Trübe Aussichten

Gerade auf hunderttausend.de in den Wohnungsanzeigen entdeckt: Besonders schön ist (…) unsere super Dachterrasse, auf der man sonnig frühstücken oder entspannt zusammen grillen kann. Rauchen (falls gewünscht) kannst Du auf der Terrasse. Zur Anzeige gehört ein Foto. Und was, glauben Sie, zeigt das Foto? Genau: Den Nachbarbalkon von Altgruftipunks Kniestockwohnung, nächstgelegene und intensivste der zahlreichen Quellen sommerlichen Gestankes.

Die große Stadt stinkt schrieb einst Bummi1 nach Hause, vielleicht war es auch Heidi. Damals habe ich das nicht verstanden, heute frage ich mich, ob ich reif für die Insel bin. Wer graust sich denn schon im Februar vor dem Sommer, bloß wegen im Voraus erahnter Stinkattacken? Andererseits arbeite ich neuerdings nicht nur hustend, sondern auch mit Kopfweh, der verqualmte Personalraum lässt sich leider nicht meiden. Und kaum waren es mal neun Grad plus, schon beschallte jemand bei offenen Fenstern das Viertel. So gesehen ist es kein Wunder, dass mich Nachbars Anzeige nicht gerade aufmuntert. Lärm und Gestank macht die Frau krank.

Heute abend habe ich ernsthaft erwogen, mich für einige Zeit in einer abgelegenen Hütte einzuquartieren. Mohicain sagte mir spontan seine motorisierte Unterstützung zu. Fehlt nur noch die Hütte.




1 Martha Schlinkert: Man nennt mich Bummi, erster Band einer zehnbändigen Reihe. Literarisch offenbar zweifelhaft, keine Ahnung: Als Kind hatte ich meine zwei oder drei Bummi-Bücher gern.

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