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Neue Sprüche aus der heißen Küche

Samstag, 31. Juli 2010

Mehr oder weniger temperaturintensive Begebenheiten

Im Nebenraum ist es dann doch zu heiß, die kickende Koch-Mannschaft zieht in den Hof um.
Bäng boing, bäng bong, bäng bäng boing sagt der Ball. (Wo kommt eigentlich dieser Fußball her?)
Auf einmal Stille. Sie hält einige Augenblicke an, dann kommt ein Lehrling durch die Küche geschlurft und verschwindet im Nebenraum. Mit der großen Leiter rasselt er wieder heraus. :D

Altgruftipunk hat sich für die Arbeit einen Satz T-Shirts in Tarnmustern zugelegt und erscheint zu jeder Schicht in anderen Farben.
Küchenchef: “Leute, räumt mal die Lieferung weg, man sieht ja hinter den Stapeln unsere Spülerin nicht mehr.”
Koch (leicht entrüstet): “Die ist ja auch getarnt!”

Servicekraft (w) kommt in die Spülküche, schnappt sich ein Papierhandtuch und betupft ihren Hals.
Altgruftipunk: „Hast du dich beim Rasieren geschnitten?“
Servicekraft: „Nee, sieht nur so aus. Das sind Hitzepickel!“

Chef (stürmt in die Spülküche und haut auf den Lichtschalter): „Licht erzeugt Wärme. Jetzt habt ihr’s was kühler.“ (Rauscht ab.)
Altgruftipunk (tastet sich zum Lichtschalter vor): „So ein Unsinn!“ (Knipst die beiden Neonröhrchen wieder an)
Kollege: „Hann mir daheim auch so gemacht. Im Winter. Hann mir’s Licht angemacht, hann mir’s warm gehabt.“

Mehr Sprüche aus der heißen Küche

Mittwoch, 21. Juli 2010

… und andere, weniger temperaturintensive Begebenheiten

WM ist noch zugange, Küchenchef hat frei, wegen der Hitze ist wenig los. Totenstille, alle Köche und Lehrlinge sind verschwunden. Aber niemand hat sich zum Rauchen oder für sonstwas abgemeldet. Merkwürdig. Schließlich muss ich ein paar Gegenstände in einen fensterlosen Nebenraum bringen, dort sind alle bei geschätzt 45 Grad versammelt. Sie bemerken mich gar nicht. Sie haben einen Fußball.

Altgruftipunk (hat Feierabend): “Ich werf’ das Handtuch.”
Ablösung: “Ist ja genug Platz hier. Wirf’s ruhig hin wo du willst.”

Servicekraft kommt mit Stapel abgeräumter Teller angesprintet, sortiert Besteck, Geschirr und Essensreste rasend schnell auseinander, schnappt sich die dreckigen Teller und rennt damit zurück in Richtung Gastraum. Vollbremsung in der Küchentür, Kehrtwende. „Was tu ich denn da? Diese Hitze macht mich ganz dabbisch!“

Chef drückt sich in der Küche herum, wie immer im Anzug. Es sind mindestens 40 Grad.
Altgruftipunk: “Ab welcher Temperatur legen Sie eigentlich die Anzugjacke ab?”
Chef: “Niemals. Ich lasse mich von so einem bisschen Wetter nicht unterkriegen.” (Enthusiastisch) “Das ist allein eine Sache zwischen mir und … Gott!”

Mein neuer Kollege spült, ich küchenhelfe. Wir sind nur zu zweit, alle Köche haben Pause.
Altgruftipunk: “Machst Du bitte gleich die Toiletten fertig? Ich muss in der Küche bleiben, falls Essen bestellt werden.”
Kollege (quietscht vollkommen entsetzt): “Ich?!”

Sprüche aus der heißen Küche …

Samstag, 17. Juli 2010

… und weniger temperaturintensive Begebenheiten

Die Küchentür ist defekt und steht daher offen. Prima Luftzug bei der Hitze, aber die Gerüche ziehen in die Gaststube und der Küchenchef darf seine Wutanfälle nicht ausleben – so geht das nicht. Der Chef hat erfolglos an der Elektronik gebastelt, nun kommt er mit einem Fachmann im Schlepptau.
Fachmann (späht ins offengelegte Innenleben): “Hm. Hmmm …?
Chef (fördert aus den Tiefen seines Anzugs ein nichtelektronisches Bauteil zutage): “Dafür habe ich keinen Platz mehr gefunden!”

