Artikel-Schlagworte: „Geschirr- und Besteckreinigerin“

Eine Spülerin erzählt: Mein erstes Leben X

Samstag, 24. Juli 2010

(Lesen Sie auch Teil IX!) Die zweite Kurzpause war bisweilen kaum auszuhalten, aber sie läutete meist auch den ruhigsten Teil des Tages ein. Gegen drei Uhr gingen die Köche in ihre lange Freizeit zwischen den Teilschichten. Wir versetzten letzte Berge, manchmal auch Hügellandschaften, der Betrieb ließ spürbar nach. Küche eins war auf einmal recht gemütlich mit ein paar herumwerkelnden Küchenhilfen und Jungköchen, die auch mal miteinander schwatzen und das Radio laufen hatten. Zum zweiten, weniger intensiven Putzen von Küche 1 fegte ein Spüler um sie herum zusammen, was ihr Arbeitseifer auf dem Boden verteilt hatte. Der zweite nahm sich den Boden klassisch mit Lappen und Eimer vor,1 gefolgt wiederum vom ersten mit einem Abzieher.

Währenddessen machte Nummer drei die Spülküche sauber: Mit Hochdruck Wasser aus dem langen grünen Schlauch auf den Boden zischen lassen. Schrubben, abziehen, Senkschächte reinigen.2 Doch zuerst galt es, die Korbtransport-Maschine zu zerlegen. An ihrer meterlangen Flanke ließen sich große Edelstahlplatten hochschieben, dahinter wurden die Eingeweide sichtbar. Etliche Teile davon mussten in einer vorgeschriebenen Reihenfolge mal herausgezogen, mal ausgehakt, mal losgedreht und nach Zwischenlagerung im Besteckwagen einzeln gereinigt werden. Die Maschine selbst haben wir ebenfalls mit dem Schlauch traktiert. Beginnend beim Tisch mit dem Überbau, über den Einschiebtisch hinweg ins quadratische Maul und hinein in den stählernen Magen, endend beim Ausgabetisch. Der Schlauch war schwer und prall vor Druck, das Wasser sehr heiß, die Handhabung dieses Instrumentes bedurfte einiger Kraft und Übung. Ich habe diese Arbeit einmal alleine gemacht, zum Amüsement meiner stets nur dezent betröpfelten Kollegen triefte ich danach vor Nässe.

Zum Schluss brachten wir Speisereste, eventuelle Scherben,3 Restmüll und Wertstoffe mit dem Lastenaufzug in den Keller. Es folgte ein letzter Kontrollgang durch die Spülküche – alles ausgeschaltet, alle Geräte mit Reiniger und Klarspüler bestückt? Wenn der grüne Schlauch sich auf dem Halter verdreht hatte, beschimpften meine Kollegen den Schuldigen, meistens Martina, und sie musste ihn bändigen. Gegen halb vier oder vier war Feierabend. Ein Tschöh! in Küche eins und auf in die Umkleide. Schürze noch sauber? Wenn ja, samt Handschuhen im Spind verstauen, wenn nein, die Bänder mit dem Seemannsknoten versehen und in die Wäschetonne werfen. Umziehen war mir immer zu blöd. Spind zu, klapp durch die Tür und ab nach Hause, um dort die miefigen Klamotten loszuwerden und die Küchendünste vom Leib zu spülen.

Ende

  1. Ein Kollege hatte eine geniale Art entwickelt, den Eimer mit dem Schrubber ruckartig so durch die Gänge zu schieben, dass genau die zum Schrubben benötigte Menge überschwappte. []
  2. Yeah! Eine wahre Freude nach dem umständlichen Gefitschel damals in der eigenen Kneipe. []
  3. Wer Scherben erzeugt oder auch nur gefunden hatte, musste auf einer Bruchliste Zeit, Ort, Name, Gegenstand und Grund notieren. Alle Kollegen wachten mit Argusaugen darüber, dass der Eintrag erfolgte. []

Eine Spülerin erzählt: Mein erstes Leben IX

Montag, 19. Juli 2010

(Lesen Sie auch Teil VIII!) Tischdecken zusammenlegen! Die eine längs und mittig, die andere quer und gedrittelt, die gelben quadratischen halb auf halb, die blauen aber von den Seiten her in die Mitte geklappt. Die langen zu zweit über die ganze Länge der Wäscherei, Achtung, Zahl muss außen bleiben, hopp-hopp, zack-zack. Diese Tischdecken haben mich fast wahnsinnig gemacht. In der immerwährenden Hitze war mein Kopf spätestens nach drei Stunden zu keiner Denkleistung mehr fähig, stattdessen vollständig erfüllt vom Gerumpel der Maschinen. Wie falten wir die Nummer sieben, wenn sie blau ist? Weißnicht, bröööööh … Wir haben selbst die Schwammtücher gefaltet (mittig), lilafarbene für die Spülküche, grüne für die Toilettenanlagen. Nur an das Falten von Putzlappen, die dort mit Sicherheit auch gewaschen wurden, kann ich mich nicht erinnern. Aber ich weiß noch, wo das Schrankfach war, und dort lagen sie als gestapelte Quadrate (halb auf halb) …

Irgendwann war alles gewaschen, gemangelt, in der richtigen von dreißig logisch nicht begründbaren Varianten zusammengeklappt und verräumt. Dann musste ich den Trockner vom einer großen Faust Flusen befreien. Manchmal habe ich die Wäscherei auch gefegt und geputzt oder die Türen der Schränke abgewaschen. Danach ging es wieder in die Spülküche, wo wir noch einmal das wandlange Trumm anwarfen und neu entstandene Geschirrrberge versetzten. Immer rundherum, die Teller ziehen durch das Trumm. In der Nebensaison waren die Berge bisweilen zu mickrig für den großen stählernen Magen der Korbtransport-Spülmaschine. Dann sind wir mit Putzzeug in allen Winkeln des TT herumgekrochen, keine Fuge war vor uns sicher.

Wollte ich die zweite Kurzpause rauchfrei genießen, musste ich sie in der muffigen Frauenumkleide verbringen, denn nachmittags war die Wäscherei geschlossen. Wie diese grenzte das große, aber fensterlose Umkleidezimmer an den verqualmten Personalraum. Auf einem Stuhl hockend, las ich beim Summen der Lüftung die wie Verse aufgereihten Namen an den Spinden: Müller – Mahler – Meier – Bier / Denkert – Sellers – Schuster – Siehr.1 (Fortsetzung folgt. Der letzte Teil!)

