Artikel-Schlagworte: „Sarkoidose“

Mericomb 0.5 mg

Mittwoch, 7. Juli 2010

Anfang Mai habe ich einen neuerlichen Sarkoidose-Schub befürchtet, die Röntgenaufnahme vom 18. Mai sprach allerdings dagegen. Bevor die Symptome sich so stark verschlimmert haben, hatte ich bereits an einen Östrogen-Überschuss gedacht und einen Termin beim Frauenarzt vereinbart – vielleicht vertrug ich das Hormonersatzpräparat1 nicht mehr (Mericomb 1 mg). Leider musste ich auf diesen Termin drei Monate warten, bis gestern nämlich (06. Juli).

Akut war meine Missbefindlichkeit aber bereits im Mai, und eine Bitte um Vorziehen des Termin hätte doch wieder Tage gedauert, dann Blutwerte und Warten auf’s Laborergebnis … nein. Nachdem die Sarkoidose ausgeschlossen war, habe ich umgehend die Mericomb-Dosis halbiert. Jeden Abend zersäbelte ich eine Tablette und nahm nur eine Hälfte ein. Binnen einer Woche ging es mir wieder gut – was bei mir eben “gut” heißt. Prächtig, gegenüber vorher.

Bereits vor Senkung der Dosis war erstmals seit der Einnahme von Mericomb die leidige Frauerei vollständig ausgefallen. Nun tagt sie schon wieder, wo es mich doch erst vor kurzem so umgehauen hat. Alles durcheinander, aber das war zu erwarten. Die Frauenärztin hat sich über meine Selbsthilfe überhaupt nicht gewundert. Sie meinte dazu nur, ich solle bei dieser Dosierung bleiben. Könne sein, dass die Eierstöcke vorübergehend wieder aktiv geworden seien. Igitt? :^^:

  1. Gegen vorzeitige Wechseljahre []

Memo: Entwicklung von Symptomen – akute Sarkoidose im Anmarsch?

Dienstag, 11. Mai 2010

[Vorgeschichte: Akute Sarkoidose im Juli 2007 vom Hausarzt diagnostiziert, ohne Medikation ausgeheilt nach Aufgabe der Stelle als Gastwirtin im Kneipenkollektiv. Befund "geheilt" im Februar 2008.]
Februar 2010: Untersuchung beim Lungenfacharzt, alles in Ordnung. Muss erstmals erst in zwölf statt in sechs Monaten wiederkommen
Mitte März: Nehme Vollzeitstelle als Küchenhilfe an. Bin dort schon seit Ende Oktober 2009 Minijob-Spülhilfe. Hatte den Lungenfacharzt bei der ersten Stelle als Spülhilfe gefragt, ob mir die Spüldämpfe und verqualmten Personalräume dort schaden könnten. Nein, meinte der Arzt, auf Dauer schade das Spülen allenfalls den Bronchien. Habe trotzdem wegen Dauerkopfweh kündigen müssen, nach fünf Monaten (Dez 2008 – April 2009).
Ende März: Empfinde die Vollzeit zunehmend als superb anstrengend. Die Hiobsbotschaft von Mohicains Sturz schockiert mich nachhaltig. Bitte den Chef erst um Reduzierung der Wochenstunden. Dann um Rückkehr zur Spüle statt Küchenarbeit, als ich erkenne, dass ich diese Aufgabe nicht bewältigen kann. (Die Samstage sind extrem stressig, da kann ich zu meinem eigenen Schrecken nicht mithalten.) Beides wird mir umgehend gewährt. Halte das Versagen im Stress nicht für Krankheit.
Mitte April: Habe das Gefühl, eben im letzten Moment die Notbremse gezogen zu haben. Fühle mich allmählich etwas besser, arbeite ganz langsam – weil ich oft alleine an der Spüle stehe, wegen Personalmangel. Denke mir: Muss mich nicht entleiben, wenn ich die Arbeit für zwei zu bewältigen habe.
Anfang Mai: Es wäre dumm, sich zu entleiben, denn dann gibt es nie wieder Hilfe. Das war meine Ausrede vor mir selbst, denn auf einmal wird mir klar, dass ich gar nicht mehr schneller arbeiten kann. Merkwürdiges Gefühl. Bin ich angeschlagener als gedacht? Aber ich bin doch fit, stemme problemlos Lasten, laufe mühelos Treppen, halte 9 Stunden Schicht durch und gehe danach noch im Sturmschritt einkaufen …
So, 09. Mai: Bekomme drei Ladungen Passivrauch ab – Schwaden ziehen in die Frauenumkleide, die ich gerade reinige, vor der Küche rauchen trotz meiner wiederholten Bitten zweimal kurz hintereinander die Lehrlinge. Danach haben sie ein Einsehen und gehen ins Freie, trotzdem die ganze Schicht über Kopfweh. Huste etwas. Dort qualmen öfter mal Leute (die sich vor dem Chef verstecken), es stinkt, hat mir bisher aber noch nie so geschadet. Habe aufgrund meiner Krankheitsgeschichte immer wieder gebeten, dort nicht zu rauchen.
Mo, 10. Mai: Der Husten ist wieder da. Lunge fühlt sich seltsam an, wie innen roh. Ist irgendwie eingeklemmt. Bin erschöpft, wie gerädert beim Beginn einer Grippe. Sieben Stunden Spülschicht, anfangs fällt es mir schwer. Doch es ist nicht so viel Betrieb und niemand raucht vor der Küche, nach dem Arbeiten geht es mir ganz gut. Daheim hänge ich etwas schwächlich/ratlos herum.
Di, 11. Mai: Morgens o.k., Termin beim Hausarzt Montag um acht. Nachmittags gemütlich mit Mohicain einkaufen. Danach stärkerer Druck auf die Lunge. Etwas Kopfweh. Wieder Gefühl wie vor schwerer Grippe: Augen verquollen, Hals scheint anzuschwillen, Gelenke schwach/schmerzen etwas, Knochen nicht in Ordnung. Bewegung im Freien tut immer gut, gehe in strömendem Regen zum Nebenjob. Die Luft ist sehr angenehm, doch ich bekomme nicht genug davon. Keuche nach zwei Stockwerken, Atemnot, etwas gaga im Kopf. Sage die Bodenpflege ab und gehe nach Hause. 37,2 Grad Fieber, obwohl ich nichts davon bemerke und nur zur Überprüfung gemessen habe. Man sieht mir nichts davon an.
Ich kann diesen Beitrag tippen, ohne Pause. Erythema nodosum fehlt. Lymphknoten nicht geschwollen.

