Nach den Putzarbeiten ging es in die Spülküche, wo sich seit sieben Uhr ein bis zwei Kolleginnen und Kollegen mit den “Topfwagen” beschäftigten. Es gab vier dieser fahrbaren Geschirrwagen, im Gegensatz zu dem auf der Abbildung ohne Deckel, dafür über einen Meter lang. Morgens waren alle vier vollgestopft mit dem Küchenbedarf vom Vorabend, der Rest türmte sich auf Schwerlastregal und Boden.
“Küchenbedarf” meint nicht etwa das von den Gästen benutzte Geschirr. Er umfasst vielmehr alles, was eine Schar Küchenkünstler benötigt, die zu saisonalen Stoßzeiten schon mal über zehn Mann/Frau stark sein konnte: Gewaltige Töpfe, dutzende von Einsätzen für die Bainmaries,1 armlange Edelstahlwannen von flach bis sehr tief, ihre halb so großen Äquivalente, Eimer aus massivem Plastik, in denen sich ein Kindergartenkind hätte verstecken können. Meist füllten wir einen davon zwecks Erleichterung des Transports mit normal dimensionierten Kellen, Schöpflöffeln und Teigschabern.
Es gab natürlich auch stapelweise normale Eimer von 5 und 10 Litern, unzählige Serviertabletts, Berge von Cloches in Plastik- und Edelstahlausführung.2 Des weiteren Salatwannen, groß wie Säuglingsbäder, bis zu 1,50 Meter lange Schneidbretter aus schwerem rotem Plastikmaterial. Schüsseln von riesig bis klein, zwei oder drei kinderhohe Schöpflöffel und Schneebesen. Sehr viel mehr Quirle von vertrauten Ausmaßen. Edelstählernes Zubehör für Herd und Bainmaries, merkwürdig geformt und in einem eigenen Wagen jeden Morgen an denselben Platz zu schieben. Wenige Pfannen, überhaupt keine Küchenmesser, viereckige Plastikförmchen in allen Spielarten von weiß.
Zwei der mit zu spülendem Küchenbedarf beladenen Wagen standen morgens meist noch in Küche 1. Der Grund war schlicht und einfach Platzmangel, denn in der geräumigen Spülküche warteten morgens zu unserer Begrüßung noch etliche andere Geschirrwagen. Nur beim lauen Betrieb zu Jahresbeginn war für alle genug Platz. Die Geschirrberge der Kategorie “Küchenbedarf” spülten zwei Leute. Einer arbeitete an einer Spüle mit zwei sehr tiefen Becken, der andere an der Topfmaschine. Die Dimensionen dieses Gerätes hätten alternativ auch das Unterbringen einer Matratze erlaubt.
Abgetrocknet wurde mit grünen Schwammtüchern,3 der Mensch an der Topfmaschine trocknete und räumte auch für den an der Spüle. Das saubere Küchenzubehör kam in die mit Hochdruck ausgespritzen und getrockneten Topfwagen zurück. Über die Galerie schoben wir die schweren Gefährte zurück bis vor das Materiallager in Küche 1. Dort wurde alles in etlichen Regalen verstaut – natürlich jedes Ding am vorgeschriebenen Platz, denn sonst war es auf Wochen verschollen. Gegen zehn Uhr musste alles fertig sein, dann kamen die Köche und wollten ihren Kram haben.
Mehr dazu:
- Eine Spülerin erzählt: Mein erstes Leben I
- Eine Spülerin erzählt: Mein erstes Leben III
- Eine Spülerin erzählt: Mein erstes Leben IV
- Eine Spülerin erzählt: Mein erstes Leben V
- Eine Spülerin erzählt: Mein erstes Leben VI
- Eine Spülerin erzählt: Mein erstes Leben VII
- Eine Spülerin erzählt: Mein erstes Leben VIII
- Eine Spülerin erzählt: Mein erstes Leben IX
- Eine Spülerin erzählt: Mein erstes Leben X
- Warmhaltegeräte für Soßen und Suppen [↩]
- Deckel, die das Essen auf dem Weg zum Gast warmhalten [↩]
- Andere Farben wurden ausschließlich für die Toiletten benutzt und auch getrennt gewaschen [↩]
Schlagworte: Geschirr- und Besteckreinigerin