Koch (empört): “Was ist das denn? Steht ma in der Küch’ rum, tut neist und schwitzt davon!”

Wir sind zu zweit und haben alles weggespült, warten in dumpfer Hitze auf den nächsten Wagen voller Geschirr. Mein Kollege holt sich eine Flasche Sprudel, doch der Inhalt ist ihm viel zu warm. Kein Problem. Wir wissen, wo die Eismaschine steht. Er schaufelt sich Eiswürfel in ein Glas, gießt Sprudel darüber und lehnt sich erschöpft an die Wand. Lässt das Eis im Glas rotieren, ich starre derweil an die Decke. Schwatzen oder überflüssige Bewegungen sind viel zu anstrengend.
Das Eis macht Pingpingpiling. Ping-piling. Pingpling. Ping … ing. Dann Stille. Ist mein Kollege binnen einer Minute im Stehen eingeschlafen? Nein, er schaut mit langem Gesicht in sein Glas: “Das Eis is weg!”

Eine der Servicekräfte ist Mitte dreißig und ziemlich nachlässig. Niemand arbeitet gern mit ihr im Team.
Altgruftipunk: “Viel zu heiß hier, um ständig hinter dir herzuräumen. Von nun an wirst du zur Ordnung erzogen!“
Servicekraft: “Das kommt sowas von zu spät!” (feixt)

Selbstheilung

Freitag, 8. Februar 2008

Entwarnung für alle, die über meine etwas verspätet veröffentlichte Fortsetzung der Berichtes Sarkoidose I erschrocken sind: Soeben komme ich vom Lungenfacharzt, die Kontrolluntersuchung konnte keine Blutsenkung mehr feststellen und auf dem Röntgenbild zeigt sich der Rückgang aller Symptome so deutlich, daß sogar ich ihn erkennen konnte. Mein Körper hat sich selbst geheilt!

Natürlich halte ich mir meine Maßnahmen zugute, meine vierjährige Rauchphase habe ich vor drei Jahren beendet, mindestens einmal pro Woche, meistens häufiger kurbele ich auf dem Crosstrainer zwischen zwei weit geöffneten Fenstern. Ernährungstechnisch lebe ich eher gesund (bzw. komme ich immer wieder darauf zurück :megagrin: ) und habe seit August 2007 jede Quelle von Zigarettenrauch und sonstigen ‘inhalativen Irritantien’ gemieden, was Kneipen oder auch Freiluftveranstaltungen betrifft und mir anfangs sehr schwergefallen ist. Hier in der Wohnung war es nicht immer durchführbar, man kann es im Blog nachlesen – was bin ich froh, daß mir die ständigen Gestankinvasionen offenbar nicht geschadet haben!

Ich schreibe, ich sei froh, doch eigentlich bin ich gar nicht sonderlich glücklich oder aufgeregt. Eher benommen. Nach all den Monaten mit der Krankheit im Nacken, von der ich nach Abklingen der akuten Symptome nichts bemerkt habe, muß die Information erst in mich einsickern. Nach all den Angst- und Wutausbrüchen, sobald mich jemand zwang, seinen Qualm (Grillgestank, Autoabgase, Kaminbrand, Desinfektionsmittel, …) zu inhalieren, muß ich das Leben ohne Dauerwarnzustand erst wieder erlernen. Ich konnte ebensowenig wissen, daß diese Partikelwolken die akute Sarkoidose nicht wieder auf den Plan rufen, wie ich letzten Sommer hatte wissen können, daß die Arbeit in der Kneipenküche sie so schlagartig und in derart extremer Ausprägung ausbrechen lassen würde.

Trotzdem steht ein Sekt kalt. :smile:

Sarkoidose II

Freitag, 8. Februar 2008

(Fortsetzung von Sarkoidose I) Ein paar Monate weniger arbeiten, den Kummer bewältigen, den Streß reduzieren – so glaubte ich mich wieder auf den Damm bringen zu können. Schließlich war ich schon seit über zwei Jahren Nichtraucherin und hatte zuvor kaum Probleme gehabt mit dem Qualm, ebensowenig wie in meinen rauchfreien Jahren vor der etwa vierjährigen Rauchphase. Ich war ja nur so schnell müde und bekam vom Qualm Kopfweh und Husten. Ich brauchte nach meinen traditionellen Abendschichten am Montag und am Dienstag auf einmal den ganzen Mittwoch, um mich zu erholen. Statt ausgeschlafen und unternehmungslustig aufzuwachen, schlief ich extrem lange, schleppte mich dann kraftlos mit Kopfschmerzen in der Wohnung herum, lag oft bereits nachmittags im Sessel, dachte häufig, eine Erkältung sei im Anmarsch, hatte leichtes Fieber. Ich ging früh zu Bett, aber donnerstags fühlte ich mich wie neugeboren, war aktiv und munter. Also konnte das doch nichts ernstes sein? Manchmal glaubte ich fast, ich bilde mir die Beschwerden ein. Bis zur nächsten Schicht. Bisweilen hatte ich mehrere Tage frei, dann war der erste Abend in der Küche ganz besonders unerträglich, am zweiten Tag ging es besser, am dritten und meistens auch am vierten hatte ich frei und konnte mich erholen. So hangelte ich mich von freiem Tag zu freiem Tag durch die Monate, trug lange am Kummer, da dem ersten Todesfall weitere folgten. Beruflich war ebenfalls keine Entspannung in Sicht, was zum einen am Berufszweig lag, zum anderen an der durch vier Vollzeitkräfte finanziell völlig überforderten veralteten Kneipenstruktur. Schichtarbeit in der Gastronomie läßt für Kommunikation wenig Zeit, und so kann man nach elf Jahren durchaus unvermittelt feststellen, daß das Kollektiv gar keins mehr ist, Tag und Abend einander verkennen und Zusammenarbeit nicht Zusammenhalt bedeuten muß.

Mich kostete die Umstrukturierung der Kneipe (von der Mitwirkung daran hielten mich besagte private Probleme ab) den sozialversicherten Arbeitsplatz. Selbst dann glaubte ich noch, dort eventuell einmal im unteren Gleitzonenbereich weiterarbeiten zu können. Trotz allen Geredes von ‘Überempfindlichkeit’ und ‘psychisch bedingt’, mit dem Kolleginnen, Kollegen und Gäste meinen Zustand zu kommentieren pflegten, war mir derselbe schließlich selbst nicht mehr geheuer und ich suchte Anfang Juli einen Arzt auf. Lungenfunktion hervorragend, Blutwerte unauffällig, keine weitere Untersuchung nötig erfuhr ich am Morgen der Untersuchung durch den ärztlichen Dienst der Agentur für Arbeit. Da ich mich sowieso gut und nach dieser Meldung wunderbar fühlte, lehnte ich diese mir überflüssig erscheinende Untersuchung ab. Der seltsamen Beule auf dem rechten Unterarm schenkte ich weiter keine Beachtung. Da mußte ich mich wohl gestoßen haben, obwohl ich mich nicht daran erinnern konnte. Seltsamer Knubbel, ziemlich weh tat er auch, aber das würde sich schon legen.

Es legte sich nicht, die Beule verdoppelte sich innerhalb von drei Tagen, natürlich am Wochenende. Montags früh, am 30. Juli, war ich wieder beim Arzt, der die Beule sehr ernst nahm. Ich verbrachte drei Vormittage in der Praxis bei Untersuchungen statt zu arbeiten. Dienstags lag der erste Befund vor: Das Röntgenbild der Lunge legte einen Verdacht auf Sarkoidose nahe. Davon hatte ich noch nie gehört, die Krankheit ist auch einigermaßen selten. Trotz allem fühlte ich mich gut und ging wieder zur Arbeit. Mein Geld war knapp. Ein großer Fehler, später konnte ich das nicht mehr nachvollziehen. Nun ja, hinterher sagt sich das einfach. Innerhalb weniger Tage hatte ich alle Symptome entwickelt, nach denen sich der Arzt schon montags bei der ersten Untersuchung erkundigt hatte: Weitere Beulen an den Beinen, quälenden Husten, Mattigkeit, leichtes Fieber. Binnen kurzem waren beide Unterschenkel und auch die rückwärtigen Oberschenkel mit riesigen roten, bei der kleinsten Berührung schmerzenden und immer glühend heißen Flecken übersät. Das ist eine Entzündung des Unterhautfettgewebes, sie heißt ‘Erythema nodosum’ und später war ich fast froh darum: Nebst anderen Krankheiten begleitet sie auch die akute Erscheinungsform der Sarkoidose, die häufig von selbst ausheilt. Mein Husten wurde beim Arbeiten schlimm bis zum Brechreiz, ich hatte mir eine seltsam flache Art des Atmens angewöhnt, hatte Konzentrationsprobleme und Gedächtnisausfälle, durch manche Schicht rettete mich nur meine langjährige Berufserfahrung – diese Arbeit konnte ich auch im Halbschlaf verrichten. Und nach wie vor erholte ich mich wieder, quasi kaum daß die Kneipe hinter mir lag, allerdings nicht mehr bis zum Wohlbefinden.