  1. Alle diese Namen sind frei erfunden oder zumindest verfremdet (wie auch sonst so einiges) und haben allenfalls zufällig Ähnlichkeit mit denen lebender Personen in einem der äußerst zahlreichen real existierenden Trierer Gastro-Imperien. []

Spülerin spült kühler weiter

Sonntag, 4. Juli 2010

Liebe Fans und Fansinnen,1

die Spülerin wird die Erzählungen aus ihrem Leben fortsetzen, sobald die monströse Hitze sich gelegt hat. Die Erlebnisse beim Trierer Touristenmagnet dürften noch zwei Beiträge füllen.

Für alle, die neu hinzugekommen sind und wissen möchten, worum es geht: Eine Spülerin erzählt: Mein erstes Leben I (Teil eins von bisher sieben). Viel Spaß beim Lesen!

  1. Gröl! – Kleiner Scherz bei großer Hitze. []

Eine Spülerin erzählt: Mein erstes Leben VII

Donnerstag, 24. Juni 2010

(Lesen Sie auch Teil VI!) In der Wäscherei liefen jeden Tag zwei Waschmaschinen und ein Trockner. Sie bewältigten Tischdecken, Servietten, Schürzen, Handtücher, Topfgreifer und Schwammtücher. Einer der Waschautomaten war ein gewerbliches Gerät, mit silbrig schimmerndem Edelstahlgehäuse. Er schleuderte mit unvergleichlichen 18001 Umdrehungen und seine Frontverkleidung war unvollständig, sodass ich den beim Schleudern wie irrsinnig wackelnden Innenteil bestaunen konnte.

Nach der Runde im Trockner mussten etliche Wäschesorten durch die Heißmangel gejagt werden. Das Verb ist berechtigt, denn wie alles im Trierer Touristenmagnet wurde auch diese Mangel mit rasender Geschwindigkeit gehandhabt. Das dumpf vor sich hinrumpelnde Monstrum war gasbetrieben, zum Glück bin ich nicht mehr in den Genuss einer sommerlichen Wäschereischicht gekommen. Meine erste Aufgabe war, auf dem breiten Tisch vor der Walze Servietten aufeinanderzustapeln.

Mein Gegenüber legte sie an drei Stellen auf, immer zwei Stück, ich brauchte sie nach zwei Umdrehungen nur abzusammeln. Doch die Wäschemeisterin lieferte sie so schnell nach, dass ich mit Seitwärtsschritten hin- und herspringen musste, um mit dem Abklauben nachzukommen. War ich zu langsam, schnippte sie mir die Stoffquadrate mit zunehmender Gereiztheit entgegen, das Ganze ähnelte durchaus einem Wettstreit. Auch mein Rücken freute sich, denn um an die Rolle zu kommen, musste ich mich über den Tisch beugen.

Nach einigen Wochen durfte ich die Mangel selbst füttern, doch auch das Beliefern war kein Kinderspiel. Anfangs schwitzte ich an der Walze, während die Wäschemeisterin vor dem Tisch ungeduldig mit dem Fuß tapste. Soviel zur Rache. Der Stoff musste glattgezogen werden, sonst presste die Mangel Falten hinein. Je nach Art durfte ich ihn aber nicht zu straff gespannt einlegen, denn sonst bekamen die Tischdecken “Ohren”. Und für das Falten derselben war wichtig, dass die Ecke mit der eingestickten Nummer vorne rechts herauskam. Vom Auffinden einer einzelnen Tischdecke in einem Riesenhaufen halbtrockener Wäsche und dem eiligen Zurechtlegen für die Walze unter gleichzeitiger Beachtung einer Ton-in-Ton eingestickten kleinen Zahl mal ganz abgesehen.

Was die Mangel einmal erwischt hatte, ging unvermeidlich hindurch. Oder aber rundherum, wenn kein Aufsatz daraufgesteckt war, dessen metallene Arme den Stoff abstreiften. Die Walze pflegte ihre Rotation schon auf das leiseste Antippen hin zu stoppen, eine prompt reagierende Sicherheitsvorrichtung. Bloß nicht an die Walze kommen beim Einlegen eines Wäschestücks! Soviel auch zum Am-Schlips-in-die-Mangel-gezogen-Werden. Die zweite Art des Notstopps ging über eine Fußstange. Es gelang mir, trotz aller Hektik nicht versehentlich daraufzutreten. (Lesen Sie auch Teil VIII!)

  1. Oder so, hab’s leider vergessen. []

Eine Spülerin erzählt: Mein erstes Leben VI

Donnerstag, 17. Juni 2010

(Lesen Sie auch Teil V!) Während der vierte Spüler ans Telefon sprang, mit Geschirrwagen manövrierte und Besteck polierte, stand Nummer eins weiterhin an der Topfmaschine, denn um zehn kamen die Köche und sorgten für Nachschub. Hatten Nummer zwei und drei den Vorabendberg mittels Durchschubmaschine abgebaut, gab es eine kurze Pause für die Raucher, vom Betrieb geduldet. Ich hockte derweil in der Wäscherei.

Dann ging es weiter, für mich oft mit “oben saubermachen”: Täglich wurden der Personalraum,1 die Umkleiden und die Personaltoiletten gereinigt. Es gab etliche andere wiederkehrende “Nebenarbeiten”, die zumeist im wöchentlichen Turnus zu erledigen waren – den Boden des Materiallagers wischen, Türen aller Art abwaschen oder die Fensterfront von Küche eins. Die kleinen Vorräume von Lastenaufzug und Gefrierräumen in Ordnung bringen, Regale und Wände der Spülküche säubern und so weiter.