Telegramm: Arztgänge

Dienstag, 25. August 2009

Gestern nach Olewig marschiert, das neue Thyronajod-Rezept abholen. Dosierung bleibt gleich. Auf dem Rückweg die Kleingartenanlage bewundernd durchwandert. Heute um zehn vor acht beim Lungenfacharzt eingetroffen, sechs Leute vor mir an der Anmeldung. :gucker: Lunge in Ordnung. Seit der letzten Kontrolle im Februar neun Kilo zugenommen.

Ärzte, diverse

Dienstag, 24. März 2009

Beim Urologen wegen der Steine zur Kontrolluntersuchung mit Ultraschall gewesen. Erst ausgehfertig realisiert, dass mir derzeit die Frauerei innewohnt. Bin’s nicht mehr gewohnt, hab’s irgendwie vergessen. Vermutlich würde doch auch mein Urin auf Blut untersucht werden? Nun hab’ ich mir den Tag freigehalten, bin um sieben Uhr morgens aufgestanden … also nix wie hin!

Die Frau am Empfangstresen meinte, mit Tampon müsste das wohl vernachlässigbar sein. Der Arzt sagte dann allerdings, nee, da ist Blut “aus der Gynäkologie” drin. Auf meine beschämte Entschuldigung antwortete er: “Wissen Sie, was mein Sternzeichen ist? Esel! Kein Mensch ist perfekt.” Hehe. Zur Strafe zeigte der Ultraschall dann einen Stein. Bei der Gelegenheit bin ich gerade noch zum Augenarzt gegangen – das Auge tränt noch immer. Werde ihm Zinktropfen und ein homöopathisches Mittel gönnen, die Krankenkasse zahlt mal wieder nichts davon.

Auf dem rechten Handgelenk ist mir quasi über Nacht ein merkwürdiger Knubbel gewachsen. Nach zwei Ärzten ist mir ein dritter denn doch zu viel, werde das Ding erst mal beobachten. Die Sarkoidose hat sich genau so angekündigt: Mit einer merkwürdigen Beule auf dem linken Unterarm. Das Handgelenk als Ort der Entstehung könnte allerdings auch auf Überanstrengung durch Spülschicht plus exzessives Tippen hindeuten.

Nachtrag: Habe beschlossen, mir ein Ganglion zu diagnostizieren.

