(Lesen Sie auch Teil VII!) Die Arbeit in der Wäscherei bestand nicht nur aus Sortieren, Waschen, Trocknen und Mangeln. Bis auf die Servietten wurde jedes Wäschestück auf eine bestimmte Art gefaltet, in einem Regal zwischengestapelt und dann in genau markierte Schrankfächer und Wagenabteile verräumt. Die Handtücher und Schürzen der Köche und Küchenhilfen legten wir in Mini-Spinde im Personalraum. Jeder dieser Artikel war mit einer Nummer versehen, die ab und an mit Edding nachgemalt werden musste. Auch die grüngestreiften Latzschürzen der Spülküche waren so markiert, denn jedem wurde bei Antritt der Stelle eine Nummer zugeordnet und er war fortan selbst für den Verbleib seiner Wäsche verantwortlich.1
Für die Schürzenbänder hatte die Wäschemeisterin einen Seemannsknoten umfunktioniert. Auch im derzeitigen Betrieb wäre mir der nützlich, denn was fünf Schürzen nach dem Rotieren in den Trommeln von Waschmaschine und Trockner erschaffen können, erinnert an eine zwar lösbare, aber zeitaufwendig mehrdimensionale Variante des gordischen Knotens. Doch ich bekomme die hilfreich bändigende Verschlingung ums Verrecken nicht mehr hin.2 Die Schürzen mussten später natürlich wieder aufgeknotet werden, was der Übung bedurfte, und dann wie die Handtücher so gefaltet werden, dass die Nummer sichtbar blieb.
Am schlimmsten (wenn auch nicht so zahlreich wie die Servietten) waren die Tischtücher. Es gab blaue und gelbe, mit den bereits erwähnten eingestickten Nummern. Durch die Mangel kamen sie in gefühlt dreißig verschiedenen Größen auf mich zugekrochen, jede mit ihrer eigenen Faltvorschrift. Die saunaartige Luft der Wäscherei, das monotone Geschwurbel der Maschinen, und dann sollte ich – wie immer im Höchsttempo – all die verschiedenen Faltungen auswendig vornehmen. Aufschreiben durfte ich mir nichts, nach zwei Wochen Schicht ohne Wäscherei hatte ich alles wieder vergesen. Es war auch nur ein Minijob. Oder lag es am Alter, dass ich durch häufiges Nachfragen bisweilen den Unmut der Wäschemeisterin erregte? (Lesen Sie auch Teil IX!)
- Neue Aushilfen sprachen bisweilen sehr schlecht Deutsch. Nicht selten nahm sich ein Neuzugang ahnungslos und ordentlich eine Schürze vom Haken und wurde von einem gereizten Spüler (dem die Erklärzeit später beim Kücheputzen oder an der Topfmaschine fehlte) attackiert: “Das ist die Hundert, gib die her und nimm dir deine eigene Schürze. Nein, doch nicht die, das ist die Hundertfünf und die gehört Sabine. Sabiiine, jetzt hol’ schon endlich deine Schürze, du Tranfunzel. Selber Arschloch. – He, Mann, kannst du nicht lesen? Welche Nummer bist du denn? Deine Num-mer, nicht dein Al-ter! Na gut, da haste die Hundertsieben, der Wolfgang hat heut frei, der faule Hund. Aber morgen holst du dir deine eigene … was? Mir ist wurscht, wie alt du bist! Aah, diese Neuen machen mich noch wahnsinnig! Komm jetzt mit, zack-zack! Kösche eins potzän!” [↩]
- Eventuell war es ein abgewandelter Palstek, aber ohne Poller. :; [↩]
[...] ging über eine Fußstange. Es gelang mir, trotz aller Hektik nicht versehentlich daraufzutreten. (Lesen Sie auch Teil VIII!) Oder so, hab’s leider vergessen. [...]
[...] (Lesen Sie auch Teil VIII!) Tischdecken zusammenlegen! Die eine längs und mittig, die andere quer und gedrittelt, die gelben quadratischen halb auf halb, die blauen aber von den Seiten her in die Mitte geklappt. Die langen zu zweit über die ganze Länge der Wäscherei, Achtung, Zahl muss außen bleiben, hopp-hopp, zack-zack. Diese Tischdecken haben mich fast wahnsinnig gemacht. In der immerwährenden Hitze war mein Kopf spätestens nach drei Stunden zu keiner Denkleistung mehr fähig, stattdessen vollständig erfüllt vom Gerumpel der Maschinen. Wie falten wir die Nummer sieben, wenn sie blau ist? Weißnicht, bröööööh … Wir haben selbst die Schwammtücher gefaltet (mittig), lilafarbene für die Spülküche, grüne für die Toilettenanlagen. Nur an das Falten von Putzlappen, die dort mit Sicherheit auch gewaschen wurden, kann ich mich nicht erinnern. Aber ich weiß noch, wo das Schrankfach war, und dort lagen sie als gestapelte Quadrate (halb auf halb) … [...]