Mein nettester Auftrag war, mit einer Bürste von Hand die Stufen und Seitenwände einer Treppe zu schrubben. Sie führte zu einem der Gasträume und ihr weißer Stein nahm trotz des täglichen Putzens mit der Zeit einen immer dunkler dräuenden Ton an. Nett war das zum einen, weil es dort schön ruhig war. Zum andern, weil immer mal wieder jemand vorbeigeschaut und ausgiebig die bereits bearbeiteten und verblüffend hell erstrahlenden Stufen bewundert hat – vermutlich, um mich bei der Stange zu halten. ;)

Diese Nebenarbeiten fanden statt, während wir Geschirr für den zweiten Durchgang an der Spülmaschine sammelten. Nur in der Hauptsaison blieb uns keine Zeit dazu. Im Dezember standen wir auch schon mal zu sechst in der Spülküche, todunglückliche Azubis inclusive. Trotz eigenem Hausmeister war das Gastro-Imperium so weitläufig, dass fast täglich auch einer der Spüler woanders helfen musste, und sei es nur beim Herausstellen der verschiedenen Mülltonnen. Nach der Mittagspause benötigte oft die Wäscherei Hilfe, wieder eine ganz eigene Geschichte. (Fortsetzung folgt)

  1. Er war stark verqualmt, denn fast alle Küchenhilfen und Köche – ausgerechnet! – waren Raucher. Zwar durfte ich die Pausen in der Wäscherei verbringen, doch sie lag nebenan und die Verbindungstür wurde nur für mich geschlossen – immerhin! Trotzdem hat nach meinem Dafürhalten diese Passivrauchbelastung mein “Spülschichtkopfweh” ausgelöst, das sich gegen Ende dauerhaft etabliert hat und nach meiner Kündigung wieder verschwunden ist. []

Eine Spülerin erzählt: Mein erstes Leben V

Montag, 14. Juni 2010

(Lesen Sie auch Teil IV!) Der vierte Spüler war auch für das Telefon zuständig, über das die Gasträume ihren Bedarf anzufordern pflegten. Dieses Kommunikationsgerät wechselte nach einem einleitenden Klingeln auf eine so nervtötende Ruftonfrequenz, dass schleunigst hinrannte, wer nur irgend konnte. (Nummer vier war nicht immer anwesend.) War das keifende Gerät zum Schweigen gebracht, musste der Retter der kollegialen Nerven den Hörer langziehen und sich die Order auf der Galerie durchgeben lassen – in der Spülküche herrschte ein gewaltiger Lärm.

Bei meinem ersten derartigen Telefonat haspelte mir jemand ins Ohr Wir brauchen halbe Suppen zwei Dessert drei Essteller zehn Wannen paar Eimer auf keinen Fall Besteck und Tassen Tassen Tassen für die Tufa danke klick. Als Neue wusste ich weder, was zum Teufel mit “die Tufa”1 gemeint war, noch hatte ich mir mehr als Tassen, kein Besteck, halbe Suppen und drei Essteller merken können. Drei Teller und eine halbe Suppe hieß: drei hüfthohe Stapel bzw. die Hälfte davon im Geschirrwagen. Mit der Zeit war ich imstande, eine solche Bestellung fehlerfrei und ohne Rückruf auf einen Servierwagen zu packen, indem ich ihre Komponenten beständig vor mich hinmurmelte.

Wer das Geschirr für die Maschine sortierte, kümmerte sich meist auch um das Besteck. In einem kleinen Topfwagen mit Ablauf lag in Wasser und Spülmittel der Betriebsbedarf seit Schichtende des Vortages. Die trübe Brühe wurde abgelassen und der Inhalt des Wagens mit mehreren Eimern klarem Wasser überschüttet, damit kein Geschirrspülmittel in die große Maschine gelangen konnte. Dann musste Handvoll um Handvoll in die Körbe der Spülmaschine umgeräumt werden, meist waren es mehr als zehn, ein Geklirr sondergleichen. Nach dem Lauf durch die Maschine trug der Spüler am rechten Ende, sozusagen der Output-Manager, die frischgefönten Behälter zur Spüle mit den zwei Becken. Das rechte hatte der Spüler an der Topfmaschine bis dahin blankpoliert zu haben, dort wurden sie in heißem Wasser mit einem (1) Tropfen Spülmittel versenkt.

Besteckpolierer war der vierte Spüler. Wenn später der Betrieb losging, musste der allerdings öfter mal losziehen und Geschirr und Besteck aus den verschiedenen Gasträumen herankarren und dafür frisches zurückbringen. Halbe Suppen und so.2 Kam er mit dem Besteck nicht nach, wurde der Inhalt der Körbe in saubere Wannen umgeschüttet, damit nicht zu viele dieser Einsätze an der Maschine fehlten. Bei meinem ersten Tag am Besteck haben sich viele bunte Wannen neben mir gestapelt, und gegen Ende schmerzten meine Hände, denn Polieren ist eine anstrengende Arbeit. Bei den langjährigen Spülern von TT klang Gabelpolieren wie Tschak-Tschak-Tschak-Tschak, TT-Spüler plus Kaffeelöffel ergab Tektektektektek. (Lesen Sie Teil VI!)

  1. Tagelang haben mich diese “Tassen für die Tufa” verwirrt – ich arbeitete doch im TT, wieso musste ich eine Tassensorte mit bestimmtem Muster für die Tufa in eine Extrawanne stapeln? Hatte deren Spülmaschine eine Tassenphobie? – Scherz beiseite, es war wohl kaum ernsthaft Triers ehemalige Tuchfabrik und jetztiges Kulturzentrum gemeint. Leider verstand niemand meine Frage, wo die Bezeichnung “die Tufa” denn herstamme. Erst als ich den Gastraum namens “Tuferklause” zum ersten Mal putzen musste und den Namenszug an der Eingangstür las, wurde mir klar, dass die ganze Zeit von der “Tufer” die Rede war – man spricht hier in der Gegend kein “r”. []
  2. Nur Megateller wurden nicht durchs Gastro-Imperium gejagt, vermutlich waren sie zu mega dazu. []

Eine Spülerin erzählt: Mein erstes Leben IV

Freitag, 11. Juni 2010

(Lesen Sie auch Teil III!) Die Korbtransport-Spülmaschine. Sie wurde mit vier Schaltern angeworfen und musste sich über eine halbe Stunde lang auf die erforderliche Betriebstemperatur aufheizen. Sie durfte keinesfalls mit Geschirrspülmittel in Kontakt kommen. Sie war laut. Über ihre Befindlichkeit informierte sie auf einem Display. Die quadratischen Plastikkörbe zog sie in sich hinein und schob sie nach rechts, wo das Geschirr schließlich auf dem Ausgabetisch wieder auftauchte – glühend heiß. Zu Feierabend wurde sie ausgeweidet und akribisch gereinigt.