Wieder da: Spülschichtkopfweh

Montag, 23. März 2009

Leider hat mich das Spülschichtkopfweh wieder. Nach zwei bis auf vernachlässigbar kurze Schübe unbelasteten Wochen ist es seit letzten Mittwoch wieder da, seit Freitag massiv. Heute glaubte ich, im Hof eine Geruchshalluzionation zu haben, ich schob den schweren Topfwagen durch Qualmgestank zur Küche. Dabei saßen dort gar keine Gäste. Später hat sich das aufgeklärt: Unter der Galerie sitzt das Personal zur Rauchpause. Kein Wunder, dass mein Schädel noch immer brummt, Qualm beim Ankommen, Qualm in jeder Pause, Qualm beim Reinigen der Personalräume, Qualm zu Feierabend und jetzt auch noch Qualm im Hof. Plus die Spülküchen- und die echten Küchendünste. Eigentlich erstaunlich, dass es mir zwei Wochen ganz gut ging. Oder wie gut ich verdrängen kann, dass ich so eigentlich nicht arbeiten sollte.

Abends habe ich inzwischen wieder ganz leichtes Fieber. Beim Arbeiten bin ich manchmal seltsam schwerfällig und kann mir die einfachsten Dinge nicht merken. Ich fürchte, meine Kolleginnen und Kollegen halten mich für eine begriffsstutzige lahme Ente. Dazu das Kopfweh, das sich daheim wieder legt, neuerdings aber erst tags darauf. All das erinnert mich irgendwie an die Zeit in der Kneipenküche, bevor die Sarkoidose akut geworden ist, aber es ist so diffus, niemand glaubt mir so recht … was für diese Krankheit eigentlich typisch ist. Bilde ich mir das alles nur ein? Ist es psychsich bedingt? Werde ich schlicht und einfach alt? Dieselben Fragen wie damals. Der Lungenfacharzt verneint, dass die Arbeit als Spülhilfe Sarkoidose auslösen kann. Vielleicht habe ich ihm nicht genug Informationen geliefert? Kommt mir vor, wie an Gottes Wort zu zweifeln.

Rauchfreier Arbeitsplatz?

Donnerstag, 19. März 2009

Vor der Spülküche, in der ich Teller staple und Töpfe reinige, liegt ein Hof, wenn dort auch nur ein einziger Mensch raucht, rieche ich das vor der Tür. Dieser Tage wird der Hof mit Tischen möbliert, laut meiner Kolleginnen und Kollegen bis auf den letzten Quadratmeter. Außengastronomie mit Raucherlaubnis. Im Laufe einer Schicht pendle ich oft zwischen Spülküche und der eigentlichen Küche, um all das gespülte Geschirr und Besteck sauber zu verorten oder aber zum Spülen abzuholen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein vollbesetzter Hof keine Qualmbelastung darstellen soll, wie alle behaupten, weil das da gut abzieht. Mich packt vielmehr das kalte Grausen bei der Vorstellung, die Sarkoidose könnte wieder akut werden. Bis auf den Kummer sind alle Auslöser des ersten Akutwerdens vorhanden, bisher allerdings in wesentlich geringerer Konzentration als am damaligen Arbeitsplatz. Ich werde also abwarten, was auf mich zukommt.
Mit einem bedingungslosem Grundeinkommen müsste ich nicht meine Gesundheit zum Prüfstein machen.

Trübe Aussichten

Freitag, 6. Februar 2009

Gerade auf hunderttausend.de in den Wohnungsanzeigen entdeckt: Besonders schön ist (…) unsere super Dachterrasse, auf der man sonnig frühstücken oder entspannt zusammen grillen kann. Rauchen (falls gewünscht) kannst Du auf der Terrasse. Zur Anzeige gehört ein Foto. Und was, glauben Sie, zeigt das Foto? Genau: Den Nachbarbalkon von Altgruftipunks Kniestockwohnung, nächstgelegene und intensivste der zahlreichen Quellen sommerlichen Gestankes.

Die große Stadt stinkt schrieb einst Bummi1 nach Hause, vielleicht war es auch Heidi. Damals habe ich das nicht verstanden, heute frage ich mich, ob ich reif für die Insel bin. Wer graust sich denn schon im Februar vor dem Sommer, bloß wegen im Voraus erahnter Stinkattacken? Andererseits arbeite ich neuerdings nicht nur hustend, sondern auch mit Kopfweh, der verqualmte Personalraum lässt sich leider nicht meiden. Und kaum waren es mal neun Grad plus, schon beschallte jemand bei offenen Fenstern das Viertel. So gesehen ist es kein Wunder, dass mich Nachbars Anzeige nicht gerade aufmuntert. Lärm und Gestank macht die Frau krank.

Heute abend habe ich ernsthaft erwogen, mich für einige Zeit in einer abgelegenen Hütte einzuquartieren. Mohicain sagte mir spontan seine motorisierte Unterstützung zu. Fehlt nur noch die Hütte.




1 Martha Schlinkert: Man nennt mich Bummi, erster Band einer zehnbändigen Reihe. Literarisch offenbar zweifelhaft, keine Ahnung: Als Kind hatte ich meine zwei oder drei Bummi-Bücher gern.

