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Sehr geehrte Wahlmuffel …

Montag, 8. Juni 2009

… und sonstige Leute, die sich mit dummen Sprüchen auf der Lippe vor dem Gang zur Urne gedrückt haben: Ihnen verdanken wir, dass nun die NPD im Stadtrat sitzt. Vielen herzlichen Dank!

Nachtrag: Obiges habe ich im Affekt in die Tastatur gehackt, sofort nachdem ich das Ergebnis der Stimmenauszählung erfahren hatte. Inzwischen hat auf 16vor Kommentator Randolph erklärt, wie eine Partei mit 1,1 Prozent der Stimmen einen Sitz erhalten kann. Daraus geht klar hervor: Die Triererinnen und Triererer1, sprich wir2, haben die NPD gar nicht gewählt. Schuld am Sitz ist die Mathematik des Sitzzuteilungsverfahrens3.

Nachtrag 2: Unpassendes Smilie entfernt. Diese Mathematik ist nicht witzig. Und: Selbstverständlich wäre dieser Mangel des Sitzzuteilungsverfahrens nicht so negativ wirksam geworden, hätten auch ein paar von den Drückebergern gewählt.




1 Klingt männlicher
2 Eben das macht die Sache peinlich
3 Hallo, wo bleibt die Rechtschreibreform? Siz Zuhteilungs Ferfarens! Ha!

Kampf der Kommentatoren II

Samstag, 30. Mai 2009

(Fortsetzung der Überlegungen einer Unwissenden) Das Vorhergehende war, wie auch Kommentare so oft, ein wenig off topic, es sollte nur zeigen, wie es um meine Politikfähigkeit bestellt ist. Nennen wir sie praxisorientiert. Leider hat mich nun die DKP-Diskussion auf 16vor.de verunsichert. Die gefühlt urplötzlichen und aggressiven Aktivitäten der NPD sind etwas, das selbst mich dazu bringt, mich mal auf einer Demo zu zeigen. Ich gehe davon aus, dass die NPD nicht in den Stadtrat einziehen wird, womöglich ist das auch eine törichte Hoffnung. Doch auch wenn sich meine Annahme als zutreffend erweist, sehe ich folgendes Problem: Nachdem die NPD nicht genügend Stimmen erhalten hat, lösen sich diese Leute nicht in Luft auf. Gescheiterte Nazis werden auch in Trier nicht recycelt, die randalieren weiter. Allerdings sind auch die Andersdenkenden nach der Wahl noch da. Die neuen Nazis und ihre Mitläufer sollen endlich mit eigenen Augen sehen, wie unglaublich viele Menschen in Trier rechtsradikale Umtriebe nicht gutheißen! Zum Picknick gehe ich vermutlich nicht, deswegen hatte ich fast schon ein schlechtes Gewissen. Und nun schreiben einige von all den Leuten, die wesentlich mehr von Politik verstehen als ich, man könne weder da noch da hingehen, weil die DKP1 auch mitmacht. Und weil der olle Verein naturgemäß gegen rechts ist, soll die ganze Demo nichts mehr taugen?

Was nun? Einzelne Grüppchen überall in der Stadt erscheinen mir nicht sinnvoll. Vielleicht bin ich bloß zu unwissend, um die DKP als zu schlimm zu empfinden? Ich nutze das Internet, verdutzt entdecke ich auf der DKP-Homepage den Link zur Seite DKP queer2. Tatsächlich ist man dort “ohne jede Einschränkung für die Beseitigung aller Diskriminierungen von Minderheiten”, übrigens garniert mit einer Menge grauslichem Gelaber und einem nicht zitierfähigen Flyer. Ich fürchte, ich nehme die DKP nicht so ganz ernst. Hoffentlich werde ich das nicht dereinst bereuen, wenn ich in der LPG “Paulinenglück” mit den Genossinnen beim Möhrenschälen übers F***en rede – oh, jetzt habe ich doch den Flyer zitiert.
Zurück zum Thema, nach dem Vorbild der 16vor-Kommentatoren nehme ich ein Gedankenspiel zu Hilfe: Ich bin eine Bäuerin und mit meinem Trecker in ein Schlammloch geraten. Eine Menge Leute kommen helfen, um das Gefährt wieder freizubekommen. Ein paar davon sind unangenehme Typen, aber wenn die auch mithelfen, geht’s besser. So sind sie immerhin dazu gut, die Karre aus dem Dreck zu ziehen.



1 Vor ein paar Tagen habe ich ein DKP-Plakat gesehen, den Text wie üblich nicht entziffern können und mich fast gewundert, dass die Partei überhaupt noch aktiv ist. Vielleicht, meinte ich im Scherz, ist das bloß eine neue, ungeschickt benannte Fete, weil die jungen Leute nicht mehr wissen, wofür das alte Akronym steht. Eine Dragon-Kill-Points – Party oder so. Schließlich versteckt sich auch hinter dem BDM nicht mehr der Bund Deutscher Mädel, dessen erklärtes Ziel es war, aus Mädchen ideale Gebärmaschinen für das staatliche Arierzuchtprogramm zu machen. Heute steht die Abkürzung für die Milchviehhalter, die derzeit um ihre Existenz kämpfen.
Nachtrag: Herr Kernbach weiß eine weitere zeitgemäße Deutung des Kürzels.
2 Wie kommen eigentlich die Queers von der Gegenseite, die homosexuellen Nazis mit sich klar? :denken:

Kampf der Kommentatoren I

Freitag, 29. Mai 2009

Auf 16vor.de ist derzeit ein Phänomen des Internet-Zeitalters zu beobachten: Wahlkampf in den Kommentaren. Politikinteressierte diskutieren schreibgestützt und energiegeladen, bisweilen glaubt man sie schimpfen und auf ihre Tastaturen einhacken zu hören. Von Politik und Geschichte habe ich wenig bis erschreckend wenig Ahnung, bereits in der Schule haben mich die beiden Fächer angeödet. Hätte Frau Merkel die langsilbige Amtsbezeichnung nicht um einen klingenden Schlusslaut erweitert, ich würde einschlägige Testfragen womöglich mit Kohl! beantworten. Sechzehn Jahre Helmut, das prägt. Solche Unkenntnis ist nicht lebensgefährlich, aber peinlich, doch alle ernsthaften Versuche, mir entsprechende Kenntnisse anzueignen, haben stets mit Gähnkrämpfen und Desinteresse geendet.

Immerhin hat dem Gymnasium, das mir trotz allem ein Abitur mit auf den Weg gegeben hat, sehr am Herzen gelegen, seine Schülerinnen über die Weimarer Republik und das sich anschließende Regime zu informieren. Uns wurde umfassend erklärt, wie das alles gekommen ist und worin es geendet hat. Um Faszination und Widerlichkeit des Nazitums zu erkennen, muss mensch keine Zahlen auswendig lernen, wohl deshalb habe ich davon ohne zu pauken mehr verstanden als sonst bei krampfhaften Eintrichterungsversuchen.

Ich betrachte mein Wissen als gering, aber ausreichend, schließlich will ich keine Ortsvorsteherin werden. Auch anderweitige politische Aktivitäten liegen mir eher fern, ich bin gegen Rechtsradikale und Autonome und die Institution Kirche, ein Pendel würde mich wohl irgendwo links der Mitte orten, hauptsächlich aber bin ich Individualistin. Mit meiner bescheidenen Meinung halte ich nicht hinterm Berg und habe auch schon einen jungen Mann mit Glatze, aufgekrempelten gebleichten Jeans über Springerstiefeln und Hosenträgern überm T-Shirt nach seiner politischen Einstellung gefragt. Damals war ich Gastwirtin der Kneipe Schwach & Sinn. Der verdächtige Gast zeigte mir extrem genervt den winzigen ‘Nazis raus!’ – Button an der Jeansjacke, den ich als schon damals stark Sehbehinderte nicht hatte erkennen können, der Oi-Skin war fortan wenig freundlich. Ich musste darüber lächeln, aber was für ein Depp, in einschlägigem Nazi-Outfit in eine einstmals berüchtigt linksgerichtete Kneipe zu marschieren und sich dann dermaßen über die zu erwartende Frage aufzuregen. Freuen hätte er sich sollen, dass jemand überhaupt auf die Idee kommt und den Mumm dazu hat, schließlich stand ich in dem Moment ganz alleine da. (Fortsetzung folgt)

Die Alliteration der Woche

Donnerstag, 4. September 2008

Die Zeitungslieferung war gestern so mächtig, dass ich zweimal mit der Sackkarre durch die Straßen ziehen musste. Sie wissen ja, der Herbst naht (noch sind alle Handbeilagen bescheiden dünn). Während beider Touren hat es ununterbrochen geregnet, doch Torlos, trostlos, trainerlos klagt die mittwöchige Schlagzeile, mir ging unter den Regenklamotten das Herz auf. Ansonsten steht die Titelseite zwar eher unvermeidlich, aber trotzdem auffallend im Zeichen des ‘T’: Trier-Galerie eröffnet, 2. Trierer Oktoberfest, Tickets beim Wochenspiegel, Anne Frank im Theather: “Das Tagebuch”, Tageswanderer sind herzlich willkommen. Lediglich Unbekannte zündelten in Heiligkreuz fällt aus der Reihe, vermutlich hat es in Tarforst gebrannt.

Die Rathaus-Zeitung ist mir ebenfalls untergekommen. Mit Politik und Geschichte konnten mich schon während der Schulzeit die Lehrer entsetzlich anöden, ich malte im Unterricht unter Gähnkrämpfen und maßloser Verschwendung von Tinte mit einem Ziehfüller stapelweise Bilder, deshalb habe ich heute so massenhaft viele Wissenslücken, dass sie bei der kleinsten Erschütterung zu einer Anomalie in Raum und Zeit zusammenstürzen und sich ins nächstgelegene Kontinuum erbrechen würden. Um also zu vermeiden, dass ein schwarzes Loch meine Wahlheimat und nebenher den größeren Teil unseres Sonnensystems verschlingt und Nachbars gute Stube damit beschmutzt, schweige ich mich zu dieser Thematik meistens aus.

Nebst der erbaulichen Meinung der grünen Fraktion (den Rest ignoriere ich dreist) erfuhr ich, es werde kein Gehölz-Kataster im Internet geben. Schade! Hatte die Stadt Probleme, die geeignete Software für eine benutzerfreundliche Präsentation der Daten zu finden? Neugierig las ich nach und erfuhr, für ein richtiges Kataster müsse zuerst einmal der Ist-Zustand erfasst werden. Ja wie nun – es gibt gar keins?! Eine ehemalige Kollegin aus dem Gala-Bau saß in Saarbrücken bereits in den 90er Jahren am städtischen Baumkataster, todunglücklich übrigens, weil sie lieber bei den Baumchirurgen gearbeitet hätte, als am Computer zu sitzen. Trier, Trier …