Alle Neuen standen zuerst rechts und mussten den Inhalt der Körbe umpacken. Für die verschiedenen Geschirrsorten standen hinter dem Spüler auf einem weiteren Zweimetertisch bis zu neun Wannen bereit. Nach Muster, Form oder Größe getrennt wurden dort Tassen, Untertassen, Kännchen, Schalen etc. hineingestellt. Unter dem Tisch harrten zwei der beidseitig befüllbaren Tellerwagen, in einer Ecke der, auf dem ausschließlich die Salatteller gestapelt werden durften. Die Gitterbox nahm alles auf, was nicht in Wannen gepackt wurde: Holzbrettchen, Plastikflaschen, Auflaufformen … Neben ihr warteten ein bis zwei Megatellerwagen.

Alles Edelstählerne musste abgetrocknet werden, alle Tassen umgedreht, alle Kännchen inspiziert, jeder Teller kontrolliert. Geschirr mit anhaftenden Resten sollte möglichst sofort zum Spüler am Eingabetisch gebracht werden, denn diese Reste versteinerten schnell. All das hielt auf. Wer zu langsam war, dem zwängte das Förderband die unerbittlich nachrückenden Körbe untrennbar auf dem Ausgabetisch zusammen. Dann fluchte vorn der Spüler, weil es bei ihm nicht weiterging. Diese Leute hatten den Ehrgeiz, einen Geschirrberg in einer bestimmten Zeit abgearbeitet zu haben, auf verwirrte Neue nahmen sie dabei wenig Rücksicht.

Die Arbeit ließ sich zu dritt bewältigen. War aber – wie meistens – ein vierter Spüler da, räumte er gefüllte Wannen vom Tisch auf einen Servierwagen, mit dem sie über die verschiedenen Aufzüge in die Gasträume verschickt wurden. Er brachte gestressten Neuen die salattellernde Besonderheit oder einen geleerten Megatellerwagen und ersparte ihnen damit Wege. Die Megateller1 selbst räumte er in vorgeschriebener Reihenfolge in die Wärmeschränke der verschiedenen Posten2 von Küche 1. Überzählige Exemplare wurden im beidseitig zugänglichen Schrank unter dem Annoncentisch3 gestapelt. (Lesen Sie Teil V!)

  1. Laut Vorschrift durften nur drei dieser schweren Platten auf einmal gehoben werden. []
  2. Arbeitsbereich eines Kochs / einer Küchenhilfe []
  3. Bei TT ein drei Meter langer Edelstahltisch mit Überbau. Unten die Teller und anderer Bedarf, auf dem Überbau Cloches, Serviertabletts und Deko-Material wie Zitronenscheiben, gehackte Kräuter und vieles mehr. Alle fertigen Essen wurden auf dem Annoncentisch abgestellt, dekoriert, zugedeckt, mit Hilfe von Serviertabletts gestapelt und via Tellertaxi (Synonym für armer Schüler oder Student) oder vom Küchenchef selbst in die verschiedenen Gasträume verschickt. Eine Freude, als unerfahrene Spülerin mit dem Megatellerwagen in diesem Tumult herumzueiern! Oder aber mit einem Geschirrwagen den Moment abzupassen, in dem man den unteren Teil des Speiseaufzugs mit den vom Gastraum eins dringend verlangten Tellern bestücken durfte. []

Eine Spülerin erzählt: Mein erstes Leben III

Montag, 7. Juni 2010

(Lesen Sie auch Teil II!) Kösche eins potzän! Noch heute höre ich den Kollegen diesen Morgenbefehl schnarren. Der Mann hat sich durchaus auch selbst abkommandiert, er meinte es nicht böse, es klang aber so. Traten wir zu viert die Schicht an, marschierten zwei Leute folgsam in Küche 1, während Nummer drei und vier mit Hilfe von Spüle und Topfmaschine den Küchenbedarf bewältigten. Einer vom Küchenkommando ging die Gasträume putzen, sobald das Gröbste getan war. Der zweite machte Küche 1 fertig, bei Bedarf auch Küche 2. Dann sortierte er1 in der Spülküche das andere Geschirr – das von den Gästen benutzte.

Es stapelte sich auf mehreren Geschirrwagen, die mitunter kaum ein Durchkommen ermöglichten. Einer davon war für die besonderen Teller von Küche zwei bestimmt, ein gut halbquadratmetergroßes Gefährt mit merkwürdigen Stalagmiten als Stützen. Zwei ähnelten vorn offenen Konsolen, gesichert mit einer Metallstange. Dort kam die größte Esstellersorte hinein, betriebsintern als “Megateller” bezeichnete, schwere Porzellanplatten. Das dritte Modell nahm alle anderen Teller auf. Es sah aus wie eine von zwei Seiten beschickbare Version des verlinkten Beispiels

Der Betrieb besaß eine kleine Herde dieser Wagen, in jedem Gastraum stand einer hinter der Theke. Weitere hatten ihren Platz in der Spülküche. Im Laufe einer Schicht tauschten wir sie mehrfach gegeneinander aus, schickten sie je nach Herkunft mit dem Speiseaufzug in Küche 1 oder fuhren im Lasten- oder im Personenaufzug mit ihnen durch die Weite des Gastro-Imperiums. Nur einer durfte die Reise niemals antreten, er diente ausschließlich der Aufnahme und dem Verräumen der Salatteller.2 Morgens standen alle in der Spülküche, die Hälfte befüllt, stets nur mit Tellern, versteht sich. Alles, was nicht Teller war, ruhte in bunten Plastikkisten in den Fächern eines mannshohen Gitterwagens. Diese “Wannen” türmten sich in der Hauptsaison auch am Boden, sie enthielten unter anderem Tassen aller Art, Untertassen, Auflaufformen, edelstählerne Schalen in mehreren Größen, Edelstahlkännchen, Eisbecher, Suppenschalen, Holzbretter und Eisdosen.