Sarkoidose und Spülküche

Mittwoch, 4. Februar 2009

Nein, sagte der Lungenfacharzt, die Arbeit als Spülerin ruft die Sarkoidose nicht auf den Plan. Die ist nur schlecht für die Bronchien und daher aus der langfristigen Berufsplanung zu streichen. Nach diversen Tests, zum Teil mit Pieksern zwecks Blutentnahme verbunden, wurde ich als funktionstüchtig entlassen. Um heute früh beim nächsten Arzt einen großen Becher in Wasser aufgelösten Milchzucker zu trinken und innerhalb von drei Stunden sechsmal in den Finger gepiekst zu werden, zwecks Blutentnahme.

Ich jetzt Sieb. Dauernd entfallen mir Dinge. Was?

Die Sarkoidose war’s nicht

Montag, 4. August 2008

Bei schwülen fünfzehn Grad – in Trier ist das möglich – bin ich zum Lungenfacharzt gewandert. Bereits um neun Uhr hatte ich alle Tests und das Röntgen hinter mir und wusste, dass meine Lunge nach wie vor fit und gesund ist, die Sarkoidose ist also nicht für die seltsame Krankheit von letztem Montag verantwortlich. Die nächste Kontrolltuntersuchung ist im Februar 2009, mehr zum Bluttest von letzten Dienstag gibt es morgen.
Auf dem Heimweg war die Weberbach von Heerscharen zielstrebig marschierender Schulkinder mit Beschlag belegt, fünfreihig vom einen Ende bis zum anderen. Aber kein Typ mit Flöte weit und breit.

Gestern hatte ich ein merkwürdiges Problem mit dem linken Auge, plötzlich konnte ich nicht mehr lesen. Das kommt schon mal vor, meist klemme ich mir dann ein Stück Pappe vors rechte Auge und lese so weiter, bis es wieder stereo geht. Diesmal war aber das linke Auge betroffen, ich konnte Bereiche von Wörtern einfach nicht wahrnehmen, mir wurde ganz schwindlig davon. Ähnlich, als hätte ich in eine zu helle Lichtquelle geschaut, hatte ich aber nicht. Lesen Ende. Das Nachbild der nicht vorhandenen Lichtquelle war ein langer schmaler Riegel, der mir mit geschlossenem Auge leuchtend helle Quadrate mit Mustern außerirdischer Geometrie gezeigt hat. Außerirdisch, weil ich sie sah, aber nicht beschreiben konnte. Die Erscheinung kam mir außerdem vor wie eine Reihe von Sensoren. Aliens in meiner Optik. Daher sieht man nie welche, die kommen von innen!

Wir sind dann zum Garten gefahren, den Mohicain vor kurzem gepachtet hat und in dem ich mein landschaftsgärtnerisches Wissen neu entdecke, daher auch die vielen Zecken (Stand: 25). Dort war mir noch kurz mulmig, ich brauchte eine Pause und trank einen Espresso, welche Leidenschaft sich beim Anblick eines Gasherdes mit Espressokanne regeneriert hat. Über’m experimentellen Johannisbeer – Verjüngungsschnitt bin ich vollends munter geworden. Die Sträucher wirkten danach eher verdutzt.

Glück ist schwarz

Freitag, 14. März 2008

Nach der Geschichte mit dem Espresso ging es mir noch ein, zwei Tage lang nicht besonders gut. Seitdem ist es so, dass ich frühmorgens relativ munter aufwache, bis zum Wiedereinschlafen eine Stunde oder länger wachliege, und dann gegen zehn Uhr müde und wie gerädert aufstehe. Jedes Mal denke ich, pah, stehe ich halt auf und steige auf den Crosstrainer. Heute habe ich das tatsächlich getan und war um viertel nach sechs am Kurbeln. Vor dem Blechfenster wurde es zögernd so hell, wie dieser graue Tag zu werden gedachte und niemand hat gequalmt. Von einem Minitraining mit 2 km abgesehen war das mein erstes im März. :schiefguck: Ist mir erstaunlich leichtgefallen und nach der Dusche fühlte ich mich wie immer super. Könnte ich öfter machen …

Um viertel nach acht rief die Agentur für Arbeit an. Ich habe Ende März einen Termin beim ärztlichen Dienst, der soll klarstellen, was ich denn nun arbeiten darf. Die zuständige Frau hat Erfahrung mit Sarkoidose-Patienten, von daher finde ich das ganz gut. Vielleicht kann sie mir auch sagen, warum ich so eklig wabbelig geworden bin und ob das jemals wieder weggeht. Bloß soll der Termin ausgerechnet mittwochs sein, an meinem Zeitungstag, um acht Uhr. Ich hatte per E-Mail um eine Verschiebung gebeten, nun kam der Rückruf: Das geht nur mittwochs. Hmpf. Ich werde also meiner Vermieterin Bescheid sagen, dass ich nicht etwa verschlafen habe und die Pakete erst danach wegräumen kann. Hoffentlich regnet es an diesem Tag ausnahmsweise mal nicht, bis ich wieder daheim bin!

