerzitien namens ‚Heilige Messe’ zu quälen hätte. Mein regelmäßiges ‚Nein!’ offenbarte nur immer wieder aufs neue den wahren Sachverhalt der hinterlistigen Frage: Entweder ich gab mir das freiwillig oder es gab vorher noch Geschrei. Später waren Sonntage vor allem tot. Läden und Ämter waren verrammelt, man konnte weder etwas erledigen, noch etwas einkaufen, und natürlich wurde sonntags immer irgend etwas alle: Das Brot, der Sprudel, das Klopapier. Zum Glück gibt es mittlerweile Tankstellen mit Supermarkt. Doch sonst hat sich wenig geändert. Sonntage taugen allenfalls zum Arbeiten oder für den Hausputz.
Gestern hatte ich meinen Bankgang mit Einkauf frohlockend auf heute verschieben können, auf den verkaufsoffenen Sonntag. Feine Sache. Endlich ist auch dieser dröge Tag zu etwas nutze! Gegen halb vier machte ich mich auf in die Stadt. Drei Minuten später eröffnete sich mir ein Blick in die Simeonstraße. Sie war schwarz vor Menschen. :gucker: Alle hatten viel Zeit oder einen Kinderwagen mit oder beides. Viele Menschen in der Masse waren zu schwerfällig, um in einer Sekunde mehr als einen Schritt unterzubringen. Sie hatten auch die Neigung, sich zu Paaren und Familien zusammenzurotten. Es dauerte eine mittlere Ewigkeit, bis ich mich zu meiner Bank und von dort aus zum Bai-O-Geit durchgeschlagen hatte. Das erinnerte mich an einen gewissen Samstag.
Der Betrieb war schlimmer als zum Weihnachtsmarkt, denn während dieser Wochen sind Heerscharen einkaufender Menschen Programm. Aber an einem bescheidenen verkaufsoffenen Sonntag im März? Ich dachte, da kann man eben einkaufen, fertig. Um eins öffnen die Geschäfte, um sechs machen sie wieder zu. Von wegen, die Stadt hat ein Volksfest daraus gemacht! Der Hauptmarkt war komplett belegt mit Ständen und Pavillons (auf Neuschreib vermutlich: Pa will Jongs :skeptisch: ). Ein unglaubliches Stimmengewirr waberte über der Menge und ergoss sich bis in die Straßen und Gassen, Musikanten aus sämtlichen Erdteilen spielten auf ihren Instrumenten, unzählige Kinder kreischten, plärrten oder rannten Passanten in den Füßen herum, einige Straßencafés waren bis auf den letzten Platz besetzt, ihre zahlreichen Freiluftsitzplätze standen überall im Weg. Ich war froh, keine schwerbeladene Sackkarre hier durchschieben zu müssen!
Im Hintergrund hockte irgendwie missmutig der Dom. Durch diesem Teil der Fußgänger(!)zone bretterten hauptsächlich jede Menge Autos, sie parkten oder rangierten im Engpass, den der Bauzaun vor der Liebfrauenkirche erzeugt. Kein Wunder, dass die Leute sich alle nur noch schnaufend dahinschleppen können, sie parken so nahe wie nur irgend möglich, sie sind das Gehen nicht mehr gewohnt: Vor Sieh um Dich empfing mich ein Parkchaos. Der Dom-Aspekt der Veranstaltung allerdings, der gefiel mir: Kaufen am heiligen Sonntag, Parken statt Kirchgang, das ärgert die Kirche. :fies: Offensichtlich schert sich kaum jemand um ihre Einstellung, Trier dürfte heute nachmittag zeitweise die Einwohnerzahl von Koblenz oder gefühltem Köln erreicht haben. Das frische Gemüse allerdings, auf das ich mich gefreut hatte, das war längst geplündert. Immerhin konnte ich den letzten Spitzkohl ergattern.