Geschirrwagen- und Wanneninhalt musste von Nummer zwei fertig vorsortiert sein, wenn Nummer eins des Küchen-Kommandos vom Gastraumputzen zurückkam. Dann arbeiteten die beiden an der großen Geschirrspülmaschine weiter. Dieses Monstrum, eine sogenannte Korbtransport-Spülmaschine, habe ich zuerst gar nicht als Maschine erkannt. Es war schlicht zu groß und jenseits meiner Erfahrung, deshalb sah ich nur eine Reihe von Edelstahl – Schränken. Wollen Sie meinen Arbeitsplatz genauer beschrieben haben? Denken Sie sich den niedrigen Einschiebtisch auf der linken Seite auf wenig mehr als einen halben Meter verkürzt. Der Rest knickt im rechten Winkel ab und wird nach einem Meter um einen nochmals rechtwinklig abzweigenden, gut zwei Meter langen Tisch mit Überbau erweitert.

Mein Arbeitsplatz war dort allerdings erst nach fünf Monaten Minijob. Die Maschine lief in drei Geschwindigkeiten, wir hatten immer die mittlere eingestellt. Sie bedurfte geübter Leute, die flink die Körbe bestückten, damit das gewaltige Gerät keinen Leerlauf hatte. Das Förderband lief immer, die verschiedenen Bereiche waren bis hin zum Trocknergebläse im Dauerbetrieb. Vorgespült wurde nichts, diese Maschine wurde mit allem fertig. – Beim Sortieren hatte jede Geschirrsorte ihren festen Platz. Entweder auf dem Tisch mit Überbau: Megateller – Essteller – Salat – Dessert – Suppe – Auflauf, davor Schalen, Saucieren und Kleinkram. Oder in Wannen, die um den Arbeitsplatz des Spülers herum am Boden aufgestapelt waren. Für eine zu geringe Geschirrmenge (z. B. das Doppelte eines sehr gut bestückten Großfamilien-Haushalts nach Großmutters Diamantener) schalteten wir die Maschine gar nicht erst ein. (Lesen Sie Teil IV!)

  1. Oder sie, mit 50prozentiger Wahrscheinlichkeit []
  2. Den Grund habe ich nie herausgefunden. []

Eine Spülerin erzählt: Mein erstes Leben II

Mittwoch, 2. Juni 2010

(Lesen Sie auch Teil I!) Nach den Putzarbeiten ging es in die Spülküche, wo sich seit sieben Uhr ein bis zwei Kolleginnen und Kollegen mit den “Topfwagen” beschäftigten. Es gab vier dieser fahrbaren Geschirrwagen, im Gegensatz zu dem auf der Abbildung ohne Deckel, dafür über einen Meter lang. Morgens waren alle vier vollgestopft mit dem Küchenbedarf vom Vorabend, der Rest türmte sich auf Schwerlastregal und Boden.

“Küchenbedarf” meint nicht etwa das von den Gästen benutzte Geschirr. Er umfasst vielmehr alles, was eine Schar Küchenkünstler benötigt, die zu saisonalen Stoßzeiten schon mal über zehn Mann/Frau stark sein konnte: Gewaltige Töpfe, dutzende von Einsätzen für die Bainmaries,1 armlange Edelstahlwannen von flach bis sehr tief, ihre halb so großen Äquivalente, Eimer aus massivem Plastik, in denen sich ein Kindergartenkind hätte verstecken können. Meist füllten wir einen davon zwecks Erleichterung des Transports mit normal dimensionierten Kellen, Schöpflöffeln und Teigschabern.

Es gab natürlich auch stapelweise normale Eimer von 5 und 10 Litern, unzählige Serveirtabletts, Berge von Cloches in Plastik- und Edelstahlausführung.2 Des weiteren Salatwannen, groß wie Säuglingsbäder, bis zu 1,50 Meter lange Schneidbretter aus schwerem rotem Plastikmaterial. Schüsseln von riesig bis klein, zwei oder drei kinderhohe Schöpflöffel und Schneebesen. Sehr viel mehr Quirle von vertrauten Ausmaßen. Edelstählernes Zubehör für Herd und Bainmaries, merkwürdig geformt und in einem eigenen Wagen jeden Morgen an denselben Platz zu schieben. Wenige Pfannen, überhaupt keine Küchenmesser, viereckige Plastikförmchen in allen Spielarten von weiß.

Zwei der mit zu spülendem Küchenbedarf beladenen Wagen standen morgens meist noch in Küche 1. Der Grund war schlicht und einfach Platzmangel, denn in der geräumigen Spülküche warteten morgens zu unserer Begrüßung noch etliche andere Geschirrwagen. Nur beim lauen Betrieb zu Jahresbeginn war für alle genug Platz. All diese Geschirrberge spülten zwei Leute. Einer arbeitet an einer Spüle mit zwei sehr tiefen Becken, der andere an der Topfmaschine. Die Dimensionen dieses Gerätes hätten alternativ auch das Unterbringen einer Matratze erlaubt.

Abgetrocknet wurde mit grünen Schwammtüchern,3 der an der Topfmaschine trocknete und räumte auch für den an der Spüle. Das saubere Küchenzubehör kam in die mit Hochdruck ausgespritzen und getrockneten Topfwagen zurück. Über die Galerie schoben wir die schweren Gefährte zurück bis vor das Materiallager in Küche eins. Dort wurde alles in etlichen Regalen verstaut, natürlich jedes Ding am vorgeschriebenen Platz, denn sonnst war es auf Wochen verschollen. Gegen zehn Uhr musste alles fertig sein, denn dann kamen die Köche und wollten ihren Kram haben. (Lesen Sie Teil III!)

  1. Warmhaltegeräte für Soßen und Suppen []
  2. Deckel, die das Essen auf dem Weg zum Gast warmhalten []
  3. Andere Farben wurden ausschließlich für die Toiletten benutzt und auch getrennt gewaschen []

Eine Spülerin erzählt: Mein erstes Leben I

Montag, 31. Mai 2010

Im ersten Leben als Spülerin war ich genaugenommen eine Hauswirtschafterin. Für’s Weblog benötigt mein damaliger Arbeitgeber eine Tarnkappe, ich nenne ihn kurzerhand “Trierer Touristenmagnet” (TT) und lasse ihn von moselabwärts zu all unseren Sehenswürdigkeiten zurückblicken.