Gegen neun kam der Schornsteinfeger. Meine Vermieterin hatte schon angekündigt, das sei jetzt der Sohn. Nicht dass ich den Vater als alt wahrgenommen hätte. Der war so einer, dem man das Glückbringen auch wirklich geglaubt hat. :wink: Sein Nachfolger ist sogar noch sympathischer! Der bringt bestimmt ‘ne Menge Glück, hoffentlich hat er noch nicht zu viele Hände geschüttelt heute. Und was für schöne Arbeitskleidung die immer tragen! Kohlrabenschwarz und so. Über dem Anblick ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass ich in meine ebenfalls kohlrabenschwarze Kochkluft mit Sicherheit nicht mehr hineinpasse. Nicht, dass ich sie unbedingt gern wieder tragen würde, aber der Gedanke war mir mächtig unangenehm. Mein lieber Crosstrainer, dein süßes Leben ist vorbei! Der Crosstrainer ist übrigens schwarz-silbern …

Der Schornsteinfeger tat allerlei geheimnisvolle Dinge mit merkwürdigen Geräten, wie diese Leute das nun mal tun, und stieg auch in den Spritzboden über meiner Wohnung, durch den drei Kamine ragen, wie das bei alten Häusern nun mal so ist. Meine Heizung ward für gut befunden (ich war stolz, als sei das meine Leistung) und ich durfte ihn noch in Mohicains Bude mit den Gasöfchen begleiten. Dann war er fertig. In meinem Elternhaus, dem mit den Ölöfen, hat der Schornsteinfeger ab und zu noch eine schwere Metallkugel den Kamin heruntergelassen, und immer hing sie in einem Knick des von den Eltern der Vorbesitzer selbst gemauerten Schachtes kurz fest. Ist ein ziemliches Gerumpel, so ein Ding im Kamin. Hier durch die Klappe in meinem Flur würde es gar nicht durchpassen. Dort rauscht jetzt die Heizung, während ich warte, wie das Glück denn nun aussieht. Kommt das noch am selben Tag oder wie war das nochmal? :denken:

Selbstheilung

Freitag, 8. Februar 2008

Entwarnung für alle, die über meine etwas verspätet veröffentlichte Fortsetzung der Berichtes Sarkoidose I erschrocken sind: Soeben komme ich vom Lungenfacharzt, die Kontrolluntersuchung konnte keine Blutsenkung mehr feststellen und auf dem Röntgenbild zeigt sich der Rückgang aller Symptome so deutlich, daß sogar ich ihn erkennen konnte. Mein Körper hat sich selbst geheilt!

Natürlich halte ich mir meine Maßnahmen zugute, meine vierjährige Rauchphase habe ich vor drei Jahren beendet, mindestens einmal pro Woche, meistens häufiger kurbele ich auf dem Crosstrainer zwischen zwei weit geöffneten Fenstern. Ernährungstechnisch lebe ich eher gesund (bzw. komme ich immer wieder darauf zurück :megagrin: ) und habe seit August 2007 jede Quelle von Zigarettenrauch und sonstigen ‘inhalativen Irritantien’ gemieden, was Kneipen oder auch Freiluftveranstaltungen betrifft und mir anfangs sehr schwergefallen ist. Hier in der Wohnung war es nicht immer durchführbar, man kann es im Blog nachlesen – was bin ich froh, daß mir die ständigen Gestankinvasionen offenbar nicht geschadet haben!

Ich schreibe, ich sei froh, doch eigentlich bin ich gar nicht sonderlich glücklich oder aufgeregt. Eher benommen. Nach all den Monaten mit der Krankheit im Nacken, von der ich nach Abklingen der akuten Symptome nichts bemerkt habe, muß die Information erst in mich einsickern. Nach all den Angst- und Wutausbrüchen, sobald mich jemand zwang, seinen Qualm (Grillgestank, Autoabgase, Kaminbrand, Desinfektionsmittel, …) zu inhalieren, muß ich das Leben ohne Dauerwarnzustand erst wieder erlernen. Ich konnte ebensowenig wissen, daß diese Partikelwolken die akute Sarkoidose nicht wieder auf den Plan rufen, wie ich letzten Sommer hatte wissen können, daß die Arbeit in der Kneipenküche sie so schlagartig und in derart extremer Ausprägung ausbrechen lassen würde.