Aufgrund der dennoch fühlbaren Erholung schleppte ich mich noch immer in die Kneipe. Keine Ahnung, wieso. Wie oft mußte ich für Kolleginnen mit lächerlichen ‘Krankheiten’ einspringen, da bleibt man doch nicht gleich daheim! Muß wohl eine althergebrachte Neigung zur Selbstausbeutung sein. Auch war mein Arzt in Urlaub und ich war nicht geneigt, mich von einem anderen als Simulantin abstempeln zu lassen, was bei Sarkoidosekranken häufig vorkommt – wir erinnern uns: Überempfindlichkeit, psychisch bedingt und dergleichen mehr. Ebensowenig legte ich Wert darauf, all die Untersuchungen nochmals über mich ergehen zu lassen, nur damit man mir glaubt. Ich sah zu, daß ich häufig frei hatte. Zwei Tage lang konnte ich jeweils einen Arm kaum heben bzw. erhoben halten und mußte ihn an die Wand legen, um mich anziehen zu können, dann wurde es wieder besser. Schließlich nutzten auch fünf freie Tage nichts mehr, es kam so weit, daß ich nicht mehr in die Hocke gehen und keine Treppen steigen konnte, weil meine Knie zu sehr schmerzten. Ich verbrachte aufgrund eklatanten Personalmangels tatsächlich noch sechs Stunden Montagsschicht in der Küche, während derer die vorher nur angedeutet vorhandenen Beschwerden so akut wurden, daß ich früher Feierabend machen mußte. Das war der 13. August und ich arbeitete niemals wieder in dieser Küche.

Am nächsten Morgen wollte mich der erschrockene Arzt sofort in ein Krankenhaus einweisen, um dort stationär meine Lunge genauer untersuchen zu lassen. Dieses Ansinnen hat mich wiederum dermaßen erschreckt, daß ich mir Bedenkzeit erbeten habe und mich zwei Wochen lang nicht mehr dort blicken ließ. Mit Wildfremden im Zimmer, der ständige Lärm, die Weckzeiten, keinerlei Privatsphäre, das ewige Fernsehgeflimmer (ich hasse fernsehen), keine Ernährung nach meiner Vorstellung – das erschien mir unerträglich. Und siehe, es ging mir schon nach wenigen Tagen etwas besser, namentlich, als ich montags darauf nicht in meiner üblichen, vom Waschen noch steifen Kochmontur meinen Gang in diese Küche antreten mußte. Die Erythema blieben mir noch sehr lange erhalten, das Fieber und das Erkältungsgefühl ebenfalls, die Gelenkschmerzen und der Husten verschwanden am schnellsten. Eine Lungenspiegelung, zum Glück war sie ambulant durchführbar, bestätigte die befallene Lunge. Sie ergab aber auch den Befund, daß ich offenbar zur selbstheilenden Variante gehöre. Herz, Augen und Haut mußte ich auch jeweils untersuchen lassen, sie sind nicht betroffen. Nur meine Frauenärztin konnte noch ‘vorzeitige Wechseljahre’ beisteueren, was aber mit der Sarkoidose wohl nichts zu tun hat, sondern nur die ‘Hormonstörung’ genauer umschreibt, die mich bereits seit Jahren plagt.

Ich bin sehr froh, daß ich seit mittlerweile drei Jahren nicht mehr rauche, seit Sommer 2006 mehr oder minder regelmäßig auf dem Crosstrainer kurbele, schon seit langem auf meine Ernährung achte (zur Zeit hapert es ein wenig damit, man kann nicht immer alles machen) und nie wieder in verqualmter Gastronomie arbeiten muß. Seit dem 31. August habe ich keine Kneipe, überhaupt keine Räumlichkeit mehr betreten, in der geraucht wird – abgesehen von den Erscheinungen in meiner Wohnung. Trotzdem heilt meine Lunge nicht. Mittlerweile sind alle Symptome verschwunden, die Lungenfunktion ist sehr gut – aber das Röntgenbild von November sieht noch genauso aus wie am 31. Juli, dem Tag des ersten Befundes. Der nächste Kontrolltermin ist Anfang Februar und ich hoffe doch, daß sich dann etwas getan hat. Wenn nicht, werde ich diese Wohnung aus Krankheitsgründen verlassen, in der Hoffnung, daß es hilft.
(Hierzu auch: Selbstheilung)