Der TT besitzt zwei Küchen, er ist innen viel weitläufiger, als er von außen aussieht. Bei meinem Vorstellungsgespräch war mir das nicht aufgefallen – vornedran war Außengastronomie, der Chef empfing mich im Nebenabteil des Gastraums, ansonsten vermutete ich dort nur noch Küche, Toiletten und Lager. Es gab aber drei weitere Gasträume (einen davon habe ich nie gesehen), außerdem zusätzliche Außengastronomien und Etliches mehr. Ein heimliches Gastro-Imperium, wer weiß, wie weit seine Wurzeln reichen …!

Am ersten Arbeitstag bin ich hinter einem Kollegen hergetappt, hinein durch einen Nebeneingang, über einen sehr schmalen Gang, eine Treppe hinauf, durch eine sehr schmale Tür in die Küche, durch eine andere Tür wieder hinaus (von dieser Küche gingen sieben Türen ab), noch mehr Treppen hinauf bis in den Personalraum, von dem die Frauenumkleide abzweigte. Die Spülküche lag auf derselben Etage wie die große Küche, war aber vollständig von ihr getrennt und nur über eine Galerie zu erreichen.

Zu den verschiedenen Gasträumen gelangten wir mal über einen Personenaufzug mit Alternative Treppenhaus, mal über den Lastenaufzug, der der vier Ebenen bediente. Mittags ging es via Wäscherei in den Personalraum. Sehr verwirrend das alles, zumal ich weder von all diesen Räumen wusste, noch ihre internen Bezeichnungen kannte. Zu Feierabend habe ich an diesem ersten Tag nicht wieder hinausgefunden und musste eine Küchenhilfe fragen. Mehrere Tage lang bekam ich bei jeder Andeutung von Stillstand zu hören “Na, haste dich wieder verlaufen?”

Morgens um sieben hieß es bei TT “Angetreten! Küche 1 putzen!” Putzen bezog sich bei den Küchen auf den Boden, für “obenrum” waren die Köche und ihre Helferscharen zuständig. Außerdem säuberten wir noch den Speisenaufzug. Es galt schnell zu sein, sonst maulten die Kollegen. Vier Eimer Wasser mit Putzmittel waren in drei langen Gängen und ihren beiden Verbindungen zu verteilen. Man konnte nach Herzenslust schwappen, musste allenfalls auf die eigenen Füße achten, denn alle Küchengeräte waren am Boden mit Edelstahl verblendet und mit Silikonfugen abgedichtet. Sehr praktisch.

Nach dem Fluten kam Schrubben, Abziehen, Trockenwischen. Drei Arbeitsgänge, ein Spüler voran, der andere hinterher. Dann Säubern der großen Abfluss-Schächte1 im Boden. Danach war entweder die Reinigung der Gasträume samt Toilettenanlagen angesagt, oder je nach Bedarf das Putzen der kaum halb so großen Küche 2. Gastraumputzen war mein persönlicher Nicht-Favorit. Ich arbeitete mich zu gründlich und daher langsam über die weitläufigen Flächen, die Stühle standen lästigerweise stets auf dem Boden, und morgens vor acht Uhr fremder Leute Klos schrubben ist auch nicht ganz mein Ding. Erst wenn auch das erledigt war, ging es in die Spülküche. (Lesen Sie Teil II!)

  1. “Abflussschächte” liest sich wie Schweizerdeutsch – Abflusss-Chächte []

Selbstquälerei und ihre Folgen

Samstag, 19. September 2009

Ein Weblog ist auch zum Frustwegschreiben da und das werde ich jetzt tun. Vor kurzem habe ich vom ehemaligen Spülhilfe – Arbeitgeber ein Zeugnis erhalten und las, ich habe zur vollen Zufriedenheit gearbeitet (übrigens als Hauswirtschafterin). Ich war erst etwas geknickt, denn gefühlt habe ich mich sehr, sehr bemüht für diesen Betrieb. Dann wurde mir klar, dass ich anfangs langsam da neu, später wegen Dauerkopfweh wohl auch nicht so ganz flott war. Oder wie sich das eben geäußert hat, ich selbst kann das nicht beurteilen. Da konnte ich mich nicht beschweren. Ich habe vermutet, dass mir dort niemand das Spülschichtkopfweh geglaubt hat. Und so war es wohl auch, denn eben sah ich durch Zufall, dass für die Note “2″ ein stets zur vollen oder aber ein zur vollsten Zufriedenheit notwendig ist. Ich habe also nur befriedigend gearbeitet. Nach der Nachtruhe wird sich das gelegt haben, aber derzeit ärgere ich mich erneut, dass ich die Kündigung im Februar widerrufen habe. Wer sich bei der Arbeit quält, wird auch noch schlecht bewertet. Eigentlich logisch. Ich bin so ein Depp …

Bestechungsversuch auf Umwegen

Samstag, 18. Juli 2009

Die versprochene Hecke konnte ich auch deshalb nicht mehr gärtnerisch betreuen, weil ich stattdessen ein Stückchen Wiese für sehr späte Blumenaussaat umgegraben habe, denn die Ergebnisse der beiden ersten Versuche wurden bis auf wenige Exemplare Opfer der Schnecken. Beet statt Hecke, drei Tage statt vier, das muss das Schicksal verwirrt haben – oder wen auch immer ich da hatte bestechen wollen. Verwirrt war ich offenbar selbst. Das unerwartete Ereignis war eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, ich hatte mich als Spülerin in einem sympathischen Betrieb in der Trierer Innenstadt beworben.1 Wen das wundert, der stelle sich vor, wie verzweifelt man sein muss, um sich bei McDonald’s zu bewerben – von der hübschen Saarbrücker Dachwohnung mal abgesehen. :^^: Mein Kontostand fällt so rapide, dass ich ständig ein leises Pfeifen zu hören glaube. Hartz IV! Hartz IV! singt ein düsterer Chor im Hintergrund, Macht den Untermensch aus Dir! Krass, aber realistisch. Man beachte das Verb “macht”, vorher waren wir fast alle ganz normal.