Trotzdem steht ein Sekt kalt. :smile:

Sarkoidose II

Freitag, 8. Februar 2008

(Fortsetzung von Sarkoidose I) Ein paar Monate weniger arbeiten, den Kummer bewältigen, den Streß reduzieren – so glaubte ich mich wieder auf den Damm bringen zu können. Schließlich war ich schon seit über zwei Jahren Nichtraucherin und hatte zuvor kaum Probleme gehabt mit dem Qualm, ebensowenig wie in meinen rauchfreien Jahren vor der etwa vierjährigen Rauchphase. Ich war ja nur so schnell müde und bekam vom Qualm Kopfweh und Husten. Ich brauchte nach meinen traditionellen Abendschichten am Montag und am Dienstag auf einmal den ganzen Mittwoch, um mich zu erholen. Statt ausgeschlafen und unternehmungslustig aufzuwachen, schlief ich extrem lange, schleppte mich dann kraftlos mit Kopfschmerzen in der Wohnung herum, lag oft bereits nachmittags im Sessel, dachte häufig, eine Erkältung sei im Anmarsch, hatte leichtes Fieber. Ich ging früh zu Bett, aber donnerstags fühlte ich mich wie neugeboren, war aktiv und munter. Also konnte das doch nichts ernstes sein? Manchmal glaubte ich fast, ich bilde mir die Beschwerden ein. Bis zur nächsten Schicht. Bisweilen hatte ich mehrere Tage frei, dann war der erste Abend in der Küche ganz besonders unerträglich, am zweiten Tag ging es besser, am dritten und meistens auch am vierten hatte ich frei und konnte mich erholen. So hangelte ich mich von freiem Tag zu freiem Tag durch die Monate, trug lange am Kummer, da dem ersten Todesfall weitere folgten. Beruflich war ebenfalls keine Entspannung in Sicht, was zum einen am Berufszweig lag, zum anderen an der durch vier Vollzeitkräfte finanziell völlig überforderten veralteten Kneipenstruktur. Schichtarbeit in der Gastronomie läßt für Kommunikation wenig Zeit, und so kann man nach elf Jahren durchaus unvermittelt feststellen, daß das Kollektiv gar keins mehr ist, Tag und Abend einander verkennen und Zusammenarbeit nicht Zusammenhalt bedeuten muß.

Mich kostete die Umstrukturierung der Kneipe (von der Mitwirkung daran hielten mich besagte private Probleme ab) den sozialversicherten Arbeitsplatz. Selbst dann glaubte ich noch, dort eventuell einmal im unteren Gleitzonenbereich weiterarbeiten zu können. Trotz allen Geredes von ‘Überempfindlichkeit’ und ‘psychisch bedingt’, mit dem Kolleginnen, Kollegen und Gäste meinen Zustand zu kommentieren pflegten, war mir derselbe schließlich selbst nicht mehr geheuer und ich suchte Anfang Juli einen Arzt auf. Lungenfunktion hervorragend, Blutwerte unauffällig, keine weitere Untersuchung nötig erfuhr ich am Morgen der Untersuchung durch den ärztlichen Dienst der Agentur für Arbeit. Da ich mich sowieso gut und nach dieser Meldung wunderbar fühlte, lehnte ich diese mir überflüssig erscheinende Untersuchung ab. Der seltsamen Beule auf dem rechten Unterarm schenkte ich weiter keine Beachtung. Da mußte ich mich wohl gestoßen haben, obwohl ich mich nicht daran erinnern konnte. Seltsamer Knubbel, ziemlich weh tat er auch, aber das würde sich schon legen.