Sarkoidose I

Samstag, 29. Dezember 2007

Im Sommer 2007 erkrankte ich an akuter Sarkoidose. Die offenbar genetisch bedingte Krankheit wurde ausgelöst durch lange Monate mit privatem Kummer und Streß (Todesfall im November 2006), massiven Ärger im Berufsleben und dauerhafte Tätigkeit in einer Kneipenküche. Bereits im Herbst 2006 machte mir der Zigarettenqualm an meinem Arbeitsplatz zu schaffen, doch der Unglücksfall im November verhinderte die einzig richtige Reaktion: Die sofortige Kündigung. Wer hätte auch ahnen können, daß es sich hier um eine Krankheit handelte! Statt dessen ließ ich mich, keiner Gegenwehr fähig, in die Kneipenküche stecken.

Dort mußte ich zwangsläufig den Zigarettenrauch der Gäste und rauchenden Kolleginnen und Kollegen einatmen. Hinter der Theke griff die sowieso recht träge Lüftung überhaupt nicht und so zog aller Qualm in die dahinterliegende Küche zur Dunstabzugshaube. Hinzu kam zum einen das Pulver, mit dem die Geschirrspülmaschine alle paar Spülgänge zu befüllen war, und das sich in Form heißer Dämpfe im Raum verteilte, sobald ich die Maschine öffnete, um eine Ladung Geschirr zu entnehmen. Da nutzte es wenig, daß ich mich aufgrund meiner Lumbalskoliose ‘gesund’ vor das am Boden stehende Gerät hockte, statt die schweren Einsätze aus dem Kreuz heraus zu heben, wie fast alle anderen (die ich oft genug mit Ausführungen zum Thema ‘Richtig Heben’ genervt habe. :wink: Bei dieser Hebetechnik geriet immerhin mein Gesicht nicht direkt in die Schwaden, die aus der Maschine quollen.) Zum dritten sondern auch Friteusen nicht unerheblich stinkende und ätzende Substanzen ab, auch bekannt als ‘Wrasen’, wenn ich richtig informiert bin. Ich achtete darauf, die Geräte auszuschalten bzw. zumindest herunterzudrehen, so es der Betrieb irgend erlaubte, doch spätestens bei der nächtlichen Reinigung mußte ich doch wieder nah heran.

Und all das mehrmals pro Woche über Stunden hinweg, immer in Bewegung, oft genug in Hetze. Ich hielt die Tür zum Hausflur prinzipiell offen, weil die ‘Luft’ sonst völlig unerträglich war. Dabei glaubte ich mich noch begünstigt. Ich zog die Arbeit an der Theke dem Küchendienst bei weitem vor, doch einem Theker wird mit etwas Pech über Stunden hinweg der Qualm direkt ins Gesicht geblasen. Er hat keine Möglichkeit auszuweichen, denn die Theke ist sein Arbeitsplatz. In den ersten Monaten kam diese Arbeit auch meinem Kummer entgegen – ich konnte mich in der Küche verstecken und mich durch ununterbrochene Beschäftigung ablenken oder kurz im Flur weinen. Mein Erbe war nicht so umfangreich, als daß ich mir mehr als ein paar freie Tage hätte leisten können, zumal zunächst Kosten anfielen, die meine bescheidenen Lebensverhältnisse bei weitem überstiegen. Erst im Februar 2007 wechselte ich von Vollzeit auf eine geringfügigere Beschäftigung – weil ich mehr nicht mehr leisten konnte. Aufgrund des ewigen Kummers und so weiter – glaubte ich. Auch da lag es mir noch völlig fern, mich etwa für krank zu halten. Ich war froh um den gewohnten Arbeitsplatz und bildete mir sogar ein, irgendwann im Laufe des Jahres wieder ‘besser beieinander’ zu sein und wieder theken zu können. Ich war überzeugt, mich nur ein wenig schonen zu müssen, um alsbald wieder Vollzeit arbeiten zu können. Das war ein grundlegender Irrtum. (Fortsetzung)