Heute um sechzehn Uhr lernte ich den jungen Chef mit dem eindringlichen Blick kennen – nein, er starrt nicht, er will wissen, ob sein Gegenüber zuhört und begreift, was er sagt. Außerdem beobachtet er Reaktionen und bildet sich so sein Urteil. Es gibt in diesem Betrieb keine verqualmten Personalräume, weil in Teilschichten mit einer Pause von 2,5 Stunden gearbeitet wird, der einzige Nachteil, denn nach einem solchen Tag schreibe ich nichts mehr. Gesucht war eine Vollzeitkraft und der Chef versicherte mir mehrmals, es sei Knochenarbeit, offenbar wirke ich irgendwie schwächlich, seit ich so wabbelig geworden bin. Er zeigte mir die Küche, eine baulich gelungene Angelegenheit, sozusagen ein Raum, in dem man sich gern aufhält. Allerdings ist sie nicht von der Spülküche getrennt, ich sah kurze Wege, alles ist viel enger, als ich es von vorher kenne, wenn mal nichts zu spülen ist, wird in der Küche geholfen und nicht wie im anderen Betrieb geputzt.

Ich besah diese angenehme kleine Küche mit lauter freundlichen Leuten drin (entweder sie mögen ihren Chef oder er hat sie an der Kandarre :^^: ) und dachte das Arbeiten im “Edelstahllager” in der Mittagspause der Köche. Also sagte ich, das einzige, was ich mir hier denken könne, sei, das mir vielleicht der Friteusendunst nicht so gut bekommen könne. Die Arbeit erschien mir gegenüber vorher ehrlich gesagt sehr gut zu bewältigen und die Bezahlung war ein Traum, übertariflich hoch. Der Chef verstand das seltsamerweise so, als fände ich die Luft jetzt schon komisch, was aber nicht der Fall war, im Gegenteil, es war nicht einmal unangenehm warm dort. Er schlug vor, ich solle eine Woche auf 400€ – Basis probearbeiten, doch dann erwähnte ich, der Zusammenhang ist mir entfallen, ich sei beim Minijob als Spülerin einmal wegen Sehnenscheidenentzündung ausgefallen – hörte mich das selbst sagen und dachte Moment mal?!, der Chef aber meinte “Sagen Sie mal, sind Sie oft krank?”

Liebe Leserinnen und Leser, ob Sie es glauben oder nicht – das Ganglion und die Sehnenscheidenentzündung hatte ich vollständig vergessen. Zwei Ärzte hatten gesagt, sie komme vom Schreiben, ich schreibe tagtäglich mehrere Stunden, doch seit ich den Minijob als Spülerin aufgegeben habe, habe ich keine Beschwerden mehr, auch nicht, wenn ich zwischendrin landschaftsgärtnerische Arbeiten verrichte, die nicht mit denen eines Gewächshausgärtners zu verwechseln sind. Ich war etwas verdattert und bat, wieder in den Gastraum an unseren Tisch gehen zu dürfen. Dort überlegte ich hin und her, vom Buch würde ich nicht lassen, würde das Ganglion wiederkommen? Ein Minijob war nicht gefragt, sondern fünf Tage die Woche. Mit Frittenfett und Spülküchendünsten. Es ist mir gar nicht leicht gefallen, doch kann bei meiner Vorgeschichte nicht versprechen, nicht zu erkranken – ich habe abgesagt. Der Chef bedankte sich und ging, ich glaubte in seinem Blick die zu erwartende Gereiztheit zu erkennen – Hätte die sich das nicht gleich denken können? – aber auch eine leise Enttäuschung. Immerhin hätte er endlich eine verlässliche Vollzeitkraft gehabt. Ja, mir tat es auch sehr leid! Dort hätte ich auch für hundert Euro netto (!) weniger arbeiten wollen, denn mit so viel hatte ich etwa gerechnet.

Wieder daheim, stand ein Briefumschlag auf dem Kasten, verwirrtes Schicksal – er enthielt wirklich und wahrhaftig die Ankündigung eines der tatsächlich erwarteten Ereignisse. Es mag im Nachhinein gierig klingen, doch dem ist nicht so, meine Erwartungshaltung war aus der Not geboren. In unnötig unfreundlichem Ton teilt mir ein Nachlassverwalter unter anderem mit, die Wohnungseinrichtung meiner verstorbenen Verwandten habe nur noch Schrottwert. Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt, auch mit meiner Wohnungseinrichtung verhält es sich nicht anders, in der Tat ziehe ich in vielen Fällen Möbel vom Sperrmüll neu gekauften vor. Vielleicht liegt das ein wenig in der Familie, trotzdem halte ich eine solche Formulierung für pietätlos und unangebracht. Außer dem “Schrottwert” bleibt ein kleines Vermögen, das mir, geteilt durch alle Erbberechtigten, zum einen wegen seiner Geringfügigkeit die Erbschaftssteuer erspart und zum anderen ermöglicht, bei meinen sehr bescheidenen Ansprüchen noch eine Zeitlang ohne Arbeit für andere auszukommen. Sprich, ich kann mich einige Monate lang voll und ganz meinem Buch widmen und wenn ich einen angenehmen Minijob finde, reicht es noch ein wenig länger. Gerettet!




1 Ich möchte den Namen auch dieser Gastronomie nicht nennen, selbst wenn ich nur Gutes zu berichten habe. Irgendwer bekommt doch immer etwas in den falschen Hals.

Die richtige Entscheidung

Montag, 22. Juni 2009

Gestern nachmittag verspürte ich Kopfschmerzen, sie waren kaum der Rede wert, kündigten einen der Abende mit Schwächegefühl, Frieren, Gummigelenken und leichtem Fieber an, nach ausgiebigem Nachtschlaf geht es mir dann wieder gut. Diese merkwürdigen Symptome hatte ich lange nicht mehr, sie haben mich an ein schon vergessenes Elend erinnert: Das Spülschicht-Kopfweh. Hier oft genug beklagt, ist es vollständig verschwunden und kam also in der Tat vom mehrfach beschriebenen, krass verqualmten Personalraum des arbeitgebenden Betriebes. Gegen Ende musste ich sogar mehrfach in Anwesenheit eines der oft in der Kurzpause rauchenden Köche den Raum säubern – nicht desselben, die haben alle stark geraucht. Das Zusammentreffen war nicht geplant, sondern nur ein unglücklicher Zufall, der außer mir niemandem auch nur aufgefallen ist. Ich habe daher keinen Aufstand gemacht, mich statt dessen beeilt und letzte Zweifel an der längst beschlossenen Kündigung über Bord geworfen. Jetzt weiß ich, dass diese Entscheidung richtig war, vielleicht sollte ich den rauchenden Köchen dankbar sein

