Eine Spülerin erzählt: Mein erstes Leben VII

(Lesen Sie auch Teil VI!) In der Wäscherei liefen jeden Tag zwei Waschmaschinen und ein Trockner. Sie bewältigten Tischdecken, Servietten, Schürzen, Handtücher, Topfgreifer und Schwammtücher. Einer der Waschautomaten war ein gewerbliches Gerät, mit silbrig schimmerndem Edelstahlgehäuse. Er schleuderte mit unvergleichlichen 18001 Umdrehungen und seine Frontverkleidung war unvollständig, sodass ich den beim Schleudern wie irrsinnig wackelnden Innenteil bestaunen konnte.

Nach der Runde im Trockner mussten etliche Wäschesorten durch die Heißmangel gejagt werden. Das Verb ist berechtigt, denn wie alles im Trierer Touristenmagnet wurde auch diese Mangel mit rasender Geschwindigkeit gehandhabt. Das dumpf vor sich hinrumpelnde Monstrum war gasbetrieben, zum Glück bin ich nicht mehr in den Genuss einer sommerlichen Wäschereischicht gekommen. Meine erste Aufgabe war, auf dem breiten Tisch vor der Walze Servietten aufeinanderzustapeln.

Mein Gegenüber legte sie an drei Stellen auf, immer zwei Stück, ich brauchte sie nach zwei Umdrehungen nur abzusammeln. Doch die Wäschemeisterin lieferte sie so schnell nach, dass ich mit Seitwärtsschritten hin- und herspringen musste, um mit dem Abklauben nachzukommen. War ich zu langsam, schnippte sie mir die Stoffquadrate mit zunehmender Gereiztheit entgegen, das Ganze ähnelte durchaus einem Wettstreit. Auch mein Rücken freute sich, denn um an die Rolle zu kommen, musste ich mich über den Tisch beugen.

Nach einigen Wochen durfte ich die Mangel selbst füttern, doch auch das Beliefern war kein Kinderspiel. Anfangs schwitzte ich an der Walze, während die Wäschemeisterin vor dem Tisch ungeduldig mit dem Fuß tapste. Soviel zur Rache. Der Stoff musste glattgezogen werden, sonst presste die Mangel Falten hinein. Je nach Art durfte ich ihn aber nicht zu straff gespannt einlegen, denn sonst bekamen die Tischdecken “Ohren”. Und für das Falten derselben war wichtig, dass die Ecke mit der eingestickten Nummer vorne rechts herauskam. Vom Auffinden einer einzelnen Tischdecke in einem Riesenhaufen halbtrockener Wäsche und dem eiligen Zurechtlegen für die Walze unter gleichzeitiger Beachtung einer Ton-in-Ton eingestickten kleinen Zahl mal ganz abgesehen.

Was die Mangel einmal erwischt hatte, ging unvermeidlich hindurch. Oder aber rundherum, wenn kein Aufsatz daraufgesteckt war, dessen metallene Arme den Stoff abstreiften. Die Walze pflegte ihre Rotation schon auf das leiseste Antippen hin zu stoppen, eine prompt reagierende Sicherheitsvorrichtung. Bloß nicht an die Walze kommen beim Einlegen eines Wäschestücks! Soviel auch zum Am-Schlips-in-die-Mangel-gezogen-Werden. Die zweite Art des Notstopps ging über eine Fußstange. Es gelang mir, trotz aller Hektik nicht versehentlich daraufzutreten. (Lesen Sie auch Teil VIII!)

  1. Oder so, hab’s leider vergessen. []

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1 Kommentar zu „Eine Spülerin erzählt: Mein erstes Leben VII“

  1. [...] (Lesen Sie auch Teil VII!) Die Arbeit in der Wäscherei bestand nicht nur aus Sortieren, Waschen, Trocknen und Mangeln. Bis auf die Servietten wurde jedes Wäschestück auf eine bestimmte Art gefaltet, in einem Regal zwischengestapelt und dann in genau markierte Schrankfächer und Wagenabteile verräumt. Die Handtücher und Schürzen der Köche und Küchenhilfen legten wir in Mini-Spinde im Personalraum. Jeder dieser Artikel war mit einer Nummer versehen, die ab und an mit Edding nachgemalt werden musste. Auch die grüngestreiften Latzschürzen der Spülküche waren so markiert, denn jedem wurde bei Antritt der Stelle eine Nummer zugeordnet und er war fortan selbst für den Verbleib seiner Wäsche verantwortlich.1 [...]

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