Es legte sich nicht, die Beule verdoppelte sich innerhalb von drei Tagen, natürlich am Wochenende. Montags früh, am 30. Juli, war ich wieder beim Arzt, der die Beule sehr ernst nahm. Ich verbrachte drei Vormittage in der Praxis bei Untersuchungen statt zu arbeiten. Dienstags lag der erste Befund vor: Das Röntgenbild der Lunge legte einen Verdacht auf Sarkoidose nahe. Davon hatte ich noch nie gehört, die Krankheit ist auch einigermaßen selten. Trotz allem fühlte ich mich gut und ging wieder zur Arbeit. Mein Geld war knapp. Ein großer Fehler, später konnte ich das nicht mehr nachvollziehen. Nun ja, hinterher sagt sich das einfach. Innerhalb weniger Tage hatte ich alle Symptome entwickelt, nach denen sich der Arzt schon montags bei der ersten Untersuchung erkundigt hatte: Weitere Beulen an den Beinen, quälenden Husten, Mattigkeit, leichtes Fieber. Binnen kurzem waren beide Unterschenkel und auch die rückwärtigen Oberschenkel mit riesigen roten, bei der kleinsten Berührung schmerzenden und immer glühend heißen Flecken übersät. Das ist eine Entzündung des Unterhautfettgewebes, sie heißt ‘Erythema nodosum’ und später war ich fast froh darum: Nebst anderen Krankheiten begleitet sie auch die akute Erscheinungsform der Sarkoidose, die häufig von selbst ausheilt. Mein Husten wurde beim Arbeiten schlimm bis zum Brechreiz, ich hatte mir eine seltsam flache Art des Atmens angewöhnt, hatte Konzentrationsprobleme und Gedächtnisausfälle, durch manche Schicht rettete mich nur meine langjährige Berufserfahrung – diese Arbeit konnte ich auch im Halbschlaf verrichten. Und nach wie vor erholte ich mich wieder, quasi kaum daß die Kneipe hinter mir lag, allerdings nicht mehr bis zum Wohlbefinden.

Aufgrund der dennoch fühlbaren Erholung schleppte ich mich noch immer in die Kneipe. Keine Ahnung, wieso. Wie oft mußte ich für Kolleginnen mit lächerlichen ‘Krankheiten’ einspringen, da bleibt man doch nicht gleich daheim! Muß wohl eine althergebrachte Neigung zur Selbstausbeutung sein. Auch war mein Arzt in Urlaub und ich war nicht geneigt, mich von einem anderen als Simulantin abstempeln zu lassen, was bei Sarkoidosekranken häufig vorkommt – wir erinnern uns: Überempfindlichkeit, psychisch bedingt und dergleichen mehr. Ebensowenig legte ich Wert darauf, all die Untersuchungen nochmals über mich ergehen zu lassen, nur damit man mir glaubt. Ich sah zu, daß ich häufig frei hatte. Zwei Tage lang konnte ich jeweils einen Arm kaum heben bzw. erhoben halten und mußte ihn an die Wand legen, um mich anziehen zu können, dann wurde es wieder besser. Schließlich nutzten auch fünf freie Tage nichts mehr, es kam so weit, daß ich nicht mehr in die Hocke gehen und keine Treppen steigen konnte, weil meine Knie zu sehr schmerzten. Ich verbrachte aufgrund eklatanten Personalmangels tatsächlich noch sechs Stunden Montagsschicht in der Küche, während derer die vorher nur angedeutet vorhandenen Beschwerden so akut wurden, daß ich früher Feierabend machen mußte. Das war der 13. August und ich arbeitete niemals wieder in dieser Küche.

Am nächsten Morgen wollte mich der erschrockene Arzt sofort in ein Krankenhaus einweisen, um dort stationär meine Lunge genauer untersuchen zu lassen. Dieses Ansinnen hat mich wiederum dermaßen erschreckt, daß ich mir Bedenkzeit erbeten habe und mich zwei Wochen lang nicht mehr dort blicken ließ. Mit Wildfremden im Zimmer, der ständige Lärm, die Weckzeiten, keinerlei Privatsphäre, das ewige Fernsehgeflimmer (ich hasse fernsehen), keine Ernährung nach meiner Vorstellung – das erschien mir unerträglich. Und siehe, es ging mir schon nach wenigen Tagen etwas besser, namentlich, als ich montags darauf nicht in meiner üblichen, vom Waschen noch steifen Kochmontur meinen Gang in diese Küche antreten mußte. Die Erythema blieben mir noch sehr lange erhalten, das Fieber und das Erkältungsgefühl ebenfalls, die Gelenkschmerzen und der Husten verschwanden am schnellsten. Eine Lungenspiegelung, zum Glück war sie ambulant durchführbar, bestätigte die befallene Lunge. Sie ergab aber auch den Befund, daß ich offenbar zur selbstheilenden Variante gehöre. Herz, Augen und Haut mußte ich auch jeweils untersuchen lassen, sie sind nicht betroffen. Nur meine Frauenärztin konnte noch ‘vorzeitige Wechseljahre’ beisteueren, was aber mit der Sarkoidose wohl nichts zu tun hat, sondern nur die ‘Hormonstörung’ genauer umschreibt, die mich bereits seit Jahren plagt.

Ich bin sehr froh, daß ich seit mittlerweile drei Jahren nicht mehr rauche, seit Sommer 2006 mehr oder minder regelmäßig auf dem Crosstrainer kurbele, schon seit langem auf meine Ernährung achte (zur Zeit hapert es ein wenig damit, man kann nicht immer alles machen) und nie wieder in verqualmter Gastronomie arbeiten muß. Seit dem 31. August habe ich keine Kneipe, überhaupt keine Räumlichkeit mehr betreten, in der geraucht wird – abgesehen von den Erscheinungen in meiner Wohnung. Trotzdem heilt meine Lunge nicht. Mittlerweile sind alle Symptome verschwunden, die Lungenfunktion ist sehr gut – aber das Röntgenbild von November sieht noch genauso aus wie am 31. Juli, dem Tag des ersten Befundes. Der nächste Kontrolltermin ist Anfang Februar und ich hoffe doch, daß sich dann etwas getan hat. Wenn nicht, werde ich diese Wohnung aus Krankheitsgründen verlassen, in der Hoffnung, daß es hilft.
(Hierzu auch: Selbstheilung)

Sarkoidose I

Samstag, 29. Dezember 2007

Im Sommer 2007 erkrankte ich an akuter Sarkoidose. Die offenbar genetisch bedingte Krankheit wurde ausgelöst durch lange Monate mit privatem Kummer und Streß (Todesfall im November 2006), massiven Ärger im Berufsleben und dauerhafte Tätigkeit in einer Kneipenküche. Bereits im Herbst 2006 machte mir der Zigarettenqualm an meinem Arbeitsplatz zu schaffen, doch der Unglücksfall im November verhinderte die einzig richtige Reaktion: Die sofortige Kündigung. Wer hätte auch ahnen können, daß es sich hier um eine Krankheit handelte! Statt dessen ließ ich mich, keiner Gegenwehr fähig, in die Kneipenküche stecken.

Dort mußte ich zwangsläufig den Zigarettenrauch der Gäste und rauchenden Kolleginnen und Kollegen einatmen. Hinter der Theke griff die sowieso recht träge Lüftung überhaupt nicht und so zog aller Qualm in die dahinterliegende Küche zur Dunstabzugshaube. Hinzu kam zum einen das Pulver, mit dem die Geschirrspülmaschine alle paar Spülgänge zu befüllen war, und das sich in Form heißer Dämpfe im Raum verteilte, sobald ich die Maschine öffnete, um eine Ladung Geschirr zu entnehmen. Da nutzte es wenig, daß ich mich aufgrund meiner Lumbalskoliose ‘gesund’ vor das am Boden stehende Gerät hockte, statt die schweren Einsätze aus dem Kreuz heraus zu heben, wie fast alle anderen (die ich oft genug mit Ausführungen zum Thema ‘Richtig Heben’ genervt habe. :wink: Bei dieser Hebetechnik geriet immerhin mein Gesicht nicht direkt in die Schwaden, die aus der Maschine quollen.) Zum dritten sondern auch Friteusen nicht unerheblich stinkende und ätzende Substanzen ab, auch bekannt als ‘Wrasen’, wenn ich richtig informiert bin. Ich achtete darauf, die Geräte auszuschalten bzw. zumindest herunterzudrehen, so es der Betrieb irgend erlaubte, doch spätestens bei der nächtlichen Reinigung mußte ich doch wieder nah heran.

Und all das mehrmals pro Woche über Stunden hinweg, immer in Bewegung, oft genug in Hetze. Ich hielt die Tür zum Hausflur prinzipiell offen, weil die ‘Luft’ sonst völlig unerträglich war. Dabei glaubte ich mich noch begünstigt. Ich zog die Arbeit an der Theke dem Küchendienst bei weitem vor, doch einem Theker wird mit etwas Pech über Stunden hinweg der Qualm direkt ins Gesicht geblasen. Er hat keine Möglichkeit auszuweichen, denn die Theke ist sein Arbeitsplatz. In den ersten Monaten kam diese Arbeit auch meinem Kummer entgegen – ich konnte mich in der Küche verstecken und mich durch ununterbrochene Beschäftigung ablenken oder kurz im Flur weinen. Mein Erbe war nicht so umfangreich, als daß ich mir mehr als ein paar freie Tage hätte leisten können, zumal zunächst Kosten anfielen, die meine bescheidenen Lebensverhältnisse bei weitem überstiegen. Erst im Februar 2007 wechselte ich von Vollzeit auf eine geringfügigere Beschäftigung – weil ich mehr nicht mehr leisten konnte. Aufgrund des ewigen Kummers und so weiter – glaubte ich. Auch da lag es mir noch völlig fern, mich etwa für krank zu halten. Ich war froh um den gewohnten Arbeitsplatz und bildete mir sogar ein, irgendwann im Laufe des Jahres wieder ‘besser beieinander’ zu sein und wieder theken zu können. Ich war überzeugt, mich nur ein wenig schonen zu müssen, um alsbald wieder Vollzeit arbeiten zu können. Das war ein grundlegender Irrtum. (Fortsetzung)