Es war eben nicht klug, Lungenfacharzt, Chefin und Vorarbeiterin zu glauben, das zeitweise sehr heftige Kopfweh komme nicht vom Betrieb. Woraus ich den Schluss gezogen habe, auch an jedem anderen Arbeitsplatz würde ich welches bekommen und könne daher genauso gut bleiben, wo ich wenigstens schon eingearbeitet war. Zumal ein Gleitzonenjob in Aussicht stand, der Arbeitsweg kurz und die Kollegen angenehm waren. Die Angst vor der Arbeitslogikeit war maßgeblich beteiligt, vor einem Leben unter der Schikane der AgfA, dabei hatte ich schon da meine Zweifel an der Aussage des Arztes. Weil ich mir wegen all der Gegenstimmen unsicher war, habe ich im Februar die für Ende März ausgesprochene Kündigung nach zwei Tagen Bedenkzeit zurückgezogen, doch schon Mitte März war mir klar, dass es so nicht weitergeht und ich habe sie erneuert, ausgerechnet zu Beginn der arbeitsreichen Zeit. Mir war das peinlich, und obwohl meine Chefin sagte, dann also doch zum 31. März, sagte ich freiwillig bis Ende April zu, als Gastwirtin wusste ich schließlich sehr gut, dass kurzfristig ausfallende Aushilfen Personalstress machen. Daraus resultierte dann die Vereinbarung.

Schön blöd war ich, mich aus jetzt nicht mehr nachvollziehbarem Pflichtbewusstsein noch so lange zu quälen, denn als ich im April wie ausgemacht Bescheid gesagt habe, fiel meine Vorarbeiterin aus allen Wolken und auch die Kolleginnen und Kollegen, denen ich durch mein Bleiben doch Mehrarbeit hatte ersparen wollen, wussten von nichts. Dabei waren zwei Neue am Start, ich dachte, einer von ihnen ersetze später mich. Im Betrieb hat man mir offenbar nie so recht geglaubt, dass die Kopfschmerzen eine Folge der Arbeit dort waren.
Merke für Altgruftipunk: Andere Leute wissen nicht, was Dir nicht bekommt. Wie oft hast Du Dich über Aushilfen geärgert, die sich wegen der popeligsten Kinkerlitzchen krankgemeldet haben? Nur Du hast Dich auch halbtot noch zur Arbeit geschleppt. Wer tut sowas schon, also glaubt Dir auch niemand. Und: Wer weiß, vielleicht bringt der Termin bei der Rentenversicherung sogar ans Licht, dass Du doch keine Arbeitslose ohne Leistungsbezug sein musst.

Von wegen Fehlstunden!

Mittwoch, 20. Mai 2009

Über eine Woche lang haben meine Papiere im Büro meines ehemaligen Arbeitgebers bereitgelegen, ich war zu krank, um sie morgens abholen zu kommen. Heute war es soweit, da höchste Zeit, erwartungsgemäß habe ich gar keine gute Figur gemacht. Noch immer leicht neben mir stehend, bin ich unbeholfen, nach wie vor halb taub vom Druck auf den Ohren, muss oft husten, krächze, schniefe, das Auge tränt. In den angenehm temperierten Räumen dampfte ich geradezu, weil es schon um zehn Uhr morgens möderisch schwül war.

Eine leicht kafkaeske und wenig angenehme Erfahrung. Was ich noch nachtragen muss: Mit meinen Fehlstunden hatte ich mich schwer vertan, mein Ausfall wegen Krankheit hat mich keine Stunden gekostet. Auch das Stundensoll hatte ich falsch geschätzt, es gab keine Abzüge beim letzten Lohn. Und: Zusammen mit dem speziellen Spülschicht-Kopfweh sind Ganglion, Sehnenscheidenentzünding und das äußerst unangenehme angstartige Gefühl verschwunden. Das ist schön. Mit dieser abartigen Erkältung und den aufmüpfigen Hormonen bin ich nämlich vollauf beschäftigt.

Altgruftipunks erster Mai

Freitag, 1. Mai 2009

Heute ist der erste Mai, Feiertag der Arbeit, und mein erster freier Tag, mangels einer Stelle. Viele Wochen lang habe ich meine Freitage in der Spülküche verbracht, damit ist jetzt Schluss. Um die Kolleginnen und Kollegen tut es mir leid, wir sind gut miteinander ausgekommen, doch ein durchdringendes Abschiedskopfweh sorgte dafür, dass gestern beim Abschied keine Melancholie aufkommen konnte. Dabei diente ich während der letzten beiden halben Schichten nur noch als Reserve und habe fern der üblichen Hektik wischen und waschen dürfen.

Wie passend, dass mein erster Tag als Arbeitslose ausgerechnet der Kampftag der Arbeiterbewegung ist, immerhin weigere ich mich, weiterhin unter (mich) krankmachenden Bedingungen und für einen in diesem Berufszweig zwar üblichen, aber meines Erachtens gar zu mickrigen Lohn zu arbeiten. Geschadet hat meiner Gesundheit auch, dass ich mir extremen Espressokonsum und unmäßig viel ungesundes Essen angewöhnt habe, als Belohnung nach den Schichten und um die berüchtigte Arbeitstagvorabendphobie besser überstehen zu können. Gegen Ende habe ich sogar die Arbeit am Buch vollständig eingestellt, erst wegen schmerzender Hände, dann hat es mir an Kraft, Elan und Mut (?) gefehlt.

Zu Kapitän Berrzak finde ich noch immer keinen Zugang, statt mich in seine Welt zu begeben, habe ich etwas begonnen, dessen Erledigung schon seit Jahren wartet. An zwei Stellen meiner Wohnung habe ich Zeitung ausgelegt, exponierte Stellen abgeklebt und endlich die Wasserflecken überstrichen. Der Rest Wandfarbe war durch extremes Rühring eben noch pinselfähig zu machen, doch genutzt hat der erste Anstrich wenig. Macht nichts, ich trinke jetzt trotzdem ein echtes Feierabendbier. Morgen sieht das sicher